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Der biedere Menschenfeind

Der biedere Menschenfeind

Ausverkauft war die Europahalle, in der der Kabarettist Gerd Dudenhöffer sein Alter Ego Heinz Becker mal wieder seine Sicht der Welt kundtun ließ. Die war wie immer so grau wie die "Batschkapp" des saarländischen Nörglers.

Trier. (fgg) "Ohne Kapp — undenkbar", heißt das zwölfte Heinz-Becker-Soloprogramm, mit dem der 58-jährige Gerd Dudenhöffer in der ausverkauften Europahalle auftritt. Zur unvermeidlichen Mütze trägt der saarländische Nörgler heute Anzug, trifft das Publikum ihn doch am Rande einer "Kommunionsfeier" in einem Nebenraum, zwischen allerlei Gerümpel, "Fasanenbräu"-Kisten und dem halb angebrachten Transparent eines Feuerwehrjubiläums.Ein Misanthrop mit kurioser Weltsicht

Becker hat sich zwischen Mittagessen und kalter Platte abgesetzt, um über Gott und die viel zu große, unübersichtliche Welt zu schwadronieren: Von nichts wirklich Ahnung, aber zu allem eine Meinung, äußert er sich zu Klimawandel ("Temperatur hat's och früher gegebe."), Sex im Alter ("Hann' die Leute nix zu bügeln?") und hadert stets mit dem Zeitgeist ("Jetzt können Homosexuelle ja Schwule heiraten."). "Geh fott!", mault er mit wegwerfender Handbewegung in das Lachen hinein, wenn er wieder mal einen langen Kampf mit Sprichwörtern und Anglizismen verloren hat, um dann seine krude und reaktionäre Weltsicht in ein schiefes Sprachbild zu packen. Dabei zündet nicht wirklich jede Pointe: Wenn Dudenhöffer vorgeblich aktuelle Themen abarbeitet, streckt er die Zeit durch so manchen Kalauer und Kellnerwitze, und die ständigen Wortverdreher sind auch nicht wirklich endlos originell.Dabei zeichnet Dudenhöffer seine Figur ungleich schärfer als in früheren Tagen als chauvinistischen, anti-intellektuellen Menschenfeind. Dieser bemitleidenswerte Soziopath lebt in einer traurigen, grauen Welt aus reaktionären Vorurteilen und dummer Borniertheit, seine Sprüche sind eigentlich alles andere als komisch. Natürlich ist das nur Figurensprache, dennoch beschleicht einen ob der Begeisterung gerade für die gröbsten Ausbrüche zeitweise ein flaues Gefühl in der Magengegend. So ist nicht sicher, ob alle im Publikum wirklich schätzen, wie das Herz des biederen Spießers als Mördergrube bloßgelegt wird. Manche finden den Griesgram vielleicht auch gut, weil er so lustig ungelenk sagt, "wie's halt iss". Dem Schauspieler selbst möchte man solche Motive allerdings nicht unterstellen: Der betont in Interviews immer wieder, was für ein Unsympath sein Heinz Becker eigentlich ist, und tritt zum Schlußapplaus stets ohne die "Batschkapp" vor die Menschen.