Nachruf: Dem Nachwuchs, der Operette und dem Kunstlied verbunden

Nachruf : Dem Nachwuchs, der Operette und dem Kunstlied verbunden

Ein Nachruf auf Vera Ilieva: Die bulgarische Mezzosopranistin war seit 1981 in Trier engagiert.

  Die bulgarische Mezzosopranistin Vera Ilieva ist gestorben. Die Opernsängerin war seit 1981 im Ensemble des Theaters Trier als Solistin und Chorsängerin aktiv. Ihr Engagement wurde seither von vielen Intendanten und Generalmusikdirektoren geschätzt, über die Jahre sang sie – vom Publikum und der Kritik gelobt –  etliche Titelpartien der Oper und Operette, beispielsweise in Wiener Blut, Die Lustige Witwe und Der Zigeunerbaron sowie die Eboli in Don Carlos oder die Donna Elvira in Don Giovanni. Zwischen 1985 und 2005 war Vera Ilieva quasi omnipräsent auf den Bühnen von Trier, gefühlt gab es kein Konzert, an dem sie nicht mitwirkte. Sie hatte darüber hinaus eine große Bedeutung für das musikalische Leben in Trier, so mit dem von ihr gegründeten Musiktheater Pastorella, wo sie -unter ihrer Regie- jungen Sängern eine Bühne im Theater oder der TuFa verschaffte. Ihre Leidenschaft galt aber auch dem deutschen Kunstlied, dies vermittelte sie auch ihren zahlreichen Schülern. „Vera war meine große Förderin und Mentorin, eine wundervolle Pädagogin, sowohl fachlich als auch menschlich klug“, sagt Bariton Tobias Scharfenberger, der mittlerweile Intendant des Mosel-Musikfestivals ist und Mitte der 1980er-Jahre einer ihrer ersten Gesangsschüler war. Die Zahl der weiteren Eleven ist Legion, viele sind in der Branche erfolgreich. Das jüngste Beispiel ist die erst 22-jährige Sopranistin Lisa Wittig, die schon 2017 bei „Klassik um Elf“ ihr großes Sopran-Talent zeigen konnte.

Im Kollegenkreis wurde vor allem Ilievas Professionalität geschätzt, sie war stimmlich immer auf der Höhe und deshalb in der Lage, auch kurzfristig für erkrankte Kollegen einzuspringen. Verblüffend sei dabei gewesen, in welch‘ kurzer Zeit sie sich die jeweiligen Rollen aneignen konnte: „Wir haben vermutet, dass sie einfach alle möglichen Partien eingeübt hat, um immer bereit zu sein“, sagt eine ihrer damaligen Kolleginnen augenzwinkernd.

Vera Ilieva wurde in den 1970ern in Bulgarien musikalisch ausgebildet und kam über die damalige DDR und die Staatsoper Unter den Linden in Ost-Berlin (als Künstlerin ließ man sie ausreisen) nach Trier, wo sie über 36 Jahre wirkte. Sie war verheiratet und hatte einen Sohn, Kardam, der in der Schweiz als Mediziner arbeitet und ein Enkelkind.

Erst im Februar war sie vom Theater mit Mitte sechzig in den Ruhestand verabschiedet worden. Ihre schwere Krankheit ertrug sie mit Tapferkeit und ohne viel Aufhebens davon zu machen. Vera Ilieva erlag in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag vergangener Woche in ihrer Geburtsstadt Sofia in Bulgarien einem Krebsleiden.

Mehr von Volksfreund