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Der junge Wolf im Schafspelz

Trier. Das Schauspiel kommt zu den Menschen. Das ist das Konzept des Jugendtheaters Frosch, das mit seinem neuen Stück "Die besseren Wälder" am Montag am Friedrich-Spee-Gymnasium (FSG) in Trier-Ehrang Premiere feiert. In dem multimedialen Stück geht es um Migration und Integration. Nora John

Trier. "Wo bin ich zu Hause, wo gehöre ich hin?", diese Frage stellt sich nicht nur der Wolfsjunge in dem Theaterstück "Die besseren Wälder". Nach Ansicht des Initiators und Regisseurs der Aufführung, Karsten Müller, geht es vielen Migranten so, dass sie nicht wissen, wo wirklich ihre Heimat ist. In dem Theaterstück, das für Schüler ab der achten Klasse aufgeführt wird, ist genau das ein Thema.
Es geht um den Wolfsjungen Ferdi. Seine Eltern werden erschossen, als die Familie sich auf den Weg zu den "besseren Wäldern" macht, wo es mehr Beute geben soll für die Raubtiere. Ferdi überlebt und wird von einer Schafsfamilie adoptiert. Er wächst dort behütet auf, und niemand ahnt, dass er tatsächlich ein Wolf ist. Bis er mit seiner Schaffreundin den geschützten Bereich verlässt und diese getötet wird. Dann erst erkennt seine Umgebung, dass Ferdi ein Wolf ist und beschuldigt ihn, seine Freundin getötet zu haben. Im Gefängnis lernt er den Bären, der sich wegen seiner Vorliebe für Honig für eine Biene hält, und die Gans, die sich wegen ihres Mutes für einen Fuchs hält, kennen. Diese zwei werden seine Gefährten, weil Ferdi weder bei den Schafen noch bei den Wölfen eine Heimat findet.
Umgesetzt wird das Stück mit minimalen Mitteln - ohne aufwendige Kostüme. Die vier professionellen Schauspieler der Theatergruppe Frosch, die aus verschiedenen Städten kommen, schlüpfen immer wieder in unterschiedliche Rollen, die alle mit schlichten Accessoires dargestellt werden. Für die Schaf-Familie reicht eine helle Fellweste, die Wölfe sind dagegen schwarz gekleidet. Die Gans, die meint, ein Fuchs zu sein, kennzeichnet sich nur durch einen Schnabel.
Unterstützt wird die Handlung durch Videos, die im Hintergrund laufen. Teilweise sind es bewegliche Bühnenbilder. Zum Beispiel laufen bei der Suche der Wolfsfamilie nach den besseren Wäldern im Hintergrund Bilder einer Schneelandschaft, und man sieht den Weg der Tiere.
Bei anderen Einstellungen werden auch ganze Szenen mit den Schauspielern gezeigt. Zum Beispiel beim Begräbnis von Melanie, Ferdis Freundin.
Finanziert wird das Projekt vom Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Sparkasse - außerdem von den Einnahmen bei den Aufführungen. Um das finanzielle Risiko gering zu halten, wird das Stück nur an Schulen aufgeführt, sagt Karsten Müller. Jede Schule zahlt 800 Euro und bekommt damit die Aufführung frei Haus. Es entfällt der Aufwand, mit den Schülern ein Theater aufzusuchen.
Um nicht mehr als die geplanten 16 000 Euro für die Theaterproduktion aufzuwenden, werden die Proben sehr gestrafft. "In drei Wochen ziehen wir das hoch", sagt Müller. Die Tournee durch Rheinland-Pfalz dauert dann zwei Wochen.
Premiere ist am Montag, 30. September, 10.30 Uhr. Weitere Infos zum Theater Frosch gibt es im Internet auf www.theater-frosch.de