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Der Mann für alle Stile

Tobi Schmitz beim Roxxbusters-Konzert. Foto: Frank Streit
Tobi Schmitz beim Roxxbusters-Konzert. Foto: Frank Streit
Als Klavierlehrer bringt er seinen Schülern Klassik näher, auf den großen Bühnen ist er im Einsatz für die Punkrocker Jupiter Jones - und zwischendurch ist Tobias Schmitz auch noch gefragter Studio-Musiker. Der TV hat den ProfiMusiker in seiner Wohnung in Bitburg besucht. Andreas Feichtner

Bitburg/Dackscheid. In der Vita liest sich später vielleicht das am besten: Auftritt auf der großen Bühne bei der letzten Auflage des legendären Rheinkultur-Festivals in Bonn. 50 000 Zuschauer feiern Jupiter Jones. Im vollen Einsatz an den Keyboards: Tobi Schmitz. Das war im Sommer 2011. Und ja, es war ein Höhepunkt. Aber nicht der eine, gewaltige Gänsehaut-Moment des Jahres, findet der 28-Jährige. Den gab\'s vor der Haustür im Oktober, als Jupiter Jones in Prüm zur Lokalrunde gebeten hatten. Da schauten in der ausverkauften Markthalle zwar "nur" 2500 Leute zu. Aber alle kamen, feierten, staunten. Die Schulkollegen von damals, die Familie und die Freunde sowieso. "Es kamen so viele Leute nach der Show auf uns zu und freuten sich mit uns. Das war schon etwas ganz Besonderes", sagt Tobias Schmitz.
Freunde auf und vor der Bühne


So wurde das ganze Programm zusammengestellt: Es standen praktisch nur Leute auf der Bühne, die sich seit Ewigkeiten kannten. Entweder aus der Schulzeit in Prüm, aus den Probenräumen im kleinen Willwerath, das sie gern mal als Keimzelle von Marvin Go, Monoshoque, Laconics oder Motorcoil (mit Tobi Schmitz) "Rock City" nennen. Oder man kennt sich aus der Kreismusikschule: Dort ist Tobias Schmitz seit zwei Jahren als Klavierlehrer angestellt. Dabei versteht sich der Absolvent der Popakademie Mannheim keineswegs nur als Rock- und Poplehrer. Beim Einzelunterricht empfiehlt er, es nicht so zu machen wie er selbst: "Ich habe als Sechsjähriger direkt mit dem Keyboard begonnen. Besser ist es, mit dem Klavier anzufangen. Man sollte erst einmal das Handwerk lernen, bevor man an den Sounds bastelt." Sein Status bei Jupiter Jones ist nicht restlos geklärt: Er spielt die Keyboards und Piano-Parts ein, schon seit dem ersten Album. Man kennt sich schließlich. Die Eifel ist groß, die Musikszene lebendiger als anderswo, aber sie ist doch überschaubar.
Bei den Touren gehört er wie selbstverständlich dazu. Offiziell firmiert JJ weiter als Quartett. Tobias Schmitz ist aber quasi der fünfte Jones. Damit hat er weniger Promo-Termine im Kalender stehen als Sänger Nicki Müller oder Gitarrist und Manager Sascha Eigner. Und kann Mozart & Co. lehren, während die anderen ein Video zur Single "Nordpol/Südpol" drehen. Aber die Koordination ist dennoch immer ein Balanceakt. Sein Chef in der Kreismusikschule Bitburg-Prüm habe aber viel Verständnis. Das mag daran liegen, auch wenn das Tobi Schmitz so nicht sagt, dass sein Boss - Schiedsrichter Herbert Fandel -, selbst oft genug den Spagat aus Unterricht und den großen (Fußball-)Bühnen meisten musste. Der Kontakt kam über Gitarrist Frank Rohles zustande, der auch an der Kreismusikschule lehrt.
Covern? Dann nur mit Niveau


Der frühere Gitarrist des Queen-Musicals "We Will Rock You" in Köln spielt zusammen mit Schmitz bei Roxxbusters, die beim Covern von Klassikern wie Queen oder Pink Floyd das handwerkliche Niveau ganz nach oben setzen. Für Tobi Schmitz, selbst mit 70er-Progrock à la Yes und den frühen Genesis groß geworden, ist das die perfekte Kombination: Profi-Musiker zu sein, ohne sich jedes Wochenende als Alleinunterhalter bei Betriebsfeiern von Halb-Besinnungslosen die Setlist diktieren lassen zu müssen.
Stattdessen hilft er lieber bei befreundeten Bands aus, wenn dafür mal Luft ist. So ging er etwa mit Monoshoque ins Studio, die kürzlich in Köln bei Produzent Wolfgang Stach (Bap, Jupiter Jones, etc.) aufgenommen haben. Die Eifel-Connection trifft sich auch wieder, wenn ab 28. März die Deutschland-Tour von Jupiter Jones weitergeht, mit Monoshoque als Support. Heißt das dann: Tobi Schmitz im Doppeleinsatz? "Nein, nein. Ich spiele dann nur bei Jupiter Jones mit, das reicht."

Extra

Für Tobi Schmitz war nach dem Abi in Prüm (mit Leistungskurs Musik) klar, dass er Musik zum Beruf machen wolle. Er schaffte die Aufnahmeprüfung für die Hochschule für Musik in Mannheim. Nach zwei Semestern zog es ihn aber in die aus seiner Sicht spannendere Popakademie. 2012 freut er sich unter anderem aufs "Zehnjährige" von Jupiter Jones, das mit einem großen Konzert in Trier gefeiert werden soll. AF