| 20:35 Uhr

Das tragische Leben des Metallica-Millionärs

James Hetfield 2012.
James Hetfield 2012. FOTO: Steve C. Mitchell (EPA)
Trier. Leid, Not und Qual als Quelle der Kunst - harte Schicksale sind feste Größen in der Welt der Rockmusik. Ein harter Fall ist James Hetfield, Sänger und Frontmann von Metallica, der erfolgreichsten Metalband der Welt. Hetfield wird am 3. August 50 Jahre alt. Jörg Pistorius

Der Schmerz gebiert die Musik, sagen Blues und Rock. Der Schmerz ist die Musik, könnte James Hetfield antworten. Und man würde es ihm glauben. Wer den Hünen auf der Bühne erlebt, sein zur Grimasse verzerrtes Gesicht sieht und sein wütendes Knurren, Bellen und Brüllen hört, nimmt es ihm ab: Das hier ist keine Pose. Dem Mann tut wirklich einiges weh.
Hetfield lässt in seiner Musik Monster raus, die ihn seit seiner Kindheit verfolgen. Monster, unter deren Einfluss er und seine Band Metallica weltweiten Ruhm erlangt haben und mit mehr als 100 Millionen verkaufter Alben zur erfolgreichsten Metalband der Welt geworden sind. Wenn die Kalifornier 2014 ihr zehntes Studioalbum produzieren, wird die Welt von Alaska bis Australien darauf warten, darüber diskutieren und es kaufen.Früher Tod der Mutter

James Hetfield wächst in einer Familie christlicher Ultra-Fundamentalisten auf, die Arztbehandlungen ablehnt, weil Gott schon selbst alles regeln wird. In der Highschool ist er deshalb ein Außenseiter. Sein Vater verlässt die Familie, als Hetfield 13 ist. Drei Jahre später stirbt seine Mutter an einer nie behandelten Krebserkrankung. Mit 16 wird Hetfield zum Trinker. Mit 18 gründet er zusammen mit dem dänischen Schlagzeuger Lars Ulrich die Band Metallica. Dem mürrischen und misstrauischen Jungen steht ein Aufstieg zu den höchsten Gipfeln der lauteren Musik bevor - und jede Menge weiterer Schmerz.

Schon in den 80ern wird Metallica zur bestimmenden Größe im noch jungen Metalgenre. Härter, schneller und bissiger als ihre Inspirationen, britische Metalpioniere wie Iron Maiden, Diamond Head und die Tygers of Pan Tang, räumen sie vor allem mit ihrem dritten Studioalbum "Master of Puppets" - bis heute ein unumstrittenes Meisterwerk des Genres - alles ab. Doch die nächste Katastrophe wartet bereits auf James Hetfield. Während einer Europatour kommt der Bandbus 1986 auf dem Weg von Stockholm nach Kopenhagen ins Schleudern und überschlägt sich. Bassist Cliff Burton wird herausgeschleudert und von dem fallenden Bus zerquetscht. In der 2011 gedrehten Dokumentation "Absent" sagt Hetfield: "Ich leide an einer tief sitzenden Verlustangst, die Cliffs Tod wieder aufriss. Ich ließ keinen mehr an mich ran, der mir nahekommen könnte."

Der Aufstieg der Band geht dennoch weiter. Das Album "Metallica", inoffiziell wegen des Covers auch das schwarze Album genannt, wird 1991 zum Megaerfolg und zielt zum Entsetzen der Hardcorefans mit der Ballade "Nothing Else Matters" auch auf metalfremde Kreise. Gerade diese Ballade wurde zum größten Erfolg der Bandgeschichte.Die nächste Katastrophe


Um die Jahrtausendwende wird James Hetfield klar, dass er selbst zur nächsten Katastrophe wird, wenn er nicht einiges ändert. Die Bandharmonie ist zerfressen durch die ständigen Konflikte zwischen Hetfield und dem emotional instabilen Lars Ulrich, der Alkohol ist immer noch ein massives Problem. Hetfield geht acht Monate lang freiwillig in eine Entzugsklinik, die Band macht eine Gruppentherapie mit einem Psychologen. In dieser Zeit entsteht das umstrittene achte Studioalbum "St. Anger".
Heute sagt der Vater dreier Kinder, er habe Aggressivität, Jähzorn und Alkohol überwunden und wünsche sich nur noch eine intakte und glückliche Familie mit ihm als Oberhaupt. Morgen wird er 50. Herzlichen Glückwunsch, James.Extra

Traurig, tragisch, unheilverkündend: Sex, Drogen und Rock'n'Roll waren nie die führenden Themen von Metallica-Songs. Düster und drohend spiegeln viele von Hetfields Texten seine inneren Dämonen wider. In "The God That Failed" verarbeitet er den tragischen Krebstod seiner Mutter, deren religiöse Überzeugung eine ärztliche Behandlung nicht zuließ. "Until It Sleeps" ist ein Song über den Krebs selbst, der hinterhältig Leben zerstört. In "Leper Messiah" greift er Sektenführer und Fernsehprediger an, die hauptsächlich auf Geld fixiert sind. Auch außerhalb seiner persönlichen Tragödien bleiben Hetfields Songs düstere Stoffe. Die mit dem Musik-Oscar Grammy ausgezeichnete Ballade "One" (1988) entpuppt sich nach melodiösem und geradezu fröhlichem Einstieg als stumme Bitte eines Soldaten um den Tod, nachdem eine Mine ihm Augen, Gehör, Stimme, Arme und Beine genommen hat. jp

James Hetfield und Kirk Hammett von Metallica.
James Hetfield und Kirk Hammett von Metallica. FOTO: John G. Mabanglo (EPA)
Roskilde, Dänemark, 6. Juli 2013
Roskilde, Dänemark, 6. Juli 2013 FOTO: Torkil Adsersen (SCANPIX DENMARK)