Der Begemann im Mann

Der Begemann im Mann

Alle Jahre wieder tritt der Wahlhamburger Bernd Begemann mit seinen Liedern im Trierer Exhaus auf. Am 19. Dezember ist es wieder so weit. Doch worauf gründet die Sympathie für den selbstironischsten unter den Songwritern?

Trier. Der Mann hat ein Problem. Seine Beziehung kommentiert er reichlich ernüchtert: "Wir sind zwei Mal zweite Wahl, wir sind ein unattraktives Paar." Doch Mitleid ist fehl am Platz. Schon beim Kennenlernen hat dieser Mann es auf Tristesse angelegt. "Bis du was Besseres findest, nimm mich", gehört nicht zu jenen Anmachsprüchen, mit denen man den Grundstein für eine leidenschaftliche Liebesgeschichte legt. Kein Wunder, dass die hündische Unterwerfung oft genug scheitert. "Ich kann dich nicht kriegen, Katrin", lautet die Bilanz des enttäuschten Mannes.
Der Mann heißt Begemann und füllt seit Mitte der ´90er alle zwei Jahre den Balkensaal des Trierer Exhauses. Das wird am 19. Dezember nicht anders sein. Die Zuschauer werden einen etwas pummeligen 51-Jährigen erleben, der mit sich hadert. So kann es passieren, dass Begemann nach drei Liedern sein Sakko auszieht, auf die Schweißränder unter seinen Achseln blickt und seufzt: "Ich wollte Stil und Klasse verkörpern, und jetzt schwitz ich wie ein Schwein."
Und das sind noch die kleineren Probleme im Leben des Bernd Begemann. Was in seinen Liedern an Enttäuschungen nicht abgehandelt wird, erzählt er in den Moderationen dazwischen. Dann erfährt man zum Beispiel, dass die Beziehung zu der Frau, mit der er eine gemeinsame Tochter hat, in die Brüche gegangen ist - und plötzlich wähnt sich der Zuschauer nicht mehr in einem Konzertsaal, sondern am Tresen einer Eckkneipe.
Er hat den Pop


Bloß hat Begemann nicht den Blues, sondern den Pop. Viele seiner Songs klingen fröhlich dahingeschrammelt, bisweilen kinderliedhaft. Und in den Texten siegt meist die Selbstironie über das Selbstmitleid. Immer wieder nimmt Begemann sich auf die Schippe, kokettiert mit den Niederlagen und Beinahe-Siegen in seinem Leben. Dabei wirkt er - was sich bei seinen Liveauftritten gut beobachten lässt - wie ein knuffliger Teddy, der einfach gedrückt werden will. (Und die Vermutung liegt nahe, dass dies nach manchen Konzerten auch geschieht).
Ein Fall von umgekehrter Rollenverteilung: Begemann weckt bei Frauen Beschützerinstinkte - das Gegenteil eines Machos. Denn Letzterer trumpft auf, protzt, gibt sich größer, als er ist. Begemann hingegen macht sich klein. Viel zu klein. Er, der genauer beobachtet und treffendere Worte findet als die meisten deutschen Songwriter der vergangenen zwanzig Jahre, stellt sein Licht permanent unter den Scheffel.
Doch warum tut er das? Weil ihm der Megaerfolg eines Herbert Grönemeyer oder Udo Jürgens versagt bleibt? Weil er, der Wahlhamburger, von den Wahlhamburgern der "Hamburger Schule" - Tocotronic, Blumfeld, Die Sterne - kommerziell überholt wurde?
Oder geht es am Ende viel tiefer? Ist Begemann einer dieser Zweifler, deren Selbstwertgefühl chronisch ramponiert ist? Eine Frage, über die man am 19. Dezember mal wieder Gelegenheit hat, sich Gedanken zu machen.
Bernd Begemann, Donnerstag, 19. Dezember, 20 Uhr, Exhaus, Trier. Karten: TV-Service-Center Trier und an der Abendkasse.