| 20:34 Uhr

Der letzte Vorhang

Weggefährten des Jazzclubs Eurocore: Mit Ulrich Beckerhoff (links) und Matthias Nadolny spielen zwei Gründungsmitglieder der International {Scaron}koda All Star Band auf der Tufa-Bühne.TV-Foto: Anke Emmerling
Weggefährten des Jazzclubs Eurocore: Mit Ulrich Beckerhoff (links) und Matthias Nadolny spielen zwei Gründungsmitglieder der International {Scaron}koda All Star Band auf der Tufa-Bühne.TV-Foto: Anke Emmerling
Trier. Ein letztes, hochkarätiges Konzert: Der Jazzclub Eurocore verabschiedet sich aus der Trierer Kulturlandschaft. Zum Abschied geben die Dozenten des Jazz-Workshops International noch einmal alles auf der Tufa-Bühne. Würdiger hätte das Adieu nicht ausfallen können.

Trier. "Willkommen zum letzten von 1580 Konzerten", begrüßt Thomas Schmitt, scheidender Vorsitzender des Jazzclubs Eurocore, die 130 Gäste im großen Saal der Tufa. Einige zucken zusammen, verdichtet sich doch in diesen Worten die Endgültigkeit vom Ende einer Ära: 36 Jahre Engagement, mit dem Thomas Schmitt eine über die Großregion strahlende Jazzkultur geschaffen hat, von der es an diesem Abend heißt: "Sie hat Trier auf die Weltkarte des Jazz gehoben".
Er selbst bilanziert diese Zeit gerne in Zahlen. Doch von ihr bleibt mehr, eine menschliche Dimension, die an diesem Abschiedsabend sehr greifbar wird. Das Publikum gleicht einer großen Familie, überall vertraute Gesichter langjähriger Begleiter, Clubmitglieder, Freunde und Förderer.
Und auch auf der Bühne versammeln sich Weggefährten. Die Musiker der International {Scaron}koda All Star Band haben beim internationalen Jazz Workshop des Jazzclub Eurocore zusammengefunden, wo sie in wechselnder Besetzung 24 Jahre lang als Dozenten-Team verpflichtet waren. Aus ihren Konzerten in Trier sind inzwischen 13 bundesweite Tourneen entstanden. "Wir haben euch viel zu verdanken, für uns ist das hier ein ganz besonderer Abend", sagt denn auch Professor Ulrich Beckerhoff, Gründer der Band und Workshop-Leiter, in Richtung Thomas Schmitt und dessen Frau Brigitte.
Jazzgrößen auf der Trierer Bühne


Ihre Verbundenheit gießt die Band in Musik, die den hohen Qualitätsanspruch untermauert, den der Jazzclub mit Verpflichtung international renommierter Musiker, von Abercrombie bis Zawinul, stets verfolgt hat. Komplett oder in wechselnden Besetzungen servieren Beckerhoff (Trompete, Flügelhorn), Matthias Nadolny (Saxofon), Peter O\'Mara (Gitarre), Glauco Venier (Piano), Ingo Senst (Bass), Bruno Castellucci (Drums), Sónnica Yepes (Gesang) und Gast Marvin Frey (Trompete) ein stilistisch vielseitiges Programm mit etlichen Eigenkompositionen. Da gibt es intime Latin-Balladen, in denen Yepes mit samtiger Stimme und sinnlicher Ausdruckskraft betört.
Im Kontrast dazu stehen treibende Nummern aus O\'Maras Feder mit Bebop oder Rock-Einschlag. Dazwischen mischen sich Blues und Piano-Balladen. Die Musiker begeistern mit ihrer Kreativität, Virtuosität und Hingabe. Ihr Humor und die freundschaftliche Vertrautheit, die sie sich untereinander und dem Publikum entgegenbringen, tut ein Übriges, um diesen Abend dann doch zu einem Fest zu machen, bei dem freudige Erinnerung der Wehmut die Waage hält. ae