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Depeche Mode und ihre legendären Konzerte in Luxemburg. 2022 auf Tour?

Musikgeschichte : Als Depeche Mode in einem Dorf in der Region strandete (Video)

Eine Konzert-Rangelei 1982 im „sonderbaren Dorf“ in Luxemburg, Eifel-Shows und dann ein Weltevent mit einem Rekord: So erinnern sich Veranstalter, Fans und Band an Depeche-Mode-Auftritte in der Großregion.

Vor 40 Jahren ging die Karriere von Depeche Mode los – mit der ersten Single und dem Debüt-Album, damals noch federleichter Synthie-Pop. Kurz darauf hatten die Briten ihren ersten Auftritt in der Großregion – und nicht nur der hinterließ einige Spuren. Der damalige Veranstalter und ein großer Depeche-Mode-Fan aus der Region erinnern sich an besondere Momente und Anekdoten. 

Warum Depeche Mode einen Song nach einem Dorf aus der Großregion benannt hat und was das mit einem fehlenden Frühstücksei zu tun hat.

Depeche Mode füllen seit Jahrzehnten weltweit die größten Arenen und Stadien. Die Jungs aus dem englischen Basildon schrieben Songs über Gott und die Welt („Blasphemous Rumours“, „World Full of Nothing“), aber nur einer ist nach einem realen Ort benannt. „Oberkorn (It’s a Small Town)“.

Wie es dazu kam? Oberkorn ist ein Ortsteil von Differdange, liegt im Südwesten von Luxemburg. Im Jahr 1982 gab’s dort den „Rainbow Club“, einen kleinen Laden mit flacher Bühne. Der war damals eigentlich schon zu klein für die Band, die mit „Just Can’t Get Enough“ gerade ihren ersten Hit hatte. „Sie kamen schon damals mit einem Nightliner an“, erinnert sich Roland Nilles. Er betrieb den Club gemeinsam mit einem Partner. Seit Jahren hat der Luxemburger sein Konzertbüro in Merzig (Kultopolis). „Es gab Probleme mit der Technik, es hatte nicht alles auf die Bühne gepasst. Depeche Mode wollte das Konzert schon absagen“, sagt Nilles dem TV. Dann spielte die Band aber doch, im rappelvollen Club. Und sie blieb länger als geplant in Oberkorn, „in der Auberge Le Dauphin“, weiß Nilles noch. „Der Nightliner hatte eine Panne, daher blieben sie vier Tage“. So kam es auch zum Titel des Instrumentals. Songwriter Martin Gore erinnerte sich in einem Interview an „das sonderbare kleine Dorf (...) Der Club war überfüllt, das Publikum kam aus allen Ecken des Landes und auch darüber hinaus. Das Konzert lief ganz schön verrückt ab. Als wir dann wieder im Hotel waren, erklärte uns die Plattenfirma, dass sie dringend einen Titel für die B-Seite unserer neuen Single brauchten.“ Das erste, was Gore in den Sinn kam war „Oberkorn“: Im „Dauphin“ gab es dann morgens nicht das erhoffte Frühstücksei für die Band. Die Entschuldigung des Kellners: „It’s a small town“. Auch das schaffte es in den Titel. „Es war schon was Besonderes, dass die Band ein Lied danach benannt hat“, sagt Nilles, der in den 70ern jahrelang Manager der Scorpions war, die er auch mal in Konz oder Wallerfangen rocken ließ. Nilles hatte schon vorher bekannte Bands nach Oberkorn und Umgebung geholt: The Cure 1980 nach Rodange, die Dire Straits 1981 in die Oberkorner Sporthalle oder – legendär! AC/DC. Die feierten die Weltpremiere ihres neuen Sängers Brian Johnson und des Albums „Back in Black“ bei Testkonzerten in Belgien. Darunter war auch die von Nilles organisierte Show am 2. Juli 1980 in Arlon nahe der luxemburgischen Grenze. Auch in der Sporthalle Oberkorn habe es einige weitere Highlights gegeben: „Rod stewart, James Brown, Black Uhuru, Mike Oldfield, Scorpions oder Udo Lindenberg spielten alle dort. Auch Ray Charles und ZZ Top. Der ausverkaufte Auftritt von Europe wurde abgesagt, als die zuschauer schon vor den Türen standen: der Bürgermeister wollte nicht, dass die Lichtshow an den Deckenträgern hing“, erinnert sich Nilles.

Warum es beim Luxemburger Auftritt 1982 eine Handgreiflichkeit gab, an der sich wohl auch der Depeche-Mode-Sänger beteiligte.

RTL filmte das Konzert am 30. März 1982. Aus heutiger Sicht eine feine Sache. Es sorgte aber damals für Ärger, erinnert sich Roland Nilles: „Es sollte ein Stehkonzert sein, aber die Bühne war nur 20 Zentimeter hoch.“ Das Publikum sollte sich also setzen, damit die Kamera nicht nur Hinterköpfe im Bild hat. „Irgendwann stand ein Mädel auf und tanzte – es war wohl die Freundin des Sängers (Anm.: Dave Gahan). Einer von der Security bat sie, sich hinzusetzen. Sie hatte ihn wohl nicht verstanden und knallte ihm eine – und er schlug zurück. Der Sänger hat dann das Mikro in Richtung des Kerls geworfen.“ Das solle aber kein falsches Licht auf den Abend werfen (Nilles: „ein legendäres Abenteuer“): „Es war trotzdem alles nett. Es floß kein Blut – und es flog lediglich noch eine elektrische Sicherung raus.“

Warum ein großer Depeche-Mode-Fan aus der Region lange vor dem Tourstart in der Rockhal 2009 freiwillig eine Nacht in der Tiefgarage des Auchan verbracht hat.

 Depeche-Mode-Fan Stefan Haeb beim Konzert in Köln 2017.  Foto: privat
Depeche-Mode-Fan Stefan Haeb beim Konzert in Köln 2017. Foto: privat Foto: Stefan Häb

Über 27 Jahre nach der Premiere in Luxemburg kehrte Depeche Mode ins Großherzogtum zurück. In die Rockhal Esch, Luftlinie nur wenige Kilometer von Oberkorn entfernt. Auch dieses Konzert hatte eine historische Dimension: Es war der Auftakt der „Tour of the Universe“, der Welttournee 2009/10. Die Rockhal war mit ihren 6500 Plätzen die mit Abstand kleinste Halle. Es war damals das am schnellsten ausverkaufte Konzert in Luxemburg.

Wie komme ich bloß an eine Karte? Das fragte sich Stefan Haeb aus Bekond, einer der größten DM-Fans der Region.„Ich hatte im Auchan (=Supermarkt auf dem Kirchberg) angerufen und erfahren, dass sie morgens Hardtickets verkaufen würden“, erinnert er sich – und sorgte vor: „Ich habe die Nacht zuvor in der Auchan-Tiefgarage verbracht, um auch wirklich als einer der ersten an Tickets zu kommen. Ich war auch nicht der einzige, der gewartet hat.“ Er bekam sein Ticket. Am Konzerttag, dem 6. Mai 2009, war er dann „nur“ gut elf Stunden vor Konzertbeginn vor der Rockhal – und bei weitem nicht der Erste in der Schlange: „Der Tourauftakt ist ein Weltevent - da kamen auch Fans aus Polen oder Russland nach Luxemburg. Man kennt sich und freut sich, wenn man sich sieht. Aber beim Einlass hört die Freundschaft kurz auf - da will jeder in die erste Reihe“, sagt der Mittvierziger.

Was das Besondere des Konzerts 2009 in der Rockhal war – und warum sich die Fans kurz darauf große Sorgen machten.

Tourauftakt heißt auch: Keiner weiß, welche Songs die Band spielen wird. Die Setlist verändert sich danach in der Regel nicht mehr  stark. „Du weißt nicht, was kommt – das macht es so spannend“, sagt Stefan Haeb, der die Band rund 30 Mal im In- und Ausland live gesehen hat: „In Luxemburg haben sie zum ersten Mal seit 1990 wieder ‚Master and Servant“ und ‚Strangelove’ gespielt. Das ist ein Geschenk, das nimmt einem keiner mehr.“ Wenige Tage nach dem Konzert in Luxemburg wurde bei Frontmann Dave Gahan ein bösartiger Blasen-Tumor diagnostiziert, die Tour wurde unterbrochen.

Welche Depeche-Mode-Veranstaltungen Fans auch aus dem Ausland nach Trier lockten - und warum es demnächst wieder dazu kommen könnte.

Die ganze Nacht lang im Club ausschließlich Songs von einer einzigen Band hören? Das klingt nicht nach einer extrem erfolgversprechenden Partyreihe. Außer bei Depeche Mode. Von 2003 bis 2013 organisierte Stefan Haeb Depeche-Mode-Partys im Trierer Exhaus-Keller. Insgesamt 30 Mal legte er auf, feierte Release-Shows, brachte Tribute-Bands auf die Bühne. „Da kamen auch schon mal Gäste extra aus London angereist“, erinnert er sich. Mal kamen 70 Leute, aber auch mal 500. Es sei jammerschade, dass das Exhaus zumindest in absehbarer Zeit nicht mehr genutzt werden könne. Ein Revival der DM-Partys kann sich Haeb dennoch vorstellen – etwa im Mergener Hof. 

Wo die britische Band sonst noch ihre Live-Spuren in der Region hinterlassen hat – vom Nürburgring bis Saarbrücken.

Mit dem Instrumental „Oberkorn“ eröffneten Depeche Mode auch ihre nächste Tour – die führte sie im Dezember 1982 und auch noch mal ein Jahr später in die Aula der Saarbrücker Universität. Ans zweite Konzert erinnert sich Peter Fath, den Saarländer hatte es in den frühen 80ern zum Studium nach Trier gezogen. Er erinnert sich an eine gute, wenn auch nicht spektakuläre Show. „Ich bin spontan mit ein paar Freunden hin, es war auch bei weitem nicht ausverkauft.“ 1984 wurde dank Hits wie „People are People“ und „Master and Servant“ zum Erfolgsjahr für Depeche Mode – und wohin zog es die Band im April 1984? Ins Eifel-Städtchen Schleiden (Kreis Euskirchen) – dort spielten sie im Rahmen der WDF-Sendung „Musik Convoy“ auf dem Marktplatz, dank Youtube noch heute ein interessantes Zeitdokument. Ein halbes Dutzend Depeche-Mode-Songs waren 2003 bei Rock am Ring zu hören, auf die Bühne gebracht von Dave Gahan. Die ganze Band zog es dann 2006 zum bisher einzigen Mal auf den Nürburgring zu Rock am Ring.   

Wie es mit Live-Auftritten und Alben weitergehen könnte.

Alle vier Jahre ein neues Album – und dann auf große Tour gehen: Es gibt kaum eine große Band, die den Rhythmus so konsequent durchzieht. Seit 1993 halten sich die Briten an den Zeitplan, das letzte Album „Spirit“ erschien 2017. Heißt: 2021 wäre wieder ein neues Album fällig, es wäre das 15. Studioalbum seit dem Debüt 1981. „Dieses Jahr eine neue Platte – und nächstes Jahr damit auf Tour gehen“, darauf spekuliert Stefan Haeb. Details gebe es aktuell aber noch keine. Die bisher letzten Konzerte fanden 2018 statt. 2017 spielten sie auch im ausverkauften Kölner RheinEnergieStadion. Viel näher werden sie der Region Trier 2022 wohl auch nicht kommen. Auch wenn sich Oberkorn, Esch/Alzette oder Saarbrücken sicher über eine Rückkehr freuen würden.