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Der Abend der Wunderkinder

Geiger Andrey Baranov präsentiert sich in Luxemburg dynamisch und kraftvoll. Foto: Philharmonie
Geiger Andrey Baranov präsentiert sich in Luxemburg dynamisch und kraftvoll. Foto: Philharmonie
Luxemburg. Mit einem Konzert der Extraklasse haben sich die Preisträger des Concours Reine Elisabeth in der Luxemburger Philharmonie vorgestellt. Begleitet wurden Tatsuki Narita und Andrey Baranov vom Orchestre Philharmonique.

Luxemburg. Zugegeben: Wer Wunderkinder erlebt, fühlt sich plötzlich selbst als Teil des Wunders. Gleich zweimal konnten die 500 Zuhörer am Donnerstag in der Philharmonie erleben, wie das Wunderbare genialer musikalischer Talente auf sie übergreift. Zwei Preisträger des in Belgien ausgetragenen Concours Reine Elisabeth 2012 - beide Geiger - standen dort auf der Bühne und ließen die Zuhörer atem- und fassungslos vor so viel jugendlichem Talent und geigerischer Virtuosität zurück. Begleitet vom Orchestre Philharmonique Luxembourg (OPL) unter seinem Dirigenten Emmanuel Krivine spielte Tatsuki Narita das berühmte Violinkonzert in e-Moll, op. 64, von Felix Mendelssohn Bartholdy. Der 1992 geborene Japaner musizierte technisch brilant und meisterte erstaunlich reif die schwierige Kadenz. Hinreißend und wohl auch altersmäßig passender seine Zugabe: eine Caprice von Niccolò Paganini. Das war halsbrecherischer musikalischer Übermut pur. Ein Stück, um den Verstand zu verlieren.
Ebenso unterschiedlich wie die beiden Preisträger waren auch die von ihnen vorgetragenen Werke. Dem Klassizismus Mendelssohns stand Peter Tschaikowskys gefühlvolles Violinkonzert in D-Dur, op. 35, mit dem 1986 geborenen Solisten Andrey Baranov gegenüber. Der junge Russe mit dem weichen Kindergesicht, dem man die Anstrengung ansah, steht in der Tradition seines Landes. Kraftvoll spielt er mit beherztem Zugriff voller Klangsinnlichkeit und verströmtem Gefühl. Hier war wieder die Zugabe das interessantere Stück: eine kontrastreiche mörderische Sonate des Geigenvirtuosen Eugène Ysaye. Auch hier faszinierte wieder Baranovs dichtes Spiel, seine Kraft, die zusammenhielt, was zu zerreißen drohte.
Das OPL war beiden Solisten ein einfühlsamer Begleiter. Begonnen hatte der Abend mit Richard Strauss und "Till Eulenspiegels lustigen Streichen", die deutlich machten, was der temperamentvolle Dirigent inzwischen an dem Orchester geleistet hat - auch wenn das ein oder andere "Tutti" schon mal zum Tumult geriet. er