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Der kleine Tod und die große Liebe

Der kleine Tod und die große Liebe

LUXEMBURG. In England sind sie Superstars, auf dem Rest des Kontinents erst auf dem Weg dahin: Die Indie-Popper Starsailor haben im Luxemburger "Atelier" gezeigt, dass der Medien-Hype im Königreich ausnahmsweise mal angebracht ist.

Pop aus Großbritannien? Das war vor ein paar Jahren noch schnell erklärt: Junge Männer mit eher albernen Frisuren prosten sich die Gehirnzellen weg, prügeln sich um Frauen, philosophieren über Fußball-Viererketten. Und nehmen ab und zu die Gitarre in die Hand, wenn die Plattenfirma wieder mault. Das heilige Testosteron schwebte über allem. Wo ist es hin? Mittlerweile heißen die britischen Pop-Helden Travis, Coldplay oder Starsailor - Bands, die in ihrem Leben mehr Zeit im Probenraum als im Pub verbracht haben und die man besser nicht fragt, was "Abseits" ist. Gruppen, die dies- und jenseits der Bühne das Mineralwasser dem Wodka vorziehen. Freiwillig. So wie Starsailors James Walsh, Sänger, Gitarrist und Musikfanatiker. Der 23-Jährige wirkt im Luxemburger "Atelier" am Anfang fast schüchtern, wirft ein paar Brocken Luxemburgisch in die Runde. "Villmals merci", hat er gelernt, "moien" grüßt er. Sobald er singt, ist es mit der Zurückhaltung vorbei: Zu Beginn zeigt schon das fast rockige "Music was Saved", dass sich die Band nach dem brillanten, aber sehr ruhigen Debüt-Album "Love is Here" (2001) weiterentwickelt hat. Walsh singt immer noch so, als wäre jeder Ton ein kleiner Tod - aber er weiß mittlerweile, dass er trotzdem nicht gleich sterben muss: Die Weinerlichkeit, die Starsailor manchmal vorgeworfen wurde, ist weg. Melancholie und ein bisschen Pathos sind geblieben: Warme Hammond-Klänge, die Rückkehr des Wah-Wah-Pedals, Akustik-Gitarren und Streicher-Arrangements (die übernimmt beim Luxemburger Konzert der Keyboarder) - dem Vierer aus dem Industrie-Städtchen Wigan im englischen Nordwesten hört man an, dass sie Van Morrison oder Tim Buckley näher stehen als Oasis oder den Stereophonics. Schon vor zwei Jahren hat die englische Musikpresse - mal wieder im üblichen Hype-Delirium - Starsailor schon vollmundig als größte Band der Insel gefeiert: Mittlerweile ist der Vierer sicher näher dran. Beim ersten Gastspiel in Luxemburg stimmt zumindest alles. In 90 Minuten ziehen die Engländer das anfangs noch reservierte Luxemburger Publikum auf ihre Seite: Mit jedem Stück nimmt der Applaus zu, wächst die Liebe. Das liegt zum einen an der Songauswahl - von poppig ("Four to the Floor") über düster ("Tie Up My Hands") bis hymnisch (Zugabe: "Good Souls") - sowie an den ausgezeichneten Live-Qualitäten der Band. Wer das dann noch (wie gern gehört) also "Frauen-Musik" abtut, sollte sich mal Gedanken über sein Y-Chromosom machen. Am 18. November spielt Starsailor im Kölner E-Werk.