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Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Die verwinkelten Gassen Bernkastel-Kues‘ haben Freunde der klassischen Musik am vergangenen Samstag auf den mittelalterlischen Karlsbaderplatz und zum Open-Air-Konzert des Karlsbader Symphonie Orchesters geführt. Unter dem Motto "Zauber einer Sommernacht" durften sich über 500 Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes verzaubern lassen.

Bernkastel-Kues. Ganz im Sinne von Nicolaus Cusanus, dessen 550. Todestag man in diesem Jahr gedenkt, bestimmten Vivaldis "Vier Jahreszeiten" den ersten Teil des Konzerts. Der 28-jährige Jakub Sedláèek als erste Geige, der in seiner Heimat als der "tschechische Paganini" gehandelt wird, überzeugte nicht nur mit technischer Raffinesse und lebhaftem Spiel, sondern trug zudem seine Orchesterkollegen. Musik aus dem Land, in dem Cusanus Kardinal war, fasste Hermann Lewen den ersten Teil zusammen. Dem Symphonie Orchester sprach er seinen größten Respekt aus: "Es ist natürlich eine besondere Bedingung, ein Konzert unter freiem Himmel zu geben, grazile Barockmusik mit kalten Fingern zu spielen." Open-Air-Konzerte haben immer ihre eigene Dynamik und Dramatik, darauf und auf den umliegenden touristischen Geräuschpegel spielte Lewen auch an. Dafür wartete der Karlsbader Platz mit einem besonderen Leckerbissen auf: "Wir haben die Bühne so gedreht, dass sie die historischen Fachwerkhäuser und die Kirche sozusagen als Bühnenbild hat. Klassische Musik im passenden historischen Ambiente."
Weite Anreise


Von dem Geräuschpegel der umliegenden Gastronomie fühlten sich auch Bernd Dahnke (55) und seine Frau Doris (57) aus Trier gestört. Nichts desto trotz hatten sie für das Orchester nur ein Urteil: "Wunderbar!" Sie kamen extra aus Trier, um Vivaldi zu genießen und ihren Hochzeitstag zu feiern.
Eine weitere Reise legten Simon Kañka, Direktor des Symphonie-Orchesters, und Petr Kulhánek, Bürgermeister der Stadt Karlsbad zurück, die sichtlich gerührt über das Konzertergebnis waren: "Wir sind alle sehr stolz, dieses besondere Konzert an diesem besonderen Ort halten zu können", sagte Kañka: "Das kann der Beginn einer Freundschaft sein."
Als besonderen Gruß aus Tschechien gab das Orchester nach der Pause die Sinfonia D-Dur von Franti{scaron}ek Václav Míèa und die Serenade E-Dur op. 22 von Antonín Dvorák. Der kalte Abendwind machte es dem Orchester zusehends schwieriger, das Tempo und die Intensität zu halten, so dass Dirigent Vladimír Válek immer wieder nach mehr Druck verlangen musste. Dennoch übertrug sich die Begeisterung für die Klänge aus der Heimat vom Symphonie Orchester auf die anwesenden Zuschauer, die umliegenden Bewohner der Häuser und Besucher der Gastronomie, so dass man gegen Ende an jedem Fenster jemanden stehen und lauschen sehen konnte.