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Der ewige Kontrabass

Der ewige Kontrabass

Das dürfte Rekord sein im Theater Trier: Am Donnerstag spielt Schauspieler Michael Ophelders die 100. Aufführung des Ein-Personen-Stücks "Der Kontrabass" in der Inszenierung von Jürgen Lorenzen. Und er hat noch lange nicht genug.

Trier. Als Michael Ophelders 2004 an die Mosel kam, war der "Kontrabass" seine erste Visitenkarte beim Trierer Publikum. Seither hat er 99 Aufführungen absolviert, entweder im Studio des Theaters oder als Gast-Auftritt in vielen Städten der Region.
Er hat Patrick Süskinds frustrierten Orchestermusiker bei Gartenpartys gespielt und bei Galas, vor 50 Zuschauern und vor 500. Geht es nach ihm, geht es noch lange so weiter. DiL
Herr Ophelders, wenn jemand Sie nachts um drei wecken und Ihnen eine bestimmte Textstelle aus dem "Kontrabass" vorgeben würde, könnte Sie sofort einsteigen?
Ophelders: Absolut. Selbst im tiefsten Tiefschlaf. Das Stück ist mir völlig in Fleisch und Blut übergegangen, zumal ich ja nicht nur die hundert Aufführungen in Trier gespielt habe, sondern auch noch mindestens 50 weitere Male in anderen Produktionen.
Es geht um einen frustrierten Orchestermusiker, der sich vor dem Konzert langsam besäuft und dabei philosophiert. Die Musik spielt eine große Rolle, und das Theater. Hand aufs Herz: Wie viel Realität steckt da drin?
Ophelders: Jede Menge. Da ist vieles eingeflossen, was ich selbst erlebt habe, das geht bis hin zur Auswahl der Requisiten. Und der Autor hat das ja auch nicht so frei erfunden.
Was ist denn das Kurioseste, was Ihnen in den vielen Vorstellungen passiert ist?
Ophelders: Das war im Studio. Da gibt es ja neben dem eigentlichen Zuschauer-Eingang noch eine Notfall-Tür nach außen. Ich hatte gerade mit der Vorstellung angefangen, da klopfte es an diese Tür. Ich hab\'s erst überspielt und gesagt: Das ist meine Nachbarin, die klopft immer. Aber dann hörte man so ein leises Stimmchen, das dauernd "Hallo, Hallo" rief. Ich musste irgendwann wohl oder übel die Tür öffnen, und da stand da eine sehr betagte Dame und sagte, sie wolle in die Kontrabass-Vorstellung. Ich wollte sie draußen zum offiziellen Eingang schicken, aber das hat sie nicht mehr so recht verstanden. Ich habe mich dann zum Publikum gedreht und gesagt: "Meine Nachbarin hat ihren Schlüssel vergessen, ich muss sie gerade hier durch meine Wohnung reinlassen". Was soll ich sagen: Die Leute haben auf dem Boden gelegen vor Lachen. DiL
Die 100. Vorstellung findet am Donnerstag, 10. Oktober, 20 Uhr, im Studio statt. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.