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Das Schöne im Traurigen

Das Schöne im Traurigen

Viel zu oft hat man schon gehört, was das Leben angeblich alles nicht ist: Kein Wunschkonzert, kein Picknick, immerhin auch kein, hoho, Ponyhof. "Das ist mein Leben, ich kann's nicht ändern", sagt Robin Proper-Sheppard, besser bekannt als Sophia, bei seinem Konzert im Wohnzimmer-Ambiente.

Gerade musste er den Song "Lost" abbrechen, ein intimes Stück über die letzten Stunden am Bett seiner todkranken Mutter. Momente, die Ewigkeit atmen in Zeilen, Gedanken und Gitarren-Akkorden. Nein, übel nehmen kann man dem in London lebenden Kalifornier den kleinen Aussetzer nicht. Denn zum einen ist man sozusagen zu Gast bei ihm. Er steht vorn, in schwarz gekleidet, nur mit Akustikgitarre, Mikro, hinter ihm einer karge Leinwand mit nackter Heizung als Bühnenbild. "At Home with Sophia" heißt die Show, Abschluss in Trier. Per Mail konnten sich die Fans Songs wünschen. Er erfüllt die Wünsche.

Proper-Sheppard schickt die gut 80 Zuschauer im bestuhlten Balkensaal eineinhalb Stunden auf eine Reise, die unter die Haut geht. Die Botschaft: Das Leben ist kein Kindergeburtstag. Es ist eine Open-End-Party in der Palliativstation. Proper-Sheppard kann in feinen Nuancen auch der Schönheit des Lebens etwas abgewinnen. Aber die Trauer liefert die schöneren Songs. Fazit: Es ist eine Gratwanderung im Dauer-Moll, zwischen Trauerarbeit und Depression. Man muss sich darauf einlassen können - aber mehr Emotion gibt's in diesem Winter nicht mehr. Andreas Feichtner