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Das Saxofon als Singstimme

Das Saxofon als Singstimme

Der amerikanische Jazz-Saxofonist Joshua Redman und sein Quartett haben in der Philharmonie Luxemburg ein abwechslungsreiches Programm mit Jazzklassikern und Eigenkompositionen geboten. Dabei bestachen die Musiker vor allem durch Eleganz und brillante Spieltechnik. Mehr als 1000 Zuhörer haben die Künstler stürmisch gefeiert.

Luxemburg. Mit einer sanft melancholischen Ballade zu Beginn seines Konzerts zeigt Joshua Redman gleich, welch ein brillanter Instrumentalist er ist. Er setzt ganz auf die vokale Qualität des Saxofons, lässt es mit samtigem, lyrischem und ungeheuer sauberem Ton wie eine gut ausgebildete Singstimme klingen.
Der melancholische Grundtenor des Auftakt-Stücks weist bereits auf den Schwerpunkt hin, den er in seinem Konzert setzt. Es gibt viele Titel aus seinem jüngsten Album zu hören. Den Titel dafür hat er sich bei Shakespeares "Macbeth" ausgeliehen: In diesem Drama ist ebenfalls von "Walking Shadows", wandernden Schatten, die Rede.
Zu hören sind ausschließlich Balladen und Eigenkompositionen, aber auch Jazz-Klassiker wie "Stardust" von Hoagy Carmi chael oder Pop-Titel wie "Doll is mine" von der Rockgruppe Blonde Redhead.
Mit seiner schon seit 14 Jahren bestehenden Band aus Aaron Goldberg am Piano, Reuben Rogers am Bass und Gregory Hutchinson am Schlagzeug interpretiert er sie, wie auch neuere temporeiche Stücke, als elegante Mischung verschiedener Stile. Da tauchen Anklänge an den Jazz der 50er und 60er Jahre, an romantische Kammermusik oder die klassisch-mathematische Präzision eines Johann Sebastian Bach auf. Das ist ebenso einnehmend wie das perfekte, einer melodiösen Ästhetik verpflichtete Spiel der Akteure.
Doch ist diese Ästhetik zum Teil auch Hemmschuh für echte Tiefenwirkung. Manches ist einfach eine Spur zu glatt. In konventionellem Jazzmuster wechseln sich die Musiker zwar mit technisch hervorragenden Improvisationen ab, die stets viel Zwischenapplaus ernten. Aber das wirkt oft wie programmiert, da fehlt Reibung, echter spannungsgeladener Austausch, leidenschaftliche Glut.
Redman selbst taut zum Ende hin mehr und mehr auf, wirft sich mit mitreißender Energie, ja Ekstase in oszillierende Höhenflüge und wagt tatsächlich auch mal einen "rotzigen" Ton. In dieser Weise macht er das letzte Stück des Abends, "Remember" von Irving Berlin, zum Höhepunkt. Das Publikum applaudiert stürmisch, fordert mehr und bekommt noch einen, die erst leise und bluesige, dann extrovertierte Interpretation von "Let it be" der Beatles. ae