"Das Werk packt einen"

"Das Werk packt einen"

TRIER. Er ist zwar nicht mehr Intendant, aber keineswegs aus der Welt: Heinz Lukas-Kindermann bringt in Luxemburg die Oper "Weiße Rose" von Udo Zimmermann auf die Bühne.

Nein, seine Drehzahl hat sich nicht sonderlich verringert, seit Heinz Lukas-Kindermann das Amt des Trierer Theaterintendanten abgegeben hat. Ein wenig ruhiger wirkt er schon, seit er los geworden ist, was er rückblickend den "Ballast der Bürokratie" nennt. "Noch nie" sei er so oft in anderen Opernhäusern gewesen, um seinen "Nachholbedarf zu stillen", erzählt der Wiener, der nach wie vor ein Wahl-Trierer ist. Aber wenn er aufzählt, was er seit dem Finale der Antikenfestspiele im Juli alles so gemacht hat, stellt er selber fest, dass es "gar keinen so großen Unterschied gibt". In Salzburg hat er im August ein Symposium zum Thema "Traum und Wirklichkeit" mitgestaltet, in Prag im September die Wiederaufnahme der Oper "Tiefland" geleitet, und seit Oktober arbeitet er in Luxemburg an der Realisierung der "Weißen Rose". Die "Szenen für 2 Sänger und 15 Instrumentalisten" um die Geschichte der Widerstandkämpfer Hans und Sophie Scholl begleiten ihn schon lange. 1987, ein Jahr, nachdem Udo Zimmermann diese erfolgreichste zeitgenössische Oper komponiert hatte, inszenierte Kindermann das filigrane Stück an der Wiener Staatsoper - und heimste allerhöchstes Lob der Opernwelt ein. Der damalige Wiener Intendant Claus Helmut Drese bezeichnete die Produktion noch in seinen Memoiren als eine der wichtigsten seiner Amtszeit. Ein Jahr später realisierte Kindermann mit der ihm eigenen Mischung aus Sturheit und Sendungsbewusstsein eine Aufführung an historischer Stätte, in der Universität München, wo die Mitglieder der "Weißen Rose" bei einer Anti-Nazi-Flugblattaktion verhaftet wurden. "Das Werk packt einen, denn es hat etwas zu erzählen", sagt der Regisseur. Die Geschwister Scholl und ihre Freunde seien "ganz normale Leute" gewesen, "keine Märtyrer und Heiligen und trotzdem eine wirkliche Ausnahmeerscheinung". Wie es denn möglich sei, fragt sich Kindermann, "dass diese jungen Menschen alles gewusst haben, während der Rest später immer behauptet hat, niemand hätte was geahnt?" Trotz aller Aufklärung sei der Bekanntheitsgrad der jugendlichen Widerstandkämpfer "heute viel zu klein". Ein Grund mehr, die Oper aufzuführen. In Luxemburg hat Kindermann die Chance, wie einst in Wien mit Udo Zimmermann zusammenzuarbeiten, der sein Werk selbst dirigiert. Mit Stephanie Krone und Thomas Blondelle verfügt er über eine Wunschbesetzung, "vor allem, weil das Alter diesmal passt". Und auch sonst schwärmt er von den enormen Möglichkeiten im "Grand Théâtre". "Bühnentechnisch können die absolut alles", sagt der ehemalige Intendant. "Anders als in Trier" sagt er nicht, aber der Gedanke ist auch so nachvollziehbar. Das Theater, die Antikenfestspiele, die Kulturszene, das beschäftigt ihn immer noch mächtig. "Ganz schön verwurzelt" sei er nach acht Jahren, und natürlich könne man auch demnächst als Besucher an alter Wirkungsstätte mit ihm rechnen - "falls ich im Lande bin". Anson-sten hält er sich mit Wertungen zurück, obwohl er das Geschehen offenkundig mit Interesse verfolgt. Nur bei "seinen" Antikenfestspielen kommt er nicht umhin, noch einmal die Fortsetzung der "auf Trierer Verhältnisse maßgeschneiderten Konzeption" anzumahnen, die er über Jahre entwickelt hat. "Ich hoffe, dass es so weitergeht", sagt er. Eigene Zukunftspläne hat er reichlich, die Ideenschmiede läuft auf vollen Touren mit Blick auf das Mozartjahr 2006 und die deutsche Bewerbung für die "Europäische Kulturhauptstadt 2010". Aber darüber will er eigentlich gar nicht so viel reden, ebenso wenig wie über die kommenden Regiearbeiten, die er vorbereitet. "Schreiben Sie lieber über die ‚Weiße Rose', das ist jetzt wichtiger", gibt er dem Reporter noch mit, bevor er sich auf den Weg zu den Proben macht. Aufführungen der "Weißen Rose" im Studio des Grand Théâtre am 16. und 17. November um 20 Uhr. Kartenbestellungen: 00352/4708951.