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Das wohltemperierte Miau

Das wohltemperierte Miau

Edgar Allan Poe, der Gigant des Gruselromans, ist zwar seit 163 Jahren tot, seine Werke inspirieren aber immer wieder zu neuen künstlerischen Auseinandersetzungen. Im Luxemburger Théâtre national ist daraus eine Art Gesamtkunstwerk geworden.

Luxemburg. Typisch Poe: "Die schwarze Katze" ist eine seiner klassischen Kurzgeschichten mit ihrem Mix aus Grusel, Mystery und schwarzem Humor. Ein Mann sitzt in der Todeszelle und rekapituliert, wie er dorthin kam. Er hat seine Frau ermordet und die Leiche eingemauert, das perfekte Verbrechen - wäre da nicht die versehentlich miteingekerkerte Katze, deren Miauen ihn am Ende verrät - ein ungewöhnliches Tier, mit dem ihn eine ganz besondere Beziehung verbindet.
Die Geschichte ist schon schräg genug, aber der Dirigent Martin Haselböck und der Regisseur Frank Hoffmann haben eine noch schrägere Idee draufgesetzt: Sie erzählen die Story als eine Art Pantomime mit Gesang, wobei die Gefängnis-Szenen mit strengen Bach-Kantaten untermalt sind, während die Rückblenden auf die Entstehung des Verbrechens mit der Musik des englischen Songwriters David Sylvian illustriert werden.
Das ergibt hochspannende Kontraste, und wenn etwa Bachs "Es reißet euch ein schrecklich Ende" die Verzweiflung des Täters (überzeugend gesungen und gespielt von James Oxley) nach dem Mord beschreibt, dann machen sich schon mal Gänsehaut-Gefühle breit - und nicht nur wohlige. Im Gegenzug zeichnen Sylvia Camarda und Jean-Guillaume Weis in ihrer imposant improvisierten Tanz-Performance die Gegensätze von bürgerlicher Spießer-Idylle und dahinter lodernder Begierde mit sichtlichem Vergnügen - wobei sie geschickt zwischen Menschen- und Katzenrollen wechseln.
Die Handlungsstränge verknoten sich zunehmend, angetrieben von dem feinen, achtköpfigen Barock-Orchester. Das ist durchweg unterhaltsam, manchmal etwas simpel und plakativ gestrickt. Aber es wird zu einem Gesamtkunstwerk durch die enorm präsenten Video-Visionen des Multimedia-Künstlers Virgil Widrich.
Da entstehen ganze Welten auf den drei Bühnen-Leinwänden, von der Postkarten-Idylle bis zum Inferno, vom Schattenspiel bis zum Farbenrausch. Bilder zum Luftanhalten. Da wird auch verständlich, warum man das Stück nach einem Bild von Paul Klee "New Angels" genannt hat.
Vorstellungen am 18., 19., 20. Dezember. Info: www.tnl.lu