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Der Künstler Dieter Sommer, Ramboux-Preisträger der Stadt Trier, Mitgründer der Europäischen Kunstakademie (EKA)

Nachruf : „Man muss zu sich hart sein“

Mit dem zweifachen Ramboux-Preisträger Dieter Sommer verliert Trier einen ihrer eigenwilligsten Künstler und einen über die Region hinaus bekannten,  verdienten Pionier der regionalen Kunstszene.

Manche Erinnerung bleibt. Buntes Herbstlaub lag vor dem Haus im idyllischen Gutweiler, als ich Dieter Sommer 2008 zum ersten Mal im Atelier besuchte. Die Fahrt ins Ruwertal hatte einen guten Grund. Der Trierer Künstler sollte zum zweiten Mal mit dem Ramboux-Preis der Stadt Trier ausgezeichnet werden, nach dem Förderpreis 1965, diesmal für sein Lebenswerk.

Es war nicht unsere erste Begegnung, aber die erste im Atelier, jenem intimen Raum, der für Künstler nicht nur Werkstatt ist, sondern auch eine Art nach außen gekehrter Seelenkammer. Die Klingel ertönte, und schwungvoll öffnete sich die Tür. „Hereinspaziert“ bat der Hausherr fröhlich. Und schon ging es nach unten ins Allerheiligste, einem Raum voller Bücher, Bilder, Zeichenblätter und einer Glassammlung, deren Farben herrlich leuchteten. Der herzliche Empfang hatte so gar nichts von einem Mann, dem nach schwerer Krankheit eine ebenso schwerwiegende Behinderung geblieben war, die ihm das Sprechen mühsam machte. Die besorgte Frage der Besucherin nach seiner Gesundheit wischte er mit einer leichten Handbewegung beiseite: „Man muss zu sich hart sein“. Augenblicklich war klar: Hier  war ein Mann mit ungeheurer Disziplin und Willenskraft unterwegs.

Härte war dem 1938 als Dieter Johann Jakob Sommer in Trier geborenen Künstler, der entscheidend die Trierer Kunstszene prägte, wohl seit jeher eigen. Etwas „Ordentliches“ hatte sich die Mutter, eine Kriegerwitwe, wie alle Mütter als Beruf für ihren Sohn gewünscht, vielleicht ein Architekturstudium. Am Ende handelte der junge Mann, der schon als Kind seine Zeichenstifte liebte, einen Kompromiss zwischen Kunst und Brotberuf aus. Er wurde Werbegrafiker. An der Trierer Werkkunstschule studierte er anschließend Malerei und Zeichnen beim Trier-Maler Peter Krisam. Dazu hatten ihn seine Freunde Jakob Schwarzkopf und Erich Kraemer angeregt, zwei andere Säulen der örtlichen Kunstlandschaft. Mit ihnen gründete er Jahre später die Europäische Kunstakademie.

Das Gründen und Sich-selbst-Ergründen mag eine andere prägende Eigenschaft des umtriebigen Frankreich-Fans gewesen sein. Auch wenn der spätere Familienvater Trier treu blieb: Seit seinem ersten Paris-Besuch kam er nie mehr von den französischen Meistern der klassischen Moderne los. Picasso sei sein großes Vorbild, erzählte er. Als Hommage an den Großmeister hing die Zeichnung eines Stiers im Gutweiler Atelier. Nicht allein der: Wer Sommers Werk kennt, weiß, wie hervorragend er frei nach Matisse die ganze Welt ins Ornament fassen konnte.

Trotz aller Nähe zu seinen Vorbildern machte sich der ideenreiche Trierer stets sein eigenes künstlerisches Bild. Entstanden ist dabei ein ebenso umfangreiches wie vielfältiges Werk. Das phantasievolle Bild seiner inneren wie äußeren Welt, mit der sich der Künstler auseinandersetzte und die er als vielfältigen, lebendigen Kosmos veräußerte. Darin verdichten sich im Bild Welterfahrung und Seelenleben. Das Zeichnen sei für ihn wie eine Sucht, hat Sommer einmal gesagt. Fraglos eine, die für ihn, wie die Kunst selbst , existenziell war, die ihn am Leben hielt und den im Sprechen Reduzierten über ihre Bildsprache umso beredter machte.

Nicht nur aufs Zeichnen beschränkten sich Sommers Ausdrucksmittel. Der Ramboux-Preisträger schuf überdies Collagen und Comics und war in der Druckgrafik zu Hause. Hervorragend war sein Gefühl für Farben, Formen und Strukturen. All das ging einher mit einem Humor, dem bewusst war, dass das satirische Lachen die umgänglichste Form kritischer Vernunft ist. Streng und kritisch, wie er seinen Lehrer Krisam beschrieb, war Sommer, wie gesagt, auch mit sich und seinem Werk, streng im Schaffensprozess. Mochte er der Linie noch so freien Lauf lassen, die Farbe glühen, die Ideen sprudeln. Sein strenger Geist ordnete auch seine Traumstücke und Visionen in stimmigen Kompositionen. Jetzt ist Dieter Sommer nach schwerer Krankheit gestorben.