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Der Körper als Resonanzboden der Musiker

Der Körper als Resonanzboden der Musiker

Ein atemberaubender Abend: Im vollbesetzten Studio des Grand Théâtre in Luxemburg faszinierte Francesco Tristanos und Saburo Teshigawaras Tanztheater-Projekt "Réunion/Goldberg Varations" etwa 400 Zuschauer.

Luxemburg. Er muss nur den Kopf drehen, und schon hat er sein Publikum ganz für sich. Saburo Teshigawara ist einer der charismatischsten Tänzer dieser Zeit. Ach was, Tänzer: Der Japaner ist ein Multitalent, einer, bei dem sich das viel besprochene Cross-over der Künste in der eigenen Person zum großen ganzheitlichen Kunstwerk eint. Ursprünglich hat der Choreograph Malerei und Bildhauerei studiert. Bis heute ist er, wie einmal mehr in Luxemburg zu erleben war, ein Maler geblieben, dessen Ausführungsgehilfin nicht der Pinsel, sondern die Bewegung ist. Ein faszinierender Bildhauer ist er überdies, der den lebenden Körper gestaltet, seine Energien nutzt, ihn Licht und Schatten widerspiegeln lässt und in Drehung, Biegung und Balance in äußere Form bringt, was Innenwelt ist.
Für die Tanztheater Produktion "Reunion/Goldberg Variations" hat sich Teshigawara mit einem anderen Crossover-Künstler zusammengetan. Der junge aus Luxemburg stammende Pianist Francesco Tristano hat gleichermaßen durch seine Bach-Interpretationen wie durch seine Zusammenarbeit mit Techno-Musikern von sich reden gemacht. In "Réunion" führt der Musiker Johann Sebastian Bachs "Goldberg Variationen" mit John Cages wunderbarer Komposition "In the Landscape" (In der Landschaft) zusammen. Einer schwarzen Box gleicht die Bühne (Beleuchtung und Bühnenregie: Saburo Teshigawara), in die das Licht magische Dreiecke und Rechtecke schneidet. Hart wie ein Hammer erklingt zu Beginn das Pizzicato der Klaviersaiten, das in Teshigawaras zuckendem Körper widerhallt.
"Mich interessiert vor allem, wie der Körper auf äußere Elemente reagiert", hat Tehigawara einmal geäußert. Nichts anderes als ein endloses Aufnehmen von äußeren Klängen und ihr Ausfließen in Bewegung ist Teshigawaras Tanz und der seiner faszinierenden Partnerin Rihoko Sato. Tristano spielt nachdenklich und einfühlsam und dennoch jugendlich frisch die Bach\'schen Variationen. Rihoko Satos Tanz ist ein einziges Fließen, geschmeidig, weich, eine endlose Variation einer inneren wie äußeren Bewegung. Gleichsam als Kontrapunkt nähert sich Teshigawara seiner Partnerin an und entfernt sich wieder von ihr.
Selten war Tanz so fesselnd, waren Künstler so bei sich und dabei so präsent und packend wie an diesem Abend. Was Wunder, dass der Beifall kein Ende nehmen wollte. er