Der nette Herr Wolf

Vom Physiker zum Politiker: Im TV-Redaktionsgespräch plaudert der rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf über Theater, Wissenschaft und Nerds.

Trier Fernsehen guckt Konrad Wolf selten, doch eine Comedy-Serie ist dem rheinland-pfälzischen Wissenschafts- und Kulturminister nicht verborgen geblieben. "The Big Bang Theory" (auf Deutsch: die Urknalltheorie), ein US-Format mit nerdigen, hochintelligenten, aber im sozialen Umgang überforderten Physikern, habe er seiner Tochter zuliebe gelegentlich gesehen. Der größte Fan des Formats ist der 55-Jährige nicht, outet er sich im TV-Redaktionsgespräch. Er störe sich an Klischees. Und sagt: "Aus eigener Biografie kann ich sagen, dass Physiker auch anders sein können." Wolf muss es wissen. Physik hat er studiert. Und auch Landespolitiker beschreiben den Minister als alles andere als nerdig: Nett, gesprächig ist er, heißt es in Mainz oft. Die Naturwissenschaften hat Wolf hinter sich gelassen, seit er für die SPD im Kabinett sitzt. Es ist eines von vielen Kapiteln in seinem Leben: Sohn einer Bauernfamilie, Realschule, Elektriker-Ausbildung, Abitur, Studium, Arbeit in Instituten, Präsident an der Hochschule Kaiserslautern, nun Minister. Und als solcher mit Fragen konfrontiert, auf die er mal klar, mal weniger klar antwortet.

Die Frage nach dem Theater: Wolf stellt klar: "Die Oberzentren in Rheinland-Pfalz brauchen herausragende Kulturinstitutionen." Das Theater Trier sei ein wichtiger Identifikationsfaktor und liege ihm am Herzen. Geht es aber um die konkrete Zukunft des Hauses - ob Ausrichtung, Sanierung, Neubau - schiebt der Minister den Ball zur Stadt: Trier habe die Aufgabe, ein Konzept zu erarbeiten, das realistisch und nachhaltig sei. Was vom Land aus machbar ist, soll danach diskutiert werden. Als Bekenntnis wertet er, dass Rheinland-Pfalz die Hälfte des Budgets am Theater trage, rund sechs Millionen Euro. Zugleich fördere das Ministerium die Kultur im ländlichen Raum. Beim Eifel-Literatur-Festival 2018 deutet Wolf an, dass es "bei den Highlights der Förderungen keine großen Veränderungen geben wird".

Die Frage nach den Hochschulen: Das Land arbeitet an einem Hochschulzukunftsprogramm, das eine Grundlage für die "nächsten zehn, zwanzig Jahre" bilden soll. Wichtig sei Wolf, das Angebot der Studiengänge mit dem Bedarf an Fachkräften zu verknüpfen, die in den Regionen gebraucht werden. Beruf und Studium will er stärker verbinden, die Zahl ausländischer Studenten steigern. Sinnvoll sei es, mehr englischsprachige Studiengänge zu schaffen und im Ausland stärker für die Hochschulen zu werben. Studiengebühren ausschließlich für Nicht-EU-Ausländer, wie in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg geplant, lehnt er ab. "Für Rheinland-Pfalz schließe ich Studiengebühren aus, auch für ausländische Studierende."

Die Frage nach der Forschung: Der Minister wehrt sich gegen Kritik, wonach das Land zu wenig in Forschung investiere. Im Doppelhaushalt 2017/18 seien Ansätze für die Wissenschaft um fast 70 Millionen Euro erhöht, in den vergangenen Jahren 400 Stellen geschaffen worden. Lebenslanges Lernen ist ihm in der Weiterbildung wichtig, die ihm als Minister obliegt. Ein Motto, das auch für das Leben des netten Herrn Wolf gelten kann.Extra: VOM BAUERNHOF INS MINISTERIUM


(flor) Der oberpfälzische Akzent ist bei Minister Konrad Wolf nicht zu leugnen. Der Grund: Der Sohn einer Bauernfamilie lebte 35 Jahre in Ostbayern. Später zog es ihn nach Rheinland-Pfalz. Von 2009 bis 2016 war er Präsident der Hochschule Kaiserslautern, ehe Ministerpräsidentin Malu Dreyer den 55-Jährigen in das neu geschaffene Wissenschafts- und Kulturministerium rief. Bei der Sprache hat der zweifache Vater übrigens über einen befreundeten Sprachwissenschaftler mal die Erklärung eingeholt, warum Katalanisch eine Sprache sei, Bayerisch aber ein Dialekt. Dessen Erklärung, so sagt Wolf: "Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee." Was liest und guckt der Minister am liebsten? Das verrät er im Interview auf www.volksfreund.de/videos

Mehr von Volksfreund