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Der Anarcho-Philosoph

FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"
Trier. Bei seinem Auftritt in der Trierer Arena am Sonntagabend gelingt Comedian Paul Panzer der Spagat zwischen brüllend komischen Gags und fast schon philosophischen Betrachtungen über seine Mitmenschen. Dirk Tenbrock

Trier. Als Paul Panzer um die Jahrtausendwende als Radio-Comedian damit begann, wildfremde Leute am Telefon auf den Arm zu nehmen, war das eine anarchische Verarsche, die den Zuhörern und ihm selbst die Lachtränen in die Augen trieb. Sein kultivierter Sprachfehler, sein "Ich begrüße Sie!" und seine abstrusen Anliegen wurden schnell zum Kult. Logisch und konsequent dann der Aufstieg zum Fernseh- und Bühnenstar. Bald füllte er die großen Hallen der Republik und bekam eigene Fernsehshows.
Nun, anderthalb Jahrzehnte später, gehört Dieter Tappert (so sein bürgerlicher Name) zu den arrivierten Künstlern der Branche und hat sich vom Anarchisten zum Philosophen gewandelt, das erinnert schon fast an Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier. Dessen Humor ist nie brachial gewesen, auch er behandelte die großen Themen anhand von kleinen, teilweise unheimlich witzigen Geschichten aus dem vermeintlichen Alltag: "Woher kommt der Mensch, was will er sein, wohin entwickelt er sich?" Einen großen Anteil an "Verrückten" macht Panzer mitten unter uns aus, und er meint das uneingeschränkt positiv.
Dabei blickt er mit großer Sympathie auf die allzu menschlichen Fehler, Ängste und in die kleinen Abgründe der Seele seiner Zeitgenossen. Er ist politisch unkorrekt bis ins Mark, wenn er beispielsweise den farbigen Nachbarsjungen als "Jim Knopf" betitelt, könnte das in den Feuilletons für einen Aufschrei sorgen. Bei ihm, der perfekt den "kleinen Mann von der Straße" verkörpert, spürt man deutlich die dahinter liegende Empathie. In der Realität ist es eben schon seit vielen Jahrzehnten ganz normal, mit vielen verschiedenen Ethnien in guter Nachbarschaft zu leben.
"Freunde, ich bin zu alt für so'n Scheiß", ruft der 44-Jährige ein ums andere Mal aus, wenn es um Smartphones, Youtube, Netflix oder Lieferheld geht. Selbst telefonische Bestellungen beim Pizza- oder China-Imbiss sind ihm ein Graus. Schreiend komisch seine Imitation der Kommunikation mit eben diesen italienischen oder chinesischen Köchen, die der deutschen Sprache nicht ganz mächtig sind. Auch dies mag der Political Correctness nicht entsprechen, aber Paul Panzer erhebt sich nicht über die Fremdheit, nein, vielmehr sieht er sich selbst und sein eigenes Unvermögen als Teil des Problems.
Weitere Gags? Zahllos! Das Publikum? 2100 Köpfe, bunt gemischt, vergnügt bis begeistert. Paul Panzer? Professionell, routiniert und selten spontan, aber gerade deswegen: Hochkomödian tisch!