Definitiv kein Klaviersdelikt

Definitiv kein Klaviersdelikt

"Klaviersdelikte in Reimkultur" hat der Musikkabarettist und Entertainer Bodo Wartke in der Europahalle Trier zum Besten gegeben. 1200 Besucher waren von den Liedern mit pointiertem Sprachwitz und musikalischer Klasse begeistert.

Trier. Herzlich ist der Empfang für Bodo Wartke in der Europahalle Trier. Banner mit "Bodo" oder "Ja, Schatz!", einem seiner bekanntesten Titel, ragen aus dem alle Altersgruppen umfassenden Publikum. Der Draht zum Publikum glüht augenblicklich und sprüht regelrecht Funken, als das aktuelle Programm "Klaviersdelikte" Fahrt aufnimmt. Roter Faden sind Probleme des täglichen und zwischenmenschlichen Lebens. Darunter unlösbare wie die Wahl eines Heißgetränks aus 50 Kaffeezubereitungen in je drei Größen oder kleinere Übel wie die Schwangerschaft der Freundin - von einem anderen Mann.
Wartke reimt gewandt, gewitzt und pointiert jedwede Katastrophe zum plastischen satirischen Bilderbogen. Den fächert er singend und von seinem brillanten Klavierspiel begleitet auf. Sein musikalisches Spektrum reicht von Ragtime über Blues zu Hip Hop, Volksmusik, Funk und Klassik. Reich wie die Ausgestaltung ist die Themenvielfalt. Da geht es um Männer-WG-Erfahrungen aus Wartkes Berliner Musik-Studentenzeit ("Die WG des Herrn"), deutsche Nachkriegsarchitektur, Werbung ("Das Schweigen der Spammer"), oder Umweltlärm. Liebe und Erotik kommen auch nicht zu kurz, zum Beispiel in zwei urkomischen Frühlingsliedern. Im einen scheitert die im Duett mit Gast Melanie Haupt gesungene Liebeserklärung auf einer Bank unter einer Birke an einer ausgeprägten Pollenallergie. Im anderen wallt bereits das Blut, als Wartke stoppt und vier mögliche Finalszenarien mit ganz unterschiedlichen Altersfreigaben anbietet.
Von E- und U-Musik


Absoluter Höhepunkt ist ein Exkurs über die spezifisch deutsche Kategorisierung von Musik in "U-" wie Unterhaltungs- und "E" wie ernste Musik. Dem Namen nach dürfe bei ernster Musik niemand Spaß haben, per se müsse sie also grauenhaft klingen und unverständlich sein, erklärt Wartke. Die praktische Demonstration mit Boxhandschuhen und Mundschutz sorgt allerdings so gar nicht für Ernst beim Publikum. Doch gegen Ende stellt sich Wartke tatsächlich als ernster Chansonnier vor, als Meister leiser Töne zum Beispiel mit dem berührenden Lied über seine im Babyalter verstorbene Schwester Christine.
Bald bricht sich jedoch der schier unerschöpfliche Quell origineller humoristischer Ideen und der überschäumende Drang, sie auch zu präsentieren, wieder Bahn. Erst nach mehr als zweieinhalb Stunden endet das Programm, natürlich mit "Ja Schatz" in der Zugabe, tosendem Applaus und frenetischem Jubel.