1. Region
  2. Kultur

Der Gitarrenmeister und sein Schüler

Der Gitarrenmeister und sein Schüler

Der deutsche Musikprofessor Reinbert Evers und sein Schüler Xingye Li haben vor 100 Zuschauern ein eindrucksvolles Gitarrenkonzert gegeben. Besonders der 24-jährige Chinese hat mit einem eindrucksvollen Solo beeindruckt.

Bengel. Ein eindrucksvolles Gitarrenkonzert haben 100 Zuschauer im Kapitelsaal des Klosters Springiersbach erlebt. Auf Einladung des Musikkreises sind der Münsteraner Musikprofessor Reinbert Evers und sein aus China stammender Schüler Xingye Li zu einem Konzert in Springiersbach gewesen. Gleich mit den ersten Gitarrenklängen haben sich die beiden als eingespieltes Duo erwiesen. Bei den vier Sonaten des italienischen Komponisten Domenico Scarlatti hat das Duo die Zuschauer mal in eine ruhige und besinnliche Atmosphäre getaucht, um dann anschließend beschwingt und kunstvoll zugleich weiter zu spielen.
Wunderschön, wie der bescheiden und höflich wirkende Chinese die Motive von Evers aufnimmt und fortführt. Beim italienischen Konzert erscheinen nahezu automatisch die Bilder von tanzenden Menschen in festlichen Gewändern und venezianischen Masken, so schön und vergnügt klingen die Melodien durch den Kapitelsaal. "Der junge Mann spielt sehr gut, so schön leicht", schwärmt Waltraud Kölsch aus Zell bereits zur Pause. In der ersten Hälfte des Konzerts sind die Zuschauer vorrangig von dem spielerischen Können der beiden beeindruckt. Doch nach der Pause werden die Melodien populärer. Stücke aus Opern von Gioachino Rossini kennen auch die Besucher, die in klassischer Musik weniger bewandert sind. "
Intensives Spiel


Es ist ein wunderschönes Konzert, aber jetzt nach der Pause sind es vertrautere Klänge, etwas leichter und beschwingter als zuvor", sagt Hans-Norbert Caspers aus Eckfeld.
Dort da sollte der Höhepunkt des Konzerts noch folgen, als Xingye Li alleine auf der Bühne spielt. Hatte man bei seinem Solo vor der Pause noch den Eindruck, einen Abschnitt in Andante hätte er einen Tick lauter spielen können, so spielt er jetzt einfach mitreißend. Mal eindringlich und beschwörend, dann wieder scheinbar leicht und locker zeigt er ein intensives Spiel, das mühelos scheint und doch die Früchte harter Arbeit sind. Wunderschön, wie Li seine Finger über die Gitarrensaiten fliegen lässt und dabei unterschiedlichste Motive mal dezent und mal intensiv erklingen lässt. Zu Recht belohnen die Zuschauer dieses Solo mit minutenlangem Beifall. "Die chinesischen Musiker sind unheimlich fleißig. Sie üben nicht nur einige Stunden, sondern den ganzen Tag", sagt Gerd Vockensperger vom veranstaltenden Musikkreis Springiersbach. Li hat im Alter von neun Jahren mit dem Gitarrenspiel begonnen und bereits mit elf Jahren die ersten Auszeichnungen erhalten.
Zum Ausklang des Konzerts haben Evers und Li die Zuschauer mit Melodien von Isaac Albeniz gemeinsam nach Spanien entführt. Die beiden Musiker loben die gute Akustik im Springiersbacher Kapitelsaal. Doch wo spielt der chinesische Meisterschüler lieber, in Asien oder in Europa? Li: "In Deutschland ist das Publikum sachkundiger und konzentriert sich mehr. In Asien bekommt man es als Musiker nicht so mit, wie das Konzert beim Publikum ankommt." cst
Das nächste Konzert im Kloster Springiersbach findet statt am 27. Oktober um 16 Uhr. Wolfram Lorenzen spielt Werke von Chopin und Brahms.