"Das sind ja fast schon Klassiker"

"Das sind ja fast schon Klassiker"

Das Philharmonische Orchester Trier steigt mit Musik des 20. Jahrhunderts in die neue Saison ein. Auf dem Programm des 1. Sinfoniekonzerts am 9. September stehen Kompositionen von Ravel und Prokofjew. Und mit einem Werk von Luciano Berio gibt es raffinierte Moderne.

(mö) Sage jemand, das Trier er Konzertprogramm sei verstaubt. Mit Maurice Ravels Konzert G-Dur präsentiert das 1. Sinfoniekonzert ein bedeutendes Konzert des 20. Jahrhunderts und zudem mit Xie Ya-ou eine junge Pianistin, der Kritiker "Geschmeidigkeit und Präzision" bescheinigen. TV-Redakteur Martin Möller sprach mit dem Trierer Generalmusikdirektor über das Programm, die Pianistin und auch das Potenzial des Philharmonischen Orchesters am Trierer Theater.

TV: Herr Puhl, Sie starten in die Sinfoniekonzert-Saison komplett mit Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Ist das nicht ein bisschen mutig für das konservative Konzertpublikum?

Puhl: Das glaube ich nicht. Maurice Ravel ist nun wirklich kein Unbekannter mehr und das Klavierkonzert eins seiner bekanntesten Werke. Sergej Prokofjews fünfte Sinfonie ist fast schon ein Klassiker und wird vom Publikum immer sehr gut angenommen. Und der zeitgenössische Komponist Luciano Berio benutzt in seiner "Ritirata notturna di Madrid" Zitate aus einem Streichquartett von Luigi Boccherini. Der schrieb das Werk in Madrid nach seiner Rückkehr aus der spanischen Provinz 1784. Im 18. Jahrhundert also.

TV: Dann frage ich mal anders: Ist das Programm nicht insgesamt ein bisschen schwierig für das Philharmonische Orchester in Trier?

Puhl: Also, nach zwei Spielzeiten kennen wir uns ganz gut, und es ist genau der richtige Moment, noch ein bisschen - ich sage mal: aufs Gaspedal zu treten.

TV: Jeder Musiker, jedes Ensemble hat irgendwo seine Grenzen. Wo, denken Sie, liegen diese?

Puhl: Bis jetzt habe ich eine echte Grenze noch nicht entdeckt - es sei denn die barocke Aufführungspraxis. Die ist bei Spezialensembles besser aufgehoben.

TV: Wir haben diesmal eine exotische Solistin. Ist sie die richtige für das Ravel-Klavierkonzert?

Puhl: Xie Ya-ou - "Xie" ist übrigens der Nachname - kommt aus China und lebt in Berlin. Sie bringt wie viele Pianisten aus Fernost die Technik und vor allem die Präzision mit, die bei Ravel unbedingt notwendig sind. Ich kenne sie und weiß, dass sie dieses Klavierkonzert hervorragend spielt und dass sie vor allem die Farbe und Klarheit einbringt, die dieses Werk benötigt.

TV: Vielleicht geben Sie den Besuchern einen Tipp: Was ist besonders interessant oder besonders schön im Programm?

Puhl: Die Komposition von Berio. Man hört sie nicht so oft. Und wie er Motive von Boccherini so kombiniert, dass sie sich raffiniert überlagern, das ist absolut genial. Eine ganz neue Art, mit älterer Musik umzugehen und mit unserer Kultur ein wenig zu spielen.

Extra

1. Sinfoniekonzert am Donnerstag, 9. September, 20 Uhr im Trierer Theater. Das Programm: Luciano Berio: Ritirata notturna di Madrid, Maurice Ravel: Klavierkonzert G-Dur, Sergej Prokofjew: Sinfonie Nr. 5. Solistin ist Xie Ya-ou. Die Leitung des Konzerts übernimmt Generalmusikdirektor Victor Puhl. Karten: (0651) 718-1818. www.theater-trier.de