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Dee Dee Bridgewater in Echternach: Eine Frau wie ein Erdbeben

Dee Dee Bridgewater in Echternach: Eine Frau wie ein Erdbeben

"Alles Männer", lacht sie mit Blick auf das Orchester. "Ich bin glücklich".

Die "heißeste Glatze Amerikas", wie eine große Zeitung Dee Dee Bridgewater unlängst titulierte, ist auch mit 61 Jahren eine hinreißende Frau. Im roten Kleid und High Heels bis zum Himmel steht sie auf der Bühne, ihr kahler Schädel lässt ihre Augen noch stärker strahlen. Witzig ist sie, kämpferisch und gefühlvoll. Eine Diva, die gern die Kokette gibt, etwa wenn sie mit Gast Waltzing und den Musikern des Luxemburger Orchestre National de Jazz flirtet. Im Mittelpunkt des Konzerts stehen Lieder von Billie Holiday. Die Verbeugung vor der Kollegin ist weit mehr als eine schlichte Neufassung. Bridgewater stattet die Lieder der früh verstorbenen Amerikanerin mit dem Prinzip Hoffnung aus. Wo für die geschundene Billie Holiday und ihre anrührende dünne Stimme alles als Endstation Sehnsucht endet, da klingt Bridgewaters Stimme wie ein Triumph, ein Bekenntnis zum Leben. Ganz gleich ob sie "Lady sings the blues" oder "A foggy day" singt. Als "legitime Nachfolgerin" Ella Fitzgeralds weist sich Bridgewater einmal mehr mit "Paganini" und anderen Titeln der Jazzlegende aus. Da wird ihre ganze emotionale Kraft erlebbar, ihr Gestaltungsreichtum, der vom zärtlichen Gurren bis zum Aufschrei reicht. Was macht es da schon, dass sie vielleicht ein wenig schneller erschöpft ist als früher, dass ihre Stimme ein paar Schluck Wasser mehr braucht. Brigdewater bleibt ein Event. ER