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Der lange, harte Weg zum Ruhm

Der lange, harte Weg zum Ruhm

Tanz, Gesang, Schauspiel: 50 Schüler der Musical School Trier haben in ihrem Stück "Fame" vor mehr als 620 begeisterten Zuschauern im Theater gezeigt, dass sie das Zeug zum Musicaldarsteller haben. Ein gelungener Auftakt für das Premierenjahr der Musikschule Trier, die 2015 ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Trier. Ruhm. Einen Namen haben. In Erinnerung bleiben. Carmen (Lisa Toh) will prominent werden. Will die Anita in der "West Side Story" spielen. Stimme hat sie. Tanzen kann sie. Dass sie gerade mit ihrer Klasse einer New Yorker Musical-Akademie eine klasse Show für die Abschlussfeier vorbereitet, interessiert sie nicht. Sie verlässt Probe, Schule und Mitschüler für ein Vorsprechen ihres Agenten.
Die Warnungen von Schauspiellehrer Myers (Matthias Stockinger) und Tanzlehrerin Bell (Martine Breisch) schlägt sie in den Wind. Ebenso, dass ihr Tanzpartner Joe (Maximilian Millen) und ihr Freund Shlomo (Simon Klar) sauer sind. Ein ungleiches Paar - sie die begabte Lady in Red; er das Muttersöhnchen in brauner Cordhose -, das durch die Musik und ein harmonisch gesungenes Duett zusammenfindet.
Paare finden sich viele an der Schule, jedoch nie ohne Probleme. Es gibt Streit, Eifersüchteleien um Partner, aber auch um Rollen. Doch auch Zusammenhalt, Freundschaft. Denn jeder zeigt Schwächen, kehrt sein Innerstes nach außen.
Die Schüler werden allesamt gespielt von mehr als 50 Eleven der Musical School Trier, eine Abteilung der städtischen Karl-Berg-Musikschule, die mit dem ambitionierten Musicalprojekt ihr Jubiläumsjahr einleitet, wird sie doch 2015 50 Jahre alt. Die Lehrer in der Show sind ihre echten Dozenten wie Stockinger, Beatrice Bergér (Miss Sherman) und Joachim Mayer-Ullmann (Musiklehrer Steinkopf), der als Leiter auch für den rockigen Sound der Band sorgt.
Gesanglich ragen neben Toh und Klar Anna Beckers (Mabel) klare Stimme, Lisa Bebelaars (Serena) und Marius Bingels (Nick) gefühlvolles Timbre sowie Millens kraftvolle Interpretationen hervor. Sie alle vermögen es, den voll besetzten Großen Saal des ausverkauften Theaters Trier mit Klang zu füllen. Das gelingt auch in den Schauspielparts, die natürlich und eindrucksvoll herüberkommen und oft mit Humor überraschen.
Besonders abwechslungsreich und erfrischend die Choreographien (Yvonne Braschke, Bernadett Wacht). Klassisches Ballett, Jazztanz, Hip-Hop und Breakdance - die Schüler der Trierer Musical School sind begabt, haben viele Stile drauf. Jede Geste sitzt; die Bewegungen sind auch in den Gruppentänzen synchron. Tänzerisch setzen Daniel Grischov als Tyrone und Florence Croizé-Pourcelet als Iris Glanzpunkte; sie überzeugen aber auch schauspielerisch.
Dass hinter einem Talent viel harte Arbeit steckt, zeigt Regisseur Alexander Etzel-Ragusa mit vielen Unterrichtsszenen, für die das Publikum immer wieder Zwischenapplaus spendet. Tanz, Gesang, Schauspiel: Dies alles haben die jungen Darsteller zwischen 15 und Anfang 30 in neun Monaten intensiven Probens trainiert. Animationen auf der Leinwand, erstellt von Schülern des Lycées technique de Arts et Métiers Luxembourg, untermalen das Geschehen auf der Bühne wirkungsvoll.
Schon zu Beginn der Ausbildung haben die Dozenten ihre Schüler gewarnt vor dem schnellen Ruhm. Das muss Carmen erfahren, als sie nach großer Enttäuschung in Los Angeles zurückkommt und - vergeblich - versucht, ihre Freunde zurückzugewinnen. Anders als im Film hat Etzel-Ragusa auf ein Happy End verzichtet, was dem Stück Authentizität verleiht.
Ein Wagnis, eine große Herausforderung seien sie mit der Musicalproduktion eingegangen, sagt Musikschulleiterin Pia Langer. Ein Wagnis, das sich gelohnt hat. Und ein Beweis dafür, dass in der Region Potenzial schlummert, das in den Händen von Profis zu Talenten reift, wie der euphorische Applaus der Zuschauer zeigt.
Weitere Aufführungen: 13. September, 19.30 Uhr (ausverkauft), 17. Oktober, 11 und 20 Uhr.