Das war Hamma!

Fetenkracher, Animation und Systemkritik: Auf ihrer "Schöne neue Welt"-Tour hat Culcha Candela am vergangenen Wochenende in Trier gastiert. Die unbändige Energie der Berliner Multi-Kulti-Band und ihre Hits machten aus den Kaiserthermen 90 Minuten lang Party-Thermen.

Trier. "Ausverkauft" steht am Samstagabend auf einem Zettel an der Abendkasse. Wer keine Karte hat und Culcha Candela (übersetzt: Heiße Kultur) erleben will, muss sich noch 24 Stunden gedulden - bis zum Zusatzkonzert am Sonntagabend. Doch 1800 Fans haben es geschafft, schon beim ersten Auftritt mit dabei zu sein: Aber auch ihre Geduld ist gefragt. Bis 21.30 Uhr. Dann, endlich, konkurrieren Blitze aus Handys und Fotoapparaten chancenlos mit dem Scheinwerfer- und Leinwandspektakel auf der Bühne. Culcha Candela ist da!

Zuvor haben Chef Cet und Martin Jondo die undankbare Aufgabe, die Stimmung anzuheizen. Keine Chance. Erst mit der Multi-Kulti-Band - sechs Bandmitglieder haben ihre Wurzeln in fünf Ländern und vier Kontinenten - kommt die erwartete Party-Energie in die alte Römerstätte.

Culcha Candela singt zum Auftakt "Chica", tanzt, die Bandmitglieder lassen Hüften kreisen, die Fans kreischen. "Wo sind eure Hände?", fragt Mr. Reedoo. Blitzartig schnellen Hunderte Hände nach oben. "Ihr seid ein partywilliges Publikum. Zieht eure Mützen, Jacken, T-Shirts aus, es wird heiß heute Abend!", verspricht Mr. Reedoo.

Die Gäste kommen in Fahrt: Etliche Fans im Vorschulalter klatschen ebenso begeistert zu Hip-Hop, Latino-Rhythmen und Reggae-Sounds wie zahleiche Mittvierziger, die ihre Teenager begleiten. Kim (11) etwa singt jedes Lied so textsicher wie ein leicht ergrauter Vater mit schicker Markenbrille.

Culcha Candela verbindet die Generationen, und Don Cali, Itchyban, Larsito, Mr Reedoo, Johnny Strange und DJ Chino spielen unentwegt mit dem Publikum: "Wenn der Beat einsetzt, gehen wir alle gemeinsam nach rechts", sagt Larsito.

Die Fans machen mit und haben Spaß. Und die im einheitlichen Banddress - mal schwarz, mal weiß - gekleideten Stars flirten permanent mit den Trie-rer Ladies. "Das hier ist Hamma", meint ein Mädchen. "Hamma" ist der bislang größte Hit der Berliner Band, und der Titel gehört mittlerweile zum Wortschatz der pubertierenden Generation. "Hamma" ist eine Steigerung von "cool", erklärt Jule (13). Sechs Wochen stand das Lied auf Platz eins. Auch "Monsta", ein Top-Hit aus den Charts, "Eiskalt", "Somma im Kiez" und natürlich "Schöne neue Welt" fehlen nicht in der 90-minütigen perfekten Show. Ebenso begeistert wie das Publikum von der Party sind die Berliner Jungs von den Trie-rern und den "ehrwürdigen" Kaiserthermen. "Es ist der absolute Wahnsinn, in solch einer Kulisse zu spielen", schwärmt Mr. Reedoo.

Kurz nach 23 Uhr ist die "Heiße Kultur"-Fete nach einer Zugabe vorbei. Genug für die ganz jungen Konzertbesucher: Sie gähnen und werden, teils huckepack, zum Auto getragen. Zu wenig für die großen Fans. "Wir gehen morgen noch mal hin", sagen aufgekratzte Teenager und singen "Schöne neue Welt" vor sich her. Allmählich wird es wieder ganz leise in den alten Gemäuern.