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David Ianni hat eine Komposition nach der Amokfahrt veröffentlicht

Kultur : Die Amokfahrt mit Musik verarbeiten

Eine Komposition, die seine Gefühle nach der Amokfahrt ausdrückt: Das hat der luxemburgische Pianist David Ianni erschaffen. Nun wurde das Video veröffentlicht, das Aufnahmen aus Trier zeigt.

Auf schwarzen Hintergrund erscheinen die Ziffern 1,3,4 und 6. Mit jeder Ziffer wird ein Ton auf dem Klavier gespielt. Das erste Bild im Video ist eine der Uhren am Trierer Hauptmarkt, die 13.46 Uhr anzeigt. Mit diesen Eindrücken beginnt das Musikvideo der Komposition, mit der der luxemburgische Musiker David Ianni versucht hat, seine Emotionen nach der Amokfahrt in Trier am 1. Dezember zu verarbeiten.

Die Uhrzeit 13.46 spielt dabei eine wichtige Rolle: „Am Tag nach der Amokfahrt habe ich gesehen, dass es eine Gedenkminute um 13.46 Uhr geben wird. Das hat etwas bei mir ausgelöst, und die Tonfolge in der Komposition spiegelt diese Zeit wieder“, erzählt Ianni (siehe Info).

Am Tag nach der Amokfahrt habe er die Komposition geschrieben, doch musste er diese erst einmal wirken lassen. Als er noch mehr ausdrücken wollte, als in der Piano-Version möglich war, erstellte er eine Klavier- und Orchester-Version. Ianni hofft, das diese im nächsten Jahr gemeinsam mit einem Trierer Orchester aufgeführt werden kann. „Nach der Klavierversion hatte ich das Gefühl, dass es noch nicht abgeschlossen war, etwas hat gefehlt. In der zweiten Version waren andere Klangfarben und eine ganz andere Dramatik möglich“, sagt er weiter.

Es habe zwei Wochen gedauert, bis er sich entschied, die Komposition zu teilen und ein Video zu drehen. „Bei diesem sensiblen Thema war es mir wichtig, den richtigen Tonfall zu finden. Die Musik soll dabei auch zur Seele des Zuschauers sprechen, denn ich habe sie nicht einfach aus der Schublade genommen, sondern sie ist aus den Ereignissen entstanden“, sagt Ianni.

Für die Aufnahme hat er sich an Marcus Hübner, Inhaber des Pianohauses Hübner, gewandt, mit dem er schon öfter zusammengearbeitet hatte. Ianni: „Das Pianohaus war auch sehr nah an dem Ort dran, an dem der Täter festgenommen wurde.“ Die Videoaufnahmen sind mit dem Trierer Filmemacher Victor Beusch entstanden. Dafür hätten sie länger überlegt, wie sie das Video am besten gestalten. Ianni: „Ich wollte dabei auf keinen Fall in den Vordergrund, sondern es geht um die Aufnahmen der Stadt. Das Video ist jetzt fast dokumentarisch, denn es zeigt Gedenkaufnahmen aus der Zeit danach.“ Würde es später gedreht, hätte sich das Stadtbild schon wieder verändert.

Für Ianni war es ein wichtiges Anliegen, das Geschehene zu verarbeiten, da auch er eine enge Bindung zu Trier hat. „Als Luxemburger bin ich halb in Trier groß geworden. In den vergangenen Jahren war ich auch oft beruflich dort“, sagt er. Auch sein letztes Konzert in diesem Jahr habe er in Trier gespielt. Im Rahmen des Projektes „My Urban Piano Trier“, bei dem zwölf Klaviere gestaltet und in der Stadt aufgestellt wurden, habe er im September das Abschlusskonzert auf dem Domfreihof gespielt.

Der Musiker David Ianni hat in „Lamento“ seine Gefühle nach der Amokfahrt in Trier verarbeitet. Foto: TV/David Olkarny

Weitere Informationen zum Künstler und seinen Werken gibt es im Internet unter davidianni.com