Das Trifolion Echternach legt Programm 2019/2020 auf.

Echternach/Trier : Nicht immer nur Champagner!

In der Kulturszene im deutsch-luxemburgischen Grenzraum ist vieles in Bewegung. Einrichtungen wie das Trifolion in Echternach versuchen mit neuen Projekten, Europa stärker in den Blick zu nehmen.

Jedes halbe Jahr steht das Kulturzentrum Trifolion in Echternach vor einem „Hochseilakt“. So jedenfalls nennt es Direktor Ralf Britten, wenn er Programmgestaltung, städtische (Bildungs-)Aufträge und das Budget unter einen Hut zu bringen versucht. Seit die Kultur mit dem Stadtmarketing und dem neu gegründeten Festival in einer Trägervereinigung zusammengeführt wurde, ist die Rolle des Hauses mit seinen erstklassigen Konzertsälen noch grundsätzlicher in den Fokus gerückt.

 „Diese Region ist so gesättigt an Kultur“, beschreibt Britten die Ausgangslage. Es gebe täglich parallel so viele tolle Angebote, dass es wichtig sei, sich mit eigenem Profil und Inhalten abzugrenzen. „Wenn ich jeden Tag Champagner trinke, schmeckt er irgendwann nicht mehr“, stellt er mit Blick auf das Top-Kulturangebot in Luxemburg fest. Im Klartext heißt das: Mit der Philharmonie in der Hauptstadt zu konkurrieren, mache keinen Sinn, vergeude nur die ohnehin nicht allzu üppigen Ressourcen.

In zwei Richtungen entwickelt das Trifolion sich weiter. Britten widerspricht dem Eindruck, dass explizit luxemburgische Veranstaltungen größeren Raum einnehmen als bisher. Richtig sei aber auch, dass Einheimische, Vereine, Schüler und (Gastro-)Betriebe sich stärker als zuvor in der neuen Trägervereinigung vernetzen. So haben sich beim neu gegründeten Festival, das früher ganz auf exzellente Klassik-Konzerte ausgerichtet war und nun zu einem Volksfest mit Kulturprogramm geworden ist, Dutzende Freiwillige eingebracht, wie Farina Bender, Leiterin Marketing, Kommunikation und Programmgestaltung berichtet. Das sei gewollt. Und mit der Bilanz der Erstauflage an dem Juli-Wochenende 2019 sind die Macher zufrieden: 3500 Besucher. „Es war ein guter Auftakt“, so Bender. Viele Besucher erwarten die Kulturmacher in Echternach auch wieder zu den publikumsträchtigen Entertainment- und Kabarett-Abenden von den 12 Tenören über das Russische Ballett bis zu den immer schnell ausverkauften Kinder(theater)-Angeboten.

Über die Vernetzung der örtlichen Aktivitäten hinaus richtet sich der Blick über die Grenze und auf kulturelle Herzensprojekte. Schließlich schaut auch der luxemburgische Staat inzwischen mehr darauf, wohin die Kultursubventionen gehen und wo man Aktivitäten bündeln kann.

„Unser Saal ist für Klassik-Konzerte gebaut“, sagt Britten. Diese dort nicht stattfinden zu lassen, bedeute „Perlen vor die Säue“ zu werfen. Ein Klavierzyklus könnte die Lücke füllen. Zudem könnten Kooperationen, auch über die Grenze, Kultur jenseits der Hauptstadt stärken. Zum Beispiel könnten Mosel Musikfestival und Trifolion gemeinsam eine Oper oder Operette veranstalten und diese dies- und jenseits der Grenze spielen.

Tobias Scharfenberger, Intendant des Mosel Musikfestivals, sieht in solch einer Kooperation viel Potenzial. „Ich bin da sehr aufgeschlossen“, sagt er gegenüber dem TV. Kunst und Kultur könnten Europa stärken, indem man im jeweils anderen nach Inspirierendem suche. Für das Programm 2021 hält Scharfenberger ein grenzüberschreitendes Projekt für realistisch. „Der Wille ist da“, so Britten. „Nun kommt es darauf an, es zu projektieren.“ Es werde sicherlich ein paar Jahre dauern.

Trifolion neues Programm 2019/2020. Foto: Trifolion
Der Chef greift selbst in die Tasten: Trifolion-Direktor Ralf Britten übernimmt im Kammerkonzert Ende September den Klavier-Part. Foto: Trifolion

Auch mit den beiden (deutschsprachigen) Reihen „Literatur“ und „Horizonte“ intensiviert das Trifolion den Austausch über Grenzen. 1950 Besucher kamen im Frühjahr zu den Diskussionsrunden. Das Thema fürs nächste Frühjahr lautet „Umbrüche“ und spannt einen Bogen von der Digitalisierung über die Krise der europäischen Parteien bis zum Klimawandel.

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