Dauerbaustelle Theater Trier

Dauerbaustelle Theater Trier

Das Minus des Theaterjahres 2015 ist noch nicht ausgeglichen, da drohen schon die nächsten roten Zahlen. Neben der Sorge um Finanzen und Image des Hauses treibt das Theater die Frage um, ob und wie es saniert wird.

Trier. Kaum ein Tag vergeht derzeit ohne Schlagzeilen über das Trierer Theater, seine Finanzen, seinen Intendanten, seine Pläne und die damit verbundenen Turbulenzen. Zuletzt rumorte es so sehr, dass der Stadtvorstand das Haus zum Thema der wöchentlichen Pressekonferenz machte. Sie zeigte, wie viele Baustellen es gibt.
Die künftige Baustelle: Noch immer ist offen, wie das Theatergebäude der Zukunft aussieht. Der Plan, den Würfelbau am Augustinerhof abzureißen und ein komplett neues Haus zu errichten, hat die Stadt aus Kostengründen auf Eis gelegt. Stattdessen untersucht ein Münchner Architekturbüro, welche Möglichkeiten es gibt, den Altbau zu sanieren. Die Ergebnisse werden Stadtvorstand und Kulturausschuss Ende Mai vorgestellt. Fest steht jetzt schon: Das Theater braucht mehr Platz und wäre trotz Sanierung auf einen zweiten Standort angewiesen.
Die finanzielle Baustelle: Noch weiß die Stadt nicht, ob und wie es ihr gelingt, das Minus des Theaterjahres 2015 auszugleichen. Fast eine Million Euro fehlen - laut Verwaltung unter anderem, weil der Tariflohn stieg und Sparauflagen kamen, als der Spielplan schon stand (der TV berichtete). Aus den gleichen Gründen sei abzusehen, dass es auch 2016 ein Minus geben wird, sagt Kulturdezernent Thomas Egger. Er hofft auf einen Erfolg der 275 000 Euro teuren Produktion "Jesus Christ Superstar". "Ein Minus in der Größenordnung wie 2015 können wir uns nicht erlauben." Der Kulturausschuss hat am Wochenende entschieden, zu klären, wo man im Kulturbereich sparen kann und wie sich Einnahmen verbessern lassen. Auch Gespräche mit der Kommunalaufsicht sind geplant.
Die rote Wand: Intendant Karl Sibelius war nach dem Eklat um das abgesagte Theaterstück "Die rote Wand", dessen Ausgangspunkt der Fall Tanja Gräff sein sollte, in die Kritik geraten. Sein Schauspielchef hatte bei einer Pressekonferenz gesagt, Waltraud Gräff sei involviert. Später stellte sich heraus, dass sie mit einer Inszenierung keineswegs einverstanden ist. Sibelius räumt Fehler ein. "Ich hätte die Mutter selbst kontaktieren sollen", sagt er. Er habe sich bei der Betroffenen und dem Kulturausschuss entschuldigt. Während die AfD seinen Rücktritt fordert, steht der Ausschuss hinter ihm. Für Schauspielchef Ulf Frötzschner könnte der Fall Folgen haben. Man prüfe personalrechtliche Konsequenzen, sagt Egger.
Personalquerelen: Der Verein Art but Fair, der sich für faire Arbeitsbedingungen für Künstler einsetzt, hat einen Brief veröffentlicht, in dem er eine Stellungnahme Sibelius‘ zu verschiedenen Vorwürfen fordert. Es geht um Sibelius' Rolle beim Stück "Die rote Wand" sowie um Abmahnungen, Abfindungen und fristlose Kündigungen. Fünf Mal sei der Verein wegen Sibelius' Arbeitsweise bereits kontaktiert worden. In seiner Antwort bittet Sibelius, aus der Liste derer gestrichen zu werden, die sich den Regeln des Vereins verpflichten. Dessen Unterstellungen hätten ihn "erschüttert" und ihm "Schaden zugefügt". Zu Personalangelegenheiten gibt er keine Auskünfte und beruft sich wie Egger auf Persönlichkeits- und Datenschutz. Der Personalrat sei aber involviert gewesen.
Neue Rechtsform: Die längst geplante Gründung einer Anstalt öffentlichen Rechts verzögert sich weiter. Grund sind laut Egger steuerrechtliche Fragen.Extra

Sibelius als Schauspieler: Kulturdezernent Thomas Egger hatte angekündigt, dass Karl Sibelius sich in der nächsten Spielzeit mehr auf seine Aufgaben als Generalintendant konzentrieren und daher nicht mehr selbst auf der Bühne stehen soll. "Das hat der Intendant auch so akzeptiert", erklärte Egger am Montag. Eine Sonderregelung sei allerdings für "Alles bleibt anders" vereinbart worden. Mit dem sehr gut besuchten Ein-Personen-Stück tritt Sibelius regelmäßig im Kasino am Trierer Kornmarkt auf. "Das Stück spielt er aus dem Effeff, da sind keine zeitaufwendigen Proben nötig", begründete Egger die Ausnahme. Sibelius will mit dem Schauspiel auch im Landkreis Trier-Saarburg auftreten, "um dort für das Stadttheater zu werben", erklärte Egger. In anderen Stücken soll Sibelius, der auch als Herzogin von Gerolstein in der zu Ende gehenden Spielzeit selbst auf der Bühne gestanden hat, künftig nicht mehr auftreten. "Außer, es gibt dafür einen künstlerischen Grund - solche Ausnahmen müssten dann aber von mir abgesegnet werden", betonte Egger. wocExtra

Dauerkarten: 341 Theaterbesucher haben zum Ende der Spielzeit 2015/16 ihr Abo gekündigt. Damit hat das Theater zurzeit noch 1504 Abonnenten. Zum Ende der Vorjahresspielzeit 2014/15 hatten 1592 Bürger Dauerkarten. Den Rückgang von 88 Abos schreibt Dezernent Egger nicht den aktuellen Querelen rund ums Stadttheater zu. "Häufig war der Grund, dass die neue Abostruktur nicht mehr erlaubt, ersatzweise eine Produktion aus einer anderen Sparte zu besuchen, wenn man am originären Abotermin verhindert ist." Dazu komme, dass der Aboverkauf für die Spielzeit 2016/17 noch nicht begonnen hat. "Ob die Zahlen tatsächlich zurückgegangen sind oder das Minus durch Neuabschlüsse aufgefangen wird, ist noch offen", sagte Egger. woc

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