Der Geschichtenverteiler von Neuerburg

Der Geschichtenverteiler von Neuerburg

Bücher verschenken - das tun viele. Aber einen Roman gleich 30-mal unters Volk bringen? Bei der Aktion "Lesefreunde" zum Welttag des Buches geht es genau darum. Auch Leute aus der Region machen mit.

Neuerburg. Sacht fährt Werner Friedrich mit seiner Hand über das Cover eines Buches. Sein Blick wandert vom Titelbild des Romans in den Raum. Hier, in der Bibliothek des Neuerburger Gymnasiums, erwartet ihn eine Gruppe neugierig dreinblickender Schüler. Friedrich ist ihr Französischlehrer, und er hat ihnen eine Geschichte mitgebracht. Es ist eine französische Geschichte, die während des Zweiten Weltkriegs spielt. Friedrich hat das Buch nicht nur in der Hand, sondern auch noch in einem großen Karton dabei. Er besitzt "Suite française" von Irène Némirovsky 30-mal. Er möchte das Buch den Schülern schenken.
Werner Friedrich ist einer von insgesamt 33 333 Menschen in Deutschland, die seit Anfang dieser Woche kostenlos Bücher bekommen und sie weiterverteilen. Sie sind Teil der Aktion "Lesefreunde", die die Stiftung Lesen und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Welttag des Buches (siehe Extra) in diesem Jahr erstmals ins Leben gerufen haben.
Auf die Idee mit den 30 französischen Romanen ist Friedrich nicht ganz von allein gekommen: "Mein Buchhändler hat mir von dieser Aktion erzählt", sagt er. Sein Buchhändler, das ist Robert Krahwinkel. "Ich habe von der Aktion im Internet gelesen", erzählt er.
Aus insgesamt 25 Büchern konnten die Teilnehmer der Aktion wählen. Die Romane sind dann an die Buchhändler des Vertrauens geliefert worden. Darunter sind Krimis, englische Klassiker und auch eben der Roman von Irène Némirovsky. "Die Themen, die dieser Roman anschneidet, werden weder im Unterricht ausführlich behandelt", sagt der Lehrer. Und darum sei es gut, dass es das Buch gibt. Er selbst hat es auch noch nicht gelesen. "Und vor den Ferien werde ich wohl auch nicht mehr dazu kommen." slg
Extra

Den Welttag des Buches, der am 23. April gefeiert wird, gibt es seit 1995. Die Unesco würdigt an diesem Tag das Lesen, das Medium Buch und auch die Rechte von Autoren. Für das Datum, das auch mit dem St. Georgstag zusammenfällt, hat man sich auch darum entschieden, weil es katalanische Tradition ist, an diesem Tag des Heiligen Georg Bücher zu verschenken. In Deutschland machen vor allem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen am Welttag des Buches auf sich aufmerksam. slg