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Der Messias kehrt tanzend zurück

Der Messias kehrt tanzend zurück

Eine moderne Passionsgeschichte ist am Samstagabend im gut besetzten Trierer Theater uraufgeführt worden. Die Premiere von Sven Grützmachers Tanztheater hinterließ einen zwiespältigen Eindruck.

Trier. Das Leben ist eine Mischung aus Baustelle und Bahnhof, über der in Sven Grützmachers neuer "Passion" unerbittlich die Uhr der Zeit tickt. Für Vergänglichkeit und das Nahen der unausweichlichen Todesstunde stehen die vorrückenden Zeiger. Hinten am Kreuz klagt der sterbende Jesus über die Menschen, zu denen er als Gottes Menschensohn nun selbst gehört: "Sie sind schlimmer als Bestien". Unter ihm bricht seine Mutter verzweifelt zusammen.

Eine "Passio Nova", eine zeitgenössische Passion, hat der Trierer Ballettchef als Tanztheater inszeniert (Bühnenbild Dirk Immich). Das ist ein spannendes und in der spartenübergreifenden Zusammenarbeit mit dem Musiktheater-Ensemble, dem Opern- und Extrachor des Theaters sowie dem Philharmonischen Orchester der Stadt Trier auch ein anspruchsvolles Projekt.

Reizvoll und doch zwiespältig



Grützmacher verbindet dabei in Trier die alte Oratorientradition mit dem Tanz. In einer Szenenfolge wird als Rückblick das Leiden und Leben Jesu erzählt. In seiner Anlage ist das Projekt des Trierer Choreographen und Regisseurs absolut schlüssig und sehr reizvoll. Als Inszenierung bleibt die "Passion" im Eindruck allerdings zwiespältig.

Beachtlich ist der musikalische Teil unter Leitung von Valtteri Rauhalammi, die starken Chöre, der großartige Bass Marek Gasztecki, der im Kostüm von Gera Graf als tausendjähriger Prophet vor allem verstaubt wirkt und der herrliche Sopran von Evelyn Czesla als "Hoffnung".

Gelegentliche Schwierigkeiten hat dagegen Peter Koppelkamm als Pilatus mit seinem Tenor. Großartig ist die Zusammenstellung der Musik aus (neben anderem) klassischen Oratorien wie Bachs Johannespassion und Händels Messias, Alfred Schnittkes wunderbarem Hymnus IV, wenig bekannten Stücken und alltäglichen Zeitgeräuschen wie U-Bahn Lärm.

Blass und klischeehaft bleiben dagegen Choreographie und Inhalte. Die Wirklichkeit ist eine Menge eiliger telefonierender Menschen in modischem Schwarz auf Einkaufstour, die zunächst für ihren Jesus Superstar Fähnchen schwenkt ihn jedoch später verspottet und anspuckt. Die "Rain Dogs" wirken wie typische Theater -Obdachlose, die Hoffnung hat etwas von einer Madonna aus dem 19. Jahrhundert, die Glaubenskrieger gleichen einer Jugendbande. Dazwischen bewegt sich David Scherzer tänzerisch herausragend als "Messias". Hannah Ma gibt ein anrührendes "Mädchen", auch Erin Kavanagh als Mutter bewegt.

Betroffen geht man indes nicht nach Hause. Was dieser geschäftigen Inszenierung - unabhängig von der wenig einfallsreichen Tanzgestaltung - fehlt, ist das Beklemmende, das blanke Entsetzen vor dem nie endenden Leid, die sprachlose Stille, die Leid erst hörbar macht. Bei Grützmacher werden sie weggetanzt und verkleidet. Nur manchmal lassen ein paar eindringliche Bilder ahnen, was sein könnte.

Die nächsten Vorstellungen: 1., 6., 17., 24., 30. April, 13., 30. Mai. Tickets in den TV-Service-Centern in Trier, Bitburg, Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651-7199-996 und online unter www.volksfreund.de.