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Der Gourmet der Gestaltung

Der Gourmet der Gestaltung

Eine Säule im Trierer Kunstbetrieb stellt derzeit die Europäische Kunstakademie Trier aus. Dem Grafiker und Objektkünstler Clas Steinmann widmet sie die neue schön gehängte Schau.

Trier. Pfiffig möchte man spontan seinen Blick nennen. Das ist kein Wunder. Clas Steinmann beherrscht perfekt den Grenzgang zwischen Witz und tiefem künstlerischem Ernst. Seit vielen Jahren gehört der ehemalige Professor für Zeichnen und Gestaltungsgrundlagen an der einstigen Fachhochschule Trier zum etablierten Kunstbetrieb der Römerstadt und zu ihren angesehensten Künstlern.
Einen Altmeister mag man ihn angesichts seiner Lebendigkeit, seinem Einfallsreichtum und seiner ungebrochenen Schaffensfreude trotzdem nicht nennen. Dabei hat er sich über die Region hinaus längst als solcher ausgewiesen. Der 1941 in Gießen geborene Künstler ist äußerst vielseitig. Als Zeichner, Installations- wie Objektkünstler ist er tätig. Seine Kunst am Bau zieren die Universitätsklinik Mainz wie die Universität Kaiserslautern und das Landesmuseum Trier. Bestens bekannt sind seine Stelen am Bischof-Stein-Platz in Trier. Gleichwohl: das Kerngeschäft des ehemaligen Studenten der Berliner Hochschule für Bildende Künste bleibt die Zeichnung. Einmal mehr ist das in der aktuellen Schau in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie (Eka) zu besichtigen. "Das Zeichnen ist so unmittelbar", gesteht der Künstler, der unlängst 75 Jahre alt wurde. Als Geburtstagsausstellung will er die Eka-Schau aber nicht verstanden wissen.
Und tatsächlich ist sie auch eher eine Reflexion per Bildbeispielen über die Bedingungen und Möglichkeiten des Zeichnens. Die auszuloten ist für Steinmann ein geradezu lustvoller Vorgang. Mit einem Gourmet vergleicht er sich da, der schon beim ersten Kosten den ganzen Genuss auf der Zunge vorausspürt.
Keine Frage: In der Zeichnung lebt Steinmann sich sichtlich aus, beherrscht die feine Linie ebenso wie das malerisch Flächige und die nuancenreichen Grautöne. Als stimmige Rauminstallation in weitgehend Weiß- und Grautönen ist die Schau in der Kunsthalle, die selbst etwas Grafisches hat, inszeniert. Beherrscht wird sie von Steinmanns wandfüllender, achtteiliger Arbeit MalojaMesh, einem mehrteiligen Druck auf sogenanntem Mesh Gewebe, einem textilen Material, das üblicherweise für Banner und Werbedrucke verwandt wird.
Gegenüber an der Stirnwand hängt die zehnteilige Mischtechnik aus Bleistift und Acryl "Dislokation", die bei Erdarbeiten an der Trier Spitzmühle entstand. Was zunächst einzig künstlerisch ästhetische Herausforderung war, gewann hier schnell durch die Kontaminierung des Erdauswurfs gesellschaftliche Bedeutung. Zu sehen sind zudem Steinmanns bedrohliche Kampfhunde, seine Mischtechnik Schlemihl nach dem Mann, der seinen Schatten verkaufte, und vieles mehr. er
Die Ausstellung läuft bis zum 6. November. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Weitere Auskünfte unter Telefon 0651/998460 oder auf <%LINK auto="true" href="http://www.eka-trier.de" text="www.eka-trier.de" class="more"%>