"Das Tier von Trier": Konzert für Kinder ab sechs am Trierer Theater

Musik : "Das Tier von Trier" im Theater:125 Kinder und ein viel-armonischer Krake

Außergewöhnliches Konzert: Orchestermusiker und Schüler bringen gemeinsam „Das Tier von Trier“ auf die Bühne

Sie waren noch gar nicht in Trier, da hatten Intendant Manfred Langner und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach dem Theater bereits 375 000 Euro besorgt. Was das Haus mit diesem Geld aus dem Förderprogramm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ unter anderem angestellt hat, lässt sich am kommenden Sonntag, 1. Dezember, begutachten. Die Zuschauer erwartet ein ganz und gar ungewöhnliches Spektakel.

Nicht nur, weil die Profis des Philharmonischen Orchesters gemeinsam mit 125 Kindern und Jugendlichen musizieren. Nicht nur, weil neben Geigen oder Hörnern auch Autostoßdämpfer, Ölfässer, Bambusrohre, Blechdosen und Badewannenstöpsel zu hören sind. Auch die Geschichte, die das riesige Ensemble auf die Bühne bringt, ist überaus ungewöhnlich. Hauke Berheide hat „Das Tier von Trier. Juris Reise durch das Trierer Urmeer“ als Auftragswerk komponiert. Ein Werk, das auch Kinder begeistern soll, die kein Instrument spielen und Menschen, die nicht zum klassischen Konzertpublikum gehören.

„Es ist eine sehr fantasievolle Geschichte“, sagt Konzertpädagogin Carola Ehrt, die das Stück in den vergangenen Wochen mit Schülern der Keune- und der Ausonius-Grundschule, der Kurfürst-Balduin-Realschule plus und des Staatlichen Eifelgymnasiums Neuerburg einstudiert hat. Im Zentrum der Geschichte für Kinder ab sechs Jahren steht Juri (gespielt von Stephan Vanecek), ein Taucher, der unbedingt beim großen Festkonzert des Trierer Theaters mitwirken möchte. Allerdings kann er weder ein Instrument spielen noch singen. Und so schickt der Dirigent ihn wieder weg. Als Juri kurz darauf von der Römerbrücke springt geht seine Taucheruhr kaputt. Sie läuft plötzlich rückwärts und katapultiert ihn 200 Millionen Jahre zurück in das Trierer Urmeer. Ein Meer voller Riesenkrokodile, Ammoniten, Fischsaurier und anderer merkwürdiger Wesen. Zusammen mit dem „viel-armonischen Riesenkraken“ macht Juri sich dort auf die Suche nach dem Tier von Trier, das einen sagenhaften Klangschatz besitzen soll, den sich Juri für das Festkonzert ausleihen will. So weit die Geschichte, deren Ende – so viel sei verraten – lehrreich wird und, wer weiß, vielleicht sogar Gänsehaut produziert.

Einen Teil der Musik hat Berheide fürs Orchester auskomponiert. An anderen Stellen habe er, erklärt Carola Ehrt, bewusst „weiße Flecken“ gelassen, die die Schüler mit ihrer Musik füllen können. 14 Orchesterpaten haben die jungen Musiker dabei begleitet, ihre eigenen Instrumente zu bauen und als Ensemble zu spielen. Panflöten-Bambusröhren wurden so lange abgesägt und mit Bienenwachs behandelt, bis die Töne sauber rauskamen, auch Strohhalme und Kronkorkenrasseln kommen zum Einsatz, um die merkwürdigen Meeresbewohner zum Sprechen zu bringen. Im Falle des Monsters vom Kockelsberg auch Ölfässer mit Golf-Stoßdämpfern. Die Kostüme haben die Kinder aus Pappmaché selbst hergestellt und bemalt. Ein Prozess, bei dem die Kinder viel lernen: was ein Regisseur macht und was ein Komponist, „sie entdecken musikalische Strukturen, erfahren, wie Instrumente aufgebaut sind, wie wichtig Timing ist und sie spielen selbst“, sagt Ehrt.

Neben den Schülern, die bisher gar nichts mit Orchestermusik zu tun hatten, wirken beim „Tier von Trier“ auch Jugendliche mit, die ihr (klassisches) Instrument bereits so gut beherrschen, dass sie eine Stimme spielen können. In dem Programm „Pult an Pult“ haben Orchestermusiker sie auf diesen Auftritt vorbereitet.

Für Familien bietet das Theater am Sonntag mehr als nur eine Aufführung: Von 15 bis 17 Uhr ist im Foyer ein Instrumentenparcours aufgebaut, bei dem Neugierige selbst allerlei mehr oder weniger verrückte Instrumente zum Klingen bringen können – für Kinder ist das Ganze als Rallye auf der Suche nach dem Klangschatz konzipiert.

Das Tier von Trier. Foto: Theater
Das Tier von Trier. Foto: Theater

„Das Tier von Trier“ ist am Sonntag, 1. Dezember um 17 Uhr im großen Haus zu sehen. Karten für Kinder gibt es ab fünf Euro, für Erwachsene ab 8,50 Euro. Der Familientag im Foyer kostet keinen Eintritt.