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Der Klavierstimmer der Weltstars

Der Klavierstimmer der Weltstars

Amüsante, witzige und anrührende Einblicke in den Backstage-Bereich der legendärsten Pianisten gab Franz Mohr in der Europäischen Rechtsakademie (ERA).

"Uh, ist das warm hier", sagt der 84-jährige Franz Mohr mit einem lustigen Blitzen in den wachen, dunklen Augen zu seinen Zuhörern in der ERA in Trier. Dann entledigt sich Mohr seines Jacketts und tauscht es gegen seinen "Arbeitskittel" um - eine schwarze Schürze, auf der über der Grafik einer Klaviatur ein geradezu mythischer Name prangt: "Steinway & Sons, New York & Hamburg".

Über dreißig Jahre war der gebürtige Dürener als Chefkonzerttechniker für die New Yorker Instrumentenbauer in aller Welt unterwegs. Er hat dabei zu einigen der legendärsten Pianisten ein enges Verhältnis aufgebaut, wie Arthur Rubinstein, Vladimir Horowitz, Glenn Gould.

Die amüsanten, aufregenden oder auch anrührenden Geschichten, die er mit den Künstlern und in ihrem Umfeld erlebte, hat er in mehreren Büchern zusammengefasst. In Trier erzählt er von den Anfängen, wie er, nachdem ihm das Spiel auf Bratsche und Viola wegen Problemen mit dem Handgelenk unmöglich wird, eine neue Aufgabe in der Musik sucht und die Lehre zum Klavierbauer schließlich in Rekordzeit absolviert. Dann der Ruf aus New York, zur Firma Steinway.

In der Botschaft freut sich der amerikanische Botschafter über den jungen Emigranten: "Wir können Sie brauchen, das ganze Land ist verstimmt."

Mohr , der seine Muttersprache inzwischen mit amerikanischen Akzent spricht, erzählt von Rubinstein, dem er die Tasten mit Haarspray einsprühen musste, nachdem er vorher den Fehler begangen hatte, diese zu säubern. Das hingegen habe Horowitz gehasst, da die Tasten dann zu glatt für ihn würden. Einmal bringt Mohr, unerlaubterweise, seinen Sohn mit zur Probe - es kann nicht gut gehen: Horowitz Hund erschnüffelt den Jungen, der sich in den hinteren Rängen der Constitution Hall in Washington versteckt. Und als der berühmte Pianist sich nicht entscheiden kann, wo das Instrument in der Carnegie Hall platziert werden soll, wird er mitsamt des Instruments kreuz und quer über die Bühne geschoben, während er spielt. Die Stelle, wo die Akustik schließlich als am besten befunden wird, markiert seitdem eine in den Boden eingelassene "Horowitz-Schraube".

Den Steinway-Flügel im Saal, auf dem der Pianist Wolfgang Klesius ein Stück des zum Klassik-Komponisten gewandelten Billy Joel vorträgt, wird von Mohr übrigens gelobt: "Der ist wunderbar gestimmt - ich hätte eigentlich gar nicht kommen brauchen!"