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Der eleganteste Wüstling der Oper

Der eleganteste Wüstling der Oper

Jahrelang hat sich die Zeltoper Merzig den Status des Sommerfestivals der Region mit den Trie rer Antikenfestspielen geteilt. In diesem Jahr sind die privaten Musiktheater-Macher von der Saar alleine übrig geblieben. Mit Mozarts "Don Giovanni" setzen sie auf populäre Oper in gewohnt unkonventioneller Inszenierung.

Merzig. Don Giovanni tanzt Menuett im Erdgeschoss eines Rohbaus. Das Skelett des Holz-Einfamilienhauses steht, der bunte Richtkranz hängt vom Dach herunter. Rundherum Baustellen-Ambiente: Erdhaufen, Mischmaschine, Abdeckplanen. Und überall Geschirrstapel, schließlich findet hier und heute ein ländlicher Polterabend statt.
Das Bühnenbild von Stephan Mannteuffel ist "typisch Merzig": unkonventionell, ideenreich, ein bisschen schräg. So halten sie es hier seit 1994. Beliebte Opern, frisch inszeniert, manchmal provokativ, aber immer verständlich, auch für Nicht-Eingeweihte.
Carmen-Regisseurin wieder da


So wie die fulminante, flirrende, fantasievolle Carmen, die Regisseurin Aurelia Eggers vergangenes Jahr in das Zirkuszelt setzte. Festivalchef Joachim Arnold hat ihr 2011 den Frauenhelden Don Giovanni anvertraut, Mozarts Meisterwerk zwischen Komödie und Tragödie. Sie setzt auf "echte Werkstoffe" wie Holz, Erde, Porzellan, will dem Publikum "nahes Musiktheater" bieten, bei dem man in den ersten Reihen quasi mitten im Bühnenbild sitzt. "Bei uns kann sich niemand verstecken", sagt sie angesichts der offenen Rundbühne. Eine echte Herausforderung für die Akteure.
Bei der Probe prasselt der Regen derart heftig auf das Zeltdach, dass die Begleitpianistin immer lauter in die Tasten hauen muss. Eggers paukt Tanzfiguren ein, wieder und wieder, gleichbleibend gut gelaunt, aber unnachgiebig. Nach einer Stunde ahnt man, wie schwierig es ist, sich komplizierte Schrittfolgen zu merken und gleichzeitig den Gesangseinsatz zu treffen.
Reuben Willcox lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Für den Bariton ist der Auftritt in Merzig ein Déjà-vu nach 15 Jahren. 1996 hat er hier die Titelrolle in Figaros Hochzeit gesungen, als 25-jähriger Musikstudent und absoluter Anfänger. Ein schlaksiger Junge, aus England zum Studium nach Mannheim gekommen, enorm begabt.
Joachim Arnolds gute Nase für Talente und sein Mut zum Risiko haben ihn auch damals nicht getäuscht. Willcox blieb in Deutschland, machte Karriere. Erst im Ensemble der Oper Bonn, dann mit Engagements von der Berliner Staatsoper bis zum Festspielhaus Baden-Baden. Nach Merzig ist er gern zurückgekommen, aus Verbundenheit mit der Zeltoper, aber auch, "weil man zu einem Don Giovanni nicht Nein sagt". Zumal nicht bei Kollegen wie der in Weimar gefeierten Larissa Krokhina (als Donna Anna) und dem Franzosen Philippe Talbot (kürzlich als Bénédict im Grand Théâtre Luxemburg). Oder bei einem Dirigenten wie Daniel Raiskin, dem Chef der Rheinischen Philharmonie.
Auch Trierer sind wieder dabei


Wie immer sind auch Trierer an der Produktion beteiligt. Die Kostüme entstehen in der Herresthaler Werkstatt von Ulli Kremer, und für die prächtige Bassrolle des Komtur läuft sich Michael Haag warm, ehemaliger Trierer Sängerknabe und inzwischen in Essen, am mehrfachen Opernhaus des Jahres.
So dürfte auch das Publikum aus Trier wieder strömen. Vorstellungen sind am 5., 7., 9., 10., 12., 13. und 14. August angesetzt, wegen großer Nachfrage kommt der 6. August als Zusatztermin dazu. Noch gibt es für alle Aufführungen Karten. Tickets in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg, Wittlich, unter 0651/7199-996 oder ticket.volksfreund.de. Infos: www.musik-theater.deMerzig-IntendantJoachim Arnold sieht Don Giovanni in diesem Sommer doppelt: Er spielt die Mozart-Oper auch in St. Margarethen bei Wien, wo er in diesem Jahr erstmals die künstlerische Leitung eines der größten Opernfestivals Europas übernommen hat. Bis Ende August werden in der imposanten Freilichtanlage in einem alten römischen Steinbruch mehr als 50 000 Besucher erwartet - über 40 000 Karten sind schon verkauft. Arnolds Job gleicht allerdings einem Himmelfahrtskommando: Er soll das bislang äußerst konventionelle Festival aufpeppen, ohne das Stammpublikum zu vergraulen. Am Dienstagabend war die mit Hochspannung erwartete Premiere der modernen Inszenierung von Thilo Reinhard (machte in Trier Brechts "Mahagonny"). Triumph auf der ganzen Linie, jedenfalls beim Publikum: Der Sender ORF Kultur schwärmte von "stürmischem Applaus und Bravorufen" für einen "opulenten Operabend", lobte auch Josef Wagner und Mandy Fredrich in den Hauptrollen sowie die "mystischen Lichteffekte" und "kreativen Kostüme". DiL Infos: www.ofs.at