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"Dass ihr darüber lacht …"

"Dass ihr darüber lacht …"

Bei seinem Auftritt in der Trierer Europahalle hat der Komiker Johann König die 1000 Zuschauer mit seinem Programm "Milchbrötchenrechnung" über zwei Stunden kontinuierlich zum Lachen gebracht. Eine reife Leistung, die live am besten funktioniert.

Trier. Das Geheimnis des Erfolges von Johann König und seinen speziellen Humor mit Worten zu beschreiben ist unmöglich, zumal sich diese Art von Wirkung nur vor Publikum und live wirklich entfaltet. Ganz unbestritten birgt das die Gefahr, dass es eben nicht funktioniert "so wie gestern in Karlsruhe" scherzt der Künstler am Freitagabend vor 1000 Zuschauern in der Trierer Europahalle.
Aber hier klappt es wunderbar. Still kichernd bis laut lachend verfolgt das Publikum die zweistündige One-Man-Show, die fast ohne Effekte und Requisiten auskommt. Zunächst testet der Mann aus Soest in Westfalen (das hört man seinem Zungenschlag auch an) die Reaktion auf einige "uralte Witze" - und tut dann erstaunt, dass er Lachsalven erntet. Dieses gespielte Erstaunen zieht sich durch das ganze Programm. Oft hält er sich eine Hand vors Gesicht, als wollte er sagen: "Ach du meine Güte, dass ihr darüber lacht ..."
Zoobesuch als Slapstick-Nummer


Feinste Abstufungen im Minenspiel - mal Entsetzen, mal Erstaunen, mal Belustigung, mal Aggressivität - spiegeln die Seelenlage des 43-jährigen Komödianten passend zur gerade gespielten Situation.
Diese Situationen passieren im Alltag oder im Familienleben. Königs spezielle Beschreibung und Verzerrung macht den unwiderstehlich komischen Reiz aus. Wenn seine Frau ihn beschimpft, ist das für ihn ein "verschlüsseltes Kompliment". Ein lakonisch erzählter Zoobesuch mit seinen drei Kindern gerät zur rasend komischen Slapstick-Nummer.
Er hat auch eine Maschine dabei, die O-Töne abspielt: beispielsweise eine herrlich schlüpfrig zu interpretierende Passage aus "Bibi Blocksberg" oder ein Versprecher des "Bundeskanzlers Merkel". Die Dame tituliert er permanent im Maskulin als "er". Warum das einem vor Lachen den Atem raubt, bleibt unergründlich, ist aber Fakt.
Die beleidigte Leberwurst


Sowieso ein gutes Zeichen, dass zwischendurch so gut wie kein Applaus aufbrandet. Das zeigt, dass die Leute bei der Sache sind, an seinen Lippen hängen, permanent lachen und glucksen. König könnte das als Kompliment auffassen (was er sicherlich auch tut), aber er mimt die beleidigte Leberwurst und notiert die mangelnde Reaktion des Publikums oberlehrerhaft auf einem verknitterten Zettel.
Überhaupt schaut er schon nach wenigen Minuten auf die Uhr und fragt sich, wann die Chose denn endlich vorbei sei. Dazu spielt er eine verquaste Zeitansage vom Band ab, die klingt, als hätte der Sprecher einen Knoten in der Zunge.
Mit kleinsten Mitteln, Verhaspelungen, Versprechern, winziger Gestik und Mimik sowie perfektem Timing erzeugt König unfassbare Lach-Effekte. Unbeschreiblich gut eben. Dabei ist auch Raum für Spontaneität, wenn eine Panne passiert oder beispielsweise zwei Zuschauer den Saal verlassen, als er gerade bissig über Veganer lästert. "Klar, die Veganer haben eben keinen Humor", ruft er ihnen nach.
Dann gibt er auch noch gekonnt den Mittelstands-Rapper und entlässt das Publikum mit dem Gefühl, einen unerklärlich lustigen Abend erlebt zu haben. DT