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Der Dokumentarfilm „Der Klang der Stimme“ ist ab Freitag in Trier zu sehen. Regisseur Bernard Weber hat eine Hommage an die Kraft der Stimme geschaffen.

Kultur : Das kraftvollste aller Instrumente

Der Dokumentarfilm „Der Klang der Stimme“ ist ab Freitag in Trier zu sehen. Regisseur Bernard Weber hat eine Hommage an die Kraft der Stimme geschaffen.

Stöhnen, singen, sprechen, lautmalen – die menschliche Stimme ist so vielfältig wie faszinierend. Ihr geht Regisseur Bernard Weber in seinem neuen Dokumentarfilm „Der Klang der Stimme“ nach. Ab morgen läuft er im Broadway-Kino.
„Sie alle kennen die Mozartzauberflöte. Der Spitzenton der Königin der Nacht ist dieses ominöse F3“, erklärt Stimmforscher Matthias Echternach. Der Ton sehe es vor, 1396 Hertz zu erzeugen. Stellen Sie sich das einmal vor: In einer Sekunde schlagen die menschlichen Stimmlippen 1396 mal aufeinander. Echternach ist einer von vier Stimmfetischisten, die in dem Film die Grenzen der Stimme neu ausloten. Jeder Protagonist hat seine ganz eigene Herangehensweise.
Andreas Schaerer beispielsweise ist Jazzmusiker. Als er vier Jahre alt war, schaute er sich die Fliesen im Badezimmer an und besang lautmalerisch deren Form. Als er im Musikstudium mit dem Mund trompetete, habe ein Dozent mal zu ihm gesagt: „Das gehört nicht in ein seriöses Studium, das ist Zirkus.“ Heute komponiert er auf diese Art und Weise und gewinnt verschiedenste Preise.
Außerdem ist da die Sopranistin Regula Mühlemann. Als erfolgreiche und selbstkritische Sängerin ist sie auf der Suche nach dem perfekten 360-Grad-Rundum-Klang. Miriam Helle hilft als Stimmtherapeutin Menschen, über deren ganz persönliche Stimme einen intimen Zugang zu sich selbst zu finden. Dieses Organ ist nicht immer auf die klassische Art und Weise schön, dafür aber umso authentischer. Zeitweise dominiert dieser therapeutische Ansatz leider den Film.

Der Klang der menschlichen Stimme steht im Zentrum des Dokumentarfilms. Foto: Artisanfilms

Das Faszinosum der menschlichen Stimme verbindet die vier Suchenden mit Bernhard Weber, so bekommt der Regisseur Einblicke in intimste Momente. Eine Szene zeigt die Geburt eines Kindes unter den Wehen seiner Mutter. Es klingt nach einem Trennungsschmerz. Eine andere zeigt den Moment, in dem das Lampenfieber die Regie übernimmt: Regula Mühlemanns Stimme bricht während der Aufnahme einer CD. Je mehr sie versucht, dagegen anzukämpfen, desto schlimmer wird es. Die Bilder erinnern an Reportagefotografie, so real bilden sie die Momente ab.
Im Film wird etwas offenbar: Die Stimme ist ein kraftvolles Instrument und wir nutzen es täglich, oft ohne dabei seine mächtige Wirkung zu kennen. Dem geht der Film „Der Klang der Stimme“ auf den Grund. Er zeigt, dass die Stimme direkt in einen hinein­geht oder direkt aus einem herauskommt. Es gibt keine Möglichkeit, sich ihr zu verwehren. Sie berührt einen direkt und unmittelbar.
Der aufmerksame Trierer Zuschauer wird vielleicht auch jemanden im Abspann wiedererkennen: Mariano Chiacchiarini. Der Leiter des Collegium Musicums der Universität Trier ist in einer Schlussszene mit Andreas Schaerer auf der Bühne zu sehen. 2015 nahmen sie auf dem Lucerne Festival das Stück „The Big Wig“ auf, für das es auch den Echo in der Kategorie Jazz gab. Jetzt, drei Jahre später, ist es Teil des Soundtracks im Film „Der Klang der Stimme“. Die Art der Dokumentation, wie Weber sie zu üben weiß, rückt sein neues Werk in die unmittelbare Nachbarschaft der filmischen Lyrik.
Im Trierer Broadway Kino läuft der Film am Freitag, 23. November, um 17.45 Uhr, am Samstag, 24. November, um 18 Uhr, am Montag, 26. November, um 16.45 Uhr und am Mittwoch, 28. November, um 16.45 Uhr.