Der Kunstpreis Robert Schuman der Quattropole-Städte Trier, Luxemburg, Metz und Saarbrücken

Kunst : Schuman-Preis: Von Risikofreude keine Spur

In Luxemburg ist der Kunstpreis Robert Schuman der Quattropole-Städte Trier, Luxemburg, Metz und Saarbrücken vergeben worden. Viele Werke wirken banal.

Gewinner des Kunstpreises Robert Schuman 2019 ist Thibaud Schneider. Eine nachzuvollziehende Entscheidung. Der 1995 geborene Künstler, der in Metz lebt, überzeugt mit seinen poetischen Installationen, die gleichermaßen Erinnerungskultur wie Vanitasbild sind und in denen sich Vergangenheit und Gegenwart als ein offenes unfertiges Bild verbinden, das der Fantasie weiten Raum lässt. „Ich schaffe Ruinen“, sagt Schneider von sich. Es ist die Ruinensehnsucht der Romantik, die sich in den Bildern des Franzosen wiederfindet, die Sehnsucht nach Mystik und Mythos und der guten alten Zeit, mit deren Hilfe die Gegenwart verstanden werden kann.

Seit 1991 wird der Quattropole-Preis alle zwei Jahre gemeinsam von den Städten Luxemburg, Metz, Trier und Saarbrücken vergeben. Einmal mehr verstärkt sich angesichts der zum Wettbewerb gehörenden Ausstellung in diesem Jahr der Eindruck, dass die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung eher eine Demonstration europäischen Gemeinsinns in der Großregion ist als eine künstlerische Leistungsschau. Wie in den vergangenen Jahren haben die vier Städte jeweils vier von einem Kurator oder einer Kuratorin ausgewählte Künstler in den Wettbewerb geschickt. Ihre Arbeiten werden derzeit an zwei Standorten in Luxemburg gezeigt, wo diesmal der Wettbewerb ausgerichtet wurde: dem Cercle Cité und der Villa Vauban. Kuratorin für Trier war Bettina Leuchtenberg.

Der Gesamteindruck der Schau ist schwach, von Risikofreude keine Spur und schon gar nichts von dem, was man die „Intensität“ des Kunstwerks nennt, eben seine Fähigkeit, den Betrachter zu ergreifen. Der größte Teil der präsentierten Arbeiten besteht aus Installationen sowie etwas Bildhauerei, wenigen Videos und einer Simulation.

Etliche Erinnerungskunst ist zu sehen, so wie die Installation von Émilie Pierson, die sich darin mit der Geschichte der bulgarischen Familie ihrer Mutter auseinandersetzt.  Durchaus interessant reflektiert Anaïs Marion Erinnerungskultur und kollektives Gedächtnis in ihren Büchern und Bilderzählungen (beide Künstlerinnen aus Metz). Geradezu klassisch muten dagegen die Saarbrücker Beiträge an, wie die Klanginstallationen von Frauke Eckhardt. Ihre Kollegin Ida Kammerloch setzt sich nach Art einer Collage in einem soliden Video mit der Bilderflut der digitalen ökonomisierten Welt auseinander und dem daraus entstehenden neuen Weltbild und Selbstverständnis. Dagegen hat  Martin Fells stylische Küken-Schreddermaschine etwas von Gesellschaftskritik nach Lifestyle-Art. Sollte es vielleicht ja sein.

Überhaupt kommt man ins Grübeln, wie denn der Zustand der Kunst sei und inwieweit Ästhetik gleich Ausdruck von Geist und Sinnen sein müsse. Schon gar, wenn man die Arbeiten betrachtet, die aus Luxemburg und Trier die Ausstellung bestücken.

Die Luxemburger Beiträge darf man schlicht als Banalitäten bezeichnen, auch wenn Aline Bouvy eine Erwähnung der Jury erhielt  (wie übrigens auch Anaïs Marion). Aber auch die bildhauerischen Arbeiten der für Trier angetretenen Judith Leinen gehen über Kunstgewerbe nicht hinaus. Bettina Ghasempoor ist wie immer hochengagiert unterwegs. In ihren hier gezeigten Installationen macht sie mobil gegen Flüchtlingselend, Links-und Rechtspopulismus, kämpft gegen alte und neue Kriege. Gleichwohl bleiben bei allem Engagement ihre Bildschöpfungen kunstlos und extrem schlicht. Auch Werner Bitzigeio kann trotz regionaler Referenz mit seinen weingetränkten Holzrechtecken nicht überzeugen. Seine Kokons im Treppenhaus der Villa Vauban sind ebenso wie seine Gitterskulptur im Park dort alter Wein aus nicht mal neuen Schläuchen (um im Bild zu bleiben).

Einzig überzeugt im Quartett der aus Trier nominierten Künstler Stephan Backes. Der in Berlin lebende Künstler präsentiert eine sehr gelungene Simulation zur Tristesse der Neubaugebiete, deren Anmutung bisweilen an die Einsamkeit in den Bildern von Edward Hopper erinnert. Zeitgenössische Kunst bedürfe des Kommentars, wird gern zu ihrer Entschuldigung gesagt. An umfänglichen Kommentaren war zur Pressebesichtigung kein Mangel. Allerdings zeigt sich hier einmal mehr: Auch beim besten Willen  ersetzt der Kommentar keine künstlerische Ausdruckskraft und schlüssige Ästhetik. Eines jedenfalls bewirkt die aktuelle Wettbewerbsausstellung: Man geht nach Hause und macht sich einmal mehr Gedanken über eine zunehmend als banal empfundene Welt.

Die Ausstellung ist zu sehen bis 19. Januar 2020. Die Öffnungszeiten:
Villa Vaubon Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Freitag von 10 bis 21 Uhr, Infos unter www.villavauban.lu; Cercle Cité Montag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr; Infos unter www.cerclecité.lu. Am 24. und 25. Dezember sowie am 1. Januar gelten geänderte Öffnungszeiten. Den Katalog gibt es ab 14. Dezember.

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