1. Region
  2. Kultur

Der Komponist Christian Heinrich Rinck wurde vor 250 Jahren geboren. In Trier hat er Spuren hinterlassen.

Musikgeschichte : Vom „Sonnenschein der Musik“

Auch ein Jubiläum: Der Organist, Musikpädagoge  und Komponist Christian Heinrich Rinck wurde vor 250 Jahren geboren. Dem Zeitgenossen von Beethoven bereiteten Trierer 1830 einen beeindruckenden Empfang. Zum Dank widmete Rinck Trier einen Männerchor „Gruß in die Ferne“ und eine Messe für Chor und Orchester.

Man könnte vom „großen Bahnhof“ reden, wenn Trier um 1830 schon einen Zuganschluss gehabt hätte. Jedenfalls überschlug sich bei der Ankunft des Musikers Christian Heinrich Rinck die Trierer  Presse mit Lobeshymnen. Philipp Laven, damals so etwas wie der Chefkritiker im Trierer Musikleben, schrieb in der „Trierer Zeitung“: „Wenn schon ohnehin diese geliebte Nähe uns fröhlich stimmte und zum Gesang begeisterte so wurde doch dieses selige Gefühl in uns durch manchen Umstand erhöht. Rinck ist einer von den Menschen, die man auf den ersten Anblick lieb gewinnt. Der Sonnenschein der Musik hat über sein ganzes Leben einen Jugendglanz geworfen, den die Wolken des Alters nicht trüben mögen.“

Der so überschwänglich Gelobte wollte da nicht zurückstehen. Rinck schreibt in seiner Autobiografie von 1833 über seinen Trier-Aufenthalt: „… von allen dasigen Freunden der Tonkunst, fand ich die liebevollste Aufnahme und stets werden die Tage, die ich dort verlebte, zu den schönsten meines Lebens gehören“.

Christian Heinrich Rinck – welche Bedeutung hatte der Musiker, dessen Besuch  in Trier derart begeistert gefeiert wurde? Geboren wurde Rinck im thüringischen Elgersburg, und zwar 1770, im selben Jahr, in dem Beethoven zur Welt kam. Rinck indes gehörte von Anfang an einem anderen Kulturkreis an – dem Kreis der Küster, Organisten und Musikpädagogen vornehmlich an den protestantischen Schulen und in den protestantischen Gotteshäusern. Er gehörte bis zu seinem Lebensende 1846 nicht zu den Virtuosen und auch seltener zu den Komponisten spektakulärer Werke. Rinck war vor allem Pädagoge und bemühte sich überdies, dem heruntergekommenen Organistenberuf wieder Geltung zu verschaffen. Als Schüler von Johann Christian Kittel in Erfurt war er Enkel-Schüler von Bach und war sich der Bedeutung dieser musikalischen Herkunft bewusst. Gerade seine Orgelwerke spiegeln die Nähe zum großen Thomaskantor – vor allem in breit angelegten Fugen und größeren Variationssätzen.

Es waren nicht nur das Orgelspiel und das beachtliche kompositorische Können, das Rinck berühmt machten. Und es war auch nicht allein die deutliche Anbindung an Bach, die seine Zeitgenossen anzog. Rinck verstand es offenbar, auch musikfremden Zeitgenossen ein Sensorium für die Tonkunst mitzugeben. So haben seine zahlreichen Kompositionen stets einen musikpädagogischen Aspekt. Rinck war kein Visionär, sondern ein Bewahrer und Vermittler. Die Zeitgenossen erkannten das rasch. Rinck wurde spätestens nach einer Beförderung zum Stadt- und Hoforganisten in der Darmstädter Residenz im Jahr 1813 landesweit zum anerkannten und gefragten Lehrer. Berühmt wurde er durch seine „Praktische Orgelschule“ mit 125 Werken und einem breiten Stilspektrum vom Barock über Vorklassik und Klassik bis hin zur Frühromantik. Und so war es mit Joseph Mainzer ein Schüler Rincks, der diesen nach Trier einlud.

Glanzvoll war das Trierer Musikleben in dieser Zeit wohl kaum. Eine subventionierte Kultur wie heute gab es damals nicht. Immerhin stand seit 1825 für Veranstaltungen das „Casino“  zur Verfügung, dessen klassizistischer Bau bis heute das Bild vom Trierer Kornmarkt prägt. Mainzer und sein Musikerkollege Stephan Dunst gründeten 1830 einen „Verein geistlicher Konzerte“, der im ersten Jahr seines Bestehens acht Konzerte im Casino veranstaltete. Das fünfte Konzert der Saison war dem Ehrengast Rinck gewidmet. Der war gemeinsam mit seinem Sohn am 30. Juli 1830 in Trier eingetroffen und blieb in der Stadt bis zum 1. August. Am 31. Juli fand das erste Konzert zu Ehren Rincks statt. Für den Geehrten, der die Vorbereitungen nicht bemerkt hatte, war es eine Art Überraschungs-Veranstaltung. Das Programm entspricht in seiner Vielfalt dem damaligen Musikgeschmack. Dem Barock-Komponisten Antonio Caldara und dem Klassiker Joseph Haydn zollte man mit jeweils einer Komposition die gebührende Reverenz, und  der kompositorische Beitrag von Rinck beschränkte sich gleichfalls auf eine geistliche Motette. Im Übrigen dominierte Joseph Mainzer das Programm. Von ihm wurde im Eröffnungskonzert ein Himmelfahrts-Oratorium und ein Chor aus der Kantate „Deutschlands  Retter“ (Text: Philipp Laven)  aufgeführt.

Höhepunkt am dritten Besuchstag war dann ein opulentes Freiluft-­Festessen. Dazu schreibt Laven: „Hier im weiten prächtigen Saale der Natur fühlte sich jedes Herz so fessellos emporgehoben, so warm, so empfänglich für die Blume des Lebens: Die Freundschaft. Jetzt ertönte es von allen Lippen: Es lebe Rinck!“

Rincks Trierer Aufenthalt beschränkt sich nicht auf Festveranstaltungen unterschiedlichen Formats. Das Trierer Domkapitel war an den Orgel-Sachverständigen herangetreten mit der Bitte um Unterstützung bei der Disposition der künftigen Domorgel. Rinck erstellte nach seiner Rückkehr aus Trier tatsächlich eine Disposition und sandte die nach Trier, wo sie zu großen Teilen realisiert wurde und bis 1904 Bestand hatte. Für Rincks enormes Ansehen ist bezeichnend, dass er, obwohl evangelischer Kirchenmusiker, die Klanggestalt der Orgel im katholischen Dom wesentlich bestimmte. Jedenfalls liegen keine Proteste vor.

1837 hatte Orgelbauer  Heinrich Wilhelm Breidenfeld das neue Instrument im Dom fertiggestellt. Zu dessen Abnahme lud das Domkapitel auch Rinck ein. Es gibt indessen keine Hinweise auf einen weiteren Aufenthalt in Trier. Er hatte wohl aus Gesundheitsgründen abgesagt. Im Lauf der Jahre geriet auch Rinck in Vergessenheit. Mittlerweile behauptet er in den Programmen mancher Orgelkonzerte einen bescheidenen Platz. Domorganist Josef Still spielte und spielt gelegentlich Rincks Orgelmusik – darunter ein „Flötenkonzert“ für die Orgel, in dem der Komponist einen stilistischen Spagat unternimmt zwischen Bach, Mozart und der Frühromantik. Als Zeichen der Dankbarkeit widmete Rinck Trier einen Männerchor „Gruß in die Ferne“ und eine Messe für Chor und Orchester.

Orgelmusik von Rinck hat Ludger Lohmann bereits in den 1990er Jahren für Naxos eingespielt. Neuerdings wurde auch der Kammermusiker Rinck entdeckt. Auf dem Nobel-Label MDG präsentiert das „Trio Parnassus“ neuerdings seine Klaviertrios eingespielt. Die Aufnahme dokumentiert das breite Stil-Spektrum des Komponisten – von den klangvoll schlichten Klaviertrios op. 32 bis hin  zum ambitionierten Es-Dur-Trio von 1803.  Das Stuttgarter Trio  findet dazu genau den angemessenen Tonfall. Weitere Einspielungen sind geplant.

Christian Heinrich Rinck, Orgelwerke. Ludger Lohmann, Orgel, Naxos 8553925

Das Titelblatt einer Messe, die Christian Rinck für den Trierer Dom geschrieben hat. Foto: privat
Musikpädagoge Christian Rinck Foto: privat

Christian Heinrich Rinck, Kammermusik I, Trio Parnassus. MDG9032171-6