Der ewige Rebell

Alain Delon gehört neben Brigitte Bardot und Jean-Paul Belmondo zu den großen noch lebenden französischen Filmstars. Am Sonntag feiert der "Eiskalte Engel" seinen 80. Geburtstag.

Paris. Es ist das Gesicht eines rebellischen jungen Mannes mit dunklen, ungekämmten Haaren und strahlend blauen Augen, das in Erinnerung bleiben wird von Alain Delon. Ein so attraktives Gesicht, dass Dior auch heute noch Werbung damit macht.
"Delon war von außergewöhnlicher Schönheit", sagt der Regisseur Philippe Kohly. Er muss es wissen, hat er für seine Fernsehdokumentation "Alain Delon, dieser Unbekannte" doch viel altes Filmmaterial gesichtet und zusammengeschnitten. Bilder wie die des braun gebrannten Mannes mit nacktem Oberkörper, der zusammen mit Romy Schneider 1969 in der Dreiecksgeschichte "Der Swimmingpool" zum Sexsymbol wird. Das einstige Traumpaar des Kinos hatte für den Film noch einmal zusammengefunden. 1958 hatte Alain Delon "la Schneider" beim Dreh zu dem Melodram "Christine" kennengelernt. Trotz ihrer so unterschiedlichen Charaktere wurden die beiden ein Paar, das mit Höhen und Tiefen vier Jahre lang zusammenblieb und sogar offiziell verlobt war.
Mit Rennauto durch Paris


Als einen "wilden Knaben, der immer zu spät ins Atelier kam, mit einem Rennauto durch Paris raste, rote Ampeln überfuhr", schildert Romy Schneider ihren Liebhaber 1965 in der Zeitschrift Quick. Die gemeinsamen Jahre sind auch die besten in der Karriere von Alain Delon: 1960 gelingt dem Herzensbrecher der Durchbruch mit dem Thriller "Nur die Sonne war Zeuge".
Im selben Jahr beginnt er seine Zusammenarbeit mit dem Erfolgsregisseur Luchino Visconti in "Rocco und seine Brüder", der 1963 der Film "Der Leopard" mit Claudia Cardinale und Burt Lancaster folgt. Viscontis Erfolgswerk gewinnt die goldene Palme in Cannes. Es bleibt die einzige Auszeichnung für Delon an der berühmten Croisette, denn anders als etwa Jean-Paul Belmondo wurde der Star nie für sein Lebenswerk in Cannes geehrt.
1963 bricht auch Delons Beziehung zu Romy Schneider auseinander. Immer öfter veröffentlichen die französischen Zeitschriften Fotos des Beau mit einer anderen: Nathalie Barthélemy, die später seine Frau und die Mutter seines Sohnes Anthony wird. "Bin mit Nathalie nach Mexiko. Alles Gute. Alain", lautet der kurze Abschiedsbrief Delons an seine Verlobte. Die brutale Art und Weise, mit Romy Schneider Schluss zu machen, passt zu dem geheimnisvollen Einzelgänger, der nie eine wirklich stabile Beziehung führte. "Sein Vater war immer abwesend. Delon hat also kein männliches Vorbild und wollte deshalb immer zeigen, dass er ein Mann ist", sagt Regisseur Kohly der Zeitschrift Paris Match.
Alain Delons Eltern lassen sich scheiden, als er vier Jahre alt ist. Der Sohn kommt zu Pflegeeltern und verbringt viel Zeit im Gefängnis von Fresnes bei Paris, wo der Pflegevater Wärter ist. Später fliegt der rebellische Teenager wegen schlechten Benehmens von mehreren Internaten. Nach einer Metzgerlehre beim Stiefvater zieht er noch minderjährig als Soldat in den Indochina-Krieg.
Killer wird zur Paraderolle


1957 folgt dann ohne richtige Ausbildung der erste Film "Die Killer lassen bitten". Der Killer wird zur Paraderolle des Leinwandneulings: Unvergessen ist die Darstellung des Auftragskillers Jeff Costello in "Der Eiskalte Engel" 1967. Delon mimt darin den geheimnisvollen Jäger, der zum Gejagten wird.
Auch im wirklichen Leben wird der Schauspieler in dieser Zeit von der Justiz verfolgt, denn die Leiche seines Bodyguards Stefan Markovich wird in einem Sack in der Nähe von Paris gefunden. Ob der Schauspieler, dem Kontakte zur Unterwelt nachgesagt werden, dahinter steckte, konnte nie geklärt werden.
In den 70er und 80er Jahren spielt Delon noch in ein paar von der Kritik hoch gelobten Filmen, kann aber nicht an seine großen Erfolge anknüpfen. Nach 87 Filmen zieht sich der Schauspieler, der mit dem rechtsextremen Front National sympathisiert und gegen Homosexuelle Stellung bezieht, 1999 aus dem Filmgeschäft zurück. Abgekehrt von der Welt lebt der zweifach geschiedene Vater dreier erwachsener Kinder auf seinem Anwesen bei Paris. Die Kapelle, in der er begraben werden will, steht dort bereits.