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Denkspaß mit dem wandelnden Fragezeichen

Prüm. Den faszinierenden Geheimnissen des Alltags auf der Spur: 700 Zuhörer sind dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar bei seiner Lesung im Rahmen des Eifel-Literatur-Festivals in Prüm auf eine spannende Reise in die Welt der Naturwissenschaft gefolgt. Christian Brunker

Prüm. Warum drehen sich Knödel im Topf? Hilft es, eine Münze am Automaten zu reiben, wenn er sie wieder ausspuckt? Mögen Stechmücken Käsefüße? Wie kommt die Karte ins Navigationsgerät? Es sind die Fragen aus dem Alltag, die den Luxemburger Ranga Yogeshwar faszinieren - und auf die er in seinen beiden Büchern spannende Antworten liefert. Obwohl sich hinter diesen Beobachtungen oft hochkomplexe physikalische Phänomene verbergen: Yogeshwar gelingt es, sie so zu erklären, dass jeder sie versteht.
Nicht zuletzt deshalb sind unter den 700 Zuhörern bei seiner Lesung in Prüm auch viele Kinder und Jugendliche. "Er ist ein Genie der Fragen und ein Genie der Verständlichkeit", fasst es Festivalleiter Josef Zierden zusammen, "ein Magier der modernen Wissensvermittlung."
Wissen statt Aberglauben


Dabei hat Yogeshwar, laut Zierden "ein wandelndes Fragezeichen", nun gar nichts mit Magie am Hut und entlarvt an diesem Abend so manchen Hokuspokus. So seien unzählige Menschen überzeugt, es helfe, eine Münze am Automaten zu reiben, wenn das Gerät sie nicht auf Anhieb akzeptiert. In einem Test habe sein Team 100 Münzen eingeworfen. Einmal ohne zu reiben, einmal mit. Das Ergebnis: "Unbehandelt" werden von 100 Münzen 96 Stück akzeptiert, im zweiten Fall sind es 95. Das Reiben hat also keinen Einfluss darauf, ob die Münzen geschluckt werden. Oder - wie es Yogeshwar ausdrückt: "Man könnte sie genauso gut in die Luft werfen."
Es ist die Freude am Ausprobieren, am Experiment, am Überprüfen der eigenen Gedanken, die ihn antreibt. Auch wenn nicht immer alles so funktioniert, wie der Autor es erwartet - was ihm fast den Glauben an die Physik nimmt. Etwa bei der berühmten Rotationsrichtung des Wassers, wenn man eine Badewanne ablässt.
Dank der von der Erddrehung verursachten Corioliskraft müsste das Wasser auf der Nordhalbkugel entgegen dem Uhrzeigersinn abfließen. So erklärt es zumindest die Wissenschaft. Doch unzählige Versuche zeigten: Das Wasser dreht sich mal im, mal gegen den Uhrzeigersinn. "Da fühlte ich mich von der Physik und von Herrn Coriolis verraten." Doch schließlich gelang es, auch für diese scheinbare Beliebigkeit eine Erklärung zu finden. Denn der Coriolis-Effekt ist nur ein Faktor bei der Entscheidung, in welche Richtung das Wasser beim Abfließen rotiert - und es gibt von Kalkablagerungen am Ausguss bis zur Neigung des Siphons unzählige weitere, die wesentlich stärker sind.
Ein Beispiel, das zeigt, welche faszinierenden Rätsel der Alltag bereithält. Oder, wie Yogeshwar es ausdrückt: "Ein unbeschriebenes Blatt Papier ist spannender als Dieter Bohlen." Und es prompt mit einer kleinen Bastelstunde beweist. So viel sei verraten: Aus dem Runden wird etwas Eckiges.
Doch woher rührt die Freude am Rätseln und am Denken? Yogeshwar verweist auf seinen Vater, einen indischen Ingenieur, der ihm zwar Spielzeug schenkte, dann aber die Anleitung wegwarf und den kleinen Ranga dazu anhielt, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen. Das hat ihn bis heute geprägt: "Ich will dazu anregen, selbst zu denken. Das ist das Schönste, was es gibt."