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Deichkind und ihre knallbunte Show in der Arena Trier

Konzert : Deichkind in Trier: Achtung, hier kommt die Reizflut!

Ein echtes Kunststück: Die Hamburger Electropunks Deichkind haben vor 3300 Zuschauern eine Show abgeliefert, wie sie die Arena Trier nur sehr selten erlebt hat.

So ganz ohne Kumpel Lars Eidinger kommt Deichkind nicht aus. Der zuletzt omnipräsente Schauspieler ist zwar bei der großen Hallentour des Hamburger Electropunk/Hip-Hop-Kollektivs nicht live dabei, auch nicht am Aschermittwoch bei den 3300 Zuschauern in der Arena Trier.

Aber präsent ist er dennoch, nicht nur als lebensgroßer Pappaufsteller. Vor der fast zweieinhalbstündigen Show zeigt der zehnminütige Vorfilm, wie das erste Bühnenbild entstanden ist: die blauen Farbkleckse auf weißem Tuch. Eidinger, splitternackt, lässt sich dazu in blaue Farbe tunken, er rollt, wälzt und räkelt sich dann auf dem Laken, unterlegt mit dramatischer Musik. Eine Kunstinstallation, ein blaues Wunder? Prätentiöser Kack? Oder ein promillebetankter Witz, zwei Stunden, bevor zum Brachial-Techno von „1000 Jahre Bier“ literweise Gehopftes über die Köpfe (und teilweise in die Becher) der Zuschauer in den vorderen Reihen fließen wird? Überhaupt: Ist das alles noch Karneval – die Neon-Brillen, das Bumm-Bumm, die ständigen Kostümwechsel auf der Bühne. Oder schon politischer Aschermittwoch, passt ja vom Termin: mit der Gesellschafts- und Konsumkritik, nicht nur in Stücken wie „Dinge“ oder „Richtig gutes Zeug“.

Deichkind ist nichts davon und alles zugleich: Der Grat zwischen Trash und Kunst ist manchmal so schmal, dass man leicht die Orientierung verlieren kann. Aber beim Konzert – ach was: dem Gesamtkunstwerk – bleibt wenig Zeit, sich tiefergehende Gedanken über die Intentionen von Kryptik Joe (Philipp Grütering), Live-MC Roger Rekless und Sebastian „Porky“ Dürre und ihrer Kollaborateure auf der Bühne zu machen – eine Liveband gibt’s übrigens nicht.

Auch wenn Deichkind nach 23 Jahren im Geschäft auch mal ernster werden können, etwa beim bittersüßen „Die Welt ist fertig“ samt Michael-Jackson-Zitat – das Feiern steht immer noch im Vordergrund.

Die Show beginnt mit „Keine Party“ – da ist der Titel garantiert nicht Programm – und endet mit der euphorisch gefeierten Zugabe „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“, in der Deichkind noch mal dem gepflegten Quatsch freie Hand lassen: da steigen silberne und goldene „Leider Geil“-Ballons auf, der Schlauchboot-Crowdsurfer lässt sich von den Fans Richtung Bühne tragen, da feuert eine goldene Kanone Merchandising-Artikel ins Publikum, einer trägt ein Treppenstufen-Kostüm mit darauf drapierten Pumps und Handtaschen.

Zu diesem Zeitpunkt war die Arena Trier längst im absoluten Partymodus. Schlecht war auch der erste Teil des Sets nicht, unterhaltsam allemal, da setzte Deichkind den Schwerpunkt auf Stücke vom aktuellen Album „Wer sagt denn das?“ Mit wechselnden Kostümen und Choreographien. Ab „Illegale Fans“ gab es dann aber richtig Feuer: Mit Songs, die von den Titeln her zu Slogans wurden wie „Bück dich hoch“ mit seiner Bürostuhl-Choreo, „Leider geil“ oder „Arbeit nervt“. „Bude voll People“ zitiert Marilyn Mansons Hit „The Beautiful People“. Darauf folgt „Roll das Fass rein“ – und das machen Deichkind dann auch wie schon bei früheren Touren: Sie sitzen auf und in einem bunten Fass, schwenken eine „Kein Bier für Nazis“-Flagge und lassen sich auf den Händen der Zuschauer tragen.

Knallbunte Show an Aschermittwoch: Die Hamburger Electropunk/Hip-Hop-Crew Deichkind feierte in der Arena einen Kindergeburtstag für Erwachsene. Foto: Andreas Feichtner Foto: TV/Feichtner, Andreas

Eine Deichkind-Show – das ist eine knallbunte Reizflut: es fliegen Papierschnipsel, es leuchten die Pyramiden-Hüte, es bollern die Bässe. Das alles so hinzubekommen, ohne dass es unendlich peinlich wirkt, flach oder aufgesetzt, das ist dann wohl eindeutig ... Kunst!

Knallbunte Show an Aschermittwoch: Die Hamburger Electropunk/Hip-Hop-Crew Deichkind feierte in der Arena einen Kindergeburtstag für Erwachsene. Foto: Andreas Feichtner Foto: TV/Feichtner, Andreas
Knallbunte Show an Aschermittwoch: Die Hamburger Electropunk/Hip-Hop-Crew Deichkind feierte in der Arena einen Kindergeburtstag für Erwachsene. Foto: Andreas Feichtner Foto: TV/Feichtner, Andreas
Knallbunte Show an Aschermittwoch: Die Hamburger Electropunk/Hip-Hop-Crew Deichkind feierte in der Arena einen Kindergeburtstag für Erwachsene. Foto: Andreas Feichtner Foto: TV/Feichtner, Andreas

Eine Bilderstrecke gibt’s unter
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