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Deep Purple sorgen für Druckwellen in der Rockhal

Deep Purple sorgen für Druckwellen in der Rockhal

Ihrem Ruf als Hardrock-Giganten haben Deep Purple in der Rockhal im luxemburgischen Esch alle Ehre gemacht. Mit einem Programm aus unbekannteren Stücken und vielen legendären Krachern elek trisierten sie 4000 Zuschauer aller Altersgruppen.

Esch/Alzette. Zwar wurde im Vorfeld der aktuellen Deep-Purple-Tournee spekuliert, ob sie vielleicht die letzte der 1968 gegründeten Band sein würde. In Esch aber deutet nichts darauf hin, dass die inzwischen im Rentenalter angekommenen Musiker bühnenmüde sind. Bassist Roger Glover (67), Schlagzeuger Ian Paice (64), Keyborder Don Airey (64), Gitarrist Steve Morse (58) und Sänger Ian Gillan (67) steht der Spaß ins Gesicht geschrieben.
Die Fangemeinde ist bunt gemischt, auffällig viele Jugendliche sind darunter. Deep Purple gehören eben zu den Kultklassikern, den Meilensteinen der Rockgeschichte. Entsprechende Erwartungen bedienen sie. Schon zu Anfang schicken sie laut und druckvoll Hits wie "Fireball" oder "Strange Kind of Woman" in die Halle, mit allen Komponenten, die den Purple-Sound so einzigartig machen. In griffigen Melodien mit Klassik-Einsprengseln prallt Stromgitarre auf Hammond-Orgel, ein rhythmisch präzises Schlagzeug auf markige Bassläufe und alles zusammen auf den eher Seelenschreien gleichenden Gesang von Ian Gillan.
In diesem wirkungsvollen Muster folgen einige unbekannte Stücke, wohl schon ein Vorgeschmack auf das im Februar erscheinende neue Album. Gillan ist anfangs etwas Mühe anzumerken, er verlässt öfter die Bühne. Die Lücken füllen mitreißende Soloimprovisationen der Mitmusiker.Wuchtig und pathetisch


Richtig zu Hochform läuft die Band ab der Gänsehautballade "Wasted Sunsets" aus dem Wiedervereinigungsalbum von 1984 auf. Hier versetzt Steve Morse mit einem Gitarrenintro, das an jeder Nervenfaser zupft, alle 4000 Menschen in andächtiges Schweigen. Danach startet Don Airey durch, mit einem furiosen Orgelintro zu "Lazy" und einem Solo in "No One Came". Wuchtig, pathetisch, kraftstrotzend hämmern "Perfekt Strangers" und "Come On" auf die Trommelfelle.
Und endlich kommt "Smoke on the Water". Tausende Kehlen nehmen der Band den Refrain ab, seriöse Herren spielen plötzlich ekstatisch Luftgitarre. Die Menge wogt wie die Wellen des Genfer Sees, als ihn 1971 der Qualm eines Brandes beim Frank-Zappa-Konzert überwaberte. Deep Purple hatten das aus einem Hotel in Montreux beobachtet und daraus das bekannteste Riff der Rockgeschichte gemacht. Mit den Zu gaben "Hush" und Black Night" gibt die Band nochmal ein gigantisches Saiten- und Tasteninferno drauf. Schade nur, dass sie "Highway Star" und "Child in Time" schuldig bleiben. ae