Der Mann von nebenan

Der Mann von nebenan

TRIER. (chj) Der Liedermacher, Chansonnier und Schlagersänger Stephan Sulke sorgte für Euphorie in der Trierer Tufa. Das Publikum wollte ihn nicht gehen lassen.

Wer ist eigentlich Stephan Sulke? Versucht man jemandem zu erklären, um wen es sich dabei handelt, sagt man mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit: "Das ist der, der ‚Uschi' gesungen hat." Sulke erweist man damit einen Bärendienst. Zwar ist das Stück von 1982 sein bekanntester Titel, aber völlig unzureichend, um sein musikalisches Schaffen zu beschreiben. Seine Vielseitigkeit bewies der 60-Jährige am Samstag in der Tufa. Stephan Sulke ist voller Gegensätze. Auf der einen Seite spielt auf einem alten E-Piano, auf der anderen ersetzt er die Band mit einem modernen Laptop. Er singt zur einen Hälfte Stücke seines neuen Albums "Stephan Sulke 60", zur anderen Klassiker aus den 80er-Jahren. Darunter befinden sich dann sowohl Balladen ("Ein vergilbtes Stück Papier"), als auch komische ("Komisch") und sozialkritische Lieder ("Sauerstoffbenutzungsschein"). Manchmal sind sogar Form und Inhalt konträr. In dem als Kinderlied anmutenden "Klapp Klappedi Klapp" erzählt er von einer Prostituierten.Sulke stilistisch festzulegen, wäre, als wolle man einen Pudding an die Wand nageln. In ihm steckt ein Chansonnier, ein Liedermacher und ein Schlagersänger. Und noch viel mehr. Das Publikum mag seinen Kontrastreichtum und liebt seine Natürlichkeit. Sulke wirkt sympathisch und bescheiden. Auch nach über zwei Stunden lässt er sich mehrfach aus der Garderobe applaudieren. Fassungslos schüttelt er den Kopf, als die Zuschauer zum Schluss gar im Stehen klatschen. Am Ende beantwortet er die eingangs gestellte Frage selbst. Mit einem Stück, dass ein zutreffenderes Bild von ihm vermittelt als der Hit "Uschi". Stephan Sulke ist "Der Mann von nebenan".