Der neue Thriller von Arno Strobel "Offline"

Neuer Thriller : Bestseller-Autor aus Tawern schreibt "Offline" – Raus aus dem Netz – rein in die Falle!

Handy aus! Nicht erreichbar zu sein, kann ein Segen sein. Wenn man nicht in der Falle landet wie in Arno Strobels neuem Psychothriller „Offline“. Der Bestseller-Autor aus Tawern geht bei dem Roman neue, steinige Wege – und brachte schon einige seiner Fans vor der Veröffentlichung ordentlich ins Schwitzen.

Die Themen liegen auf der Straße. Manchmal sogar auf der Autobahn weit hinter Wittlich. Irgendwo dort, in der tiefen Eifel, auf der Fahrt zu einer Lesung, schreckt Arno Strobel hoch. Wo ist mein ... verdammt, Smartphone vergessen! „Ich habe einen richtigen Schreck bekommen“, erinnert sich der Thriller-Autor. Zurück in seinen Wohnort Tawern zu fahren sei keine Alternative gewesen, dann hätte er es nicht mehr pünktlich zur Lesung geschafft. „Also habe ich den Abend und den nächsten Vormittag ohne Handy verbracht – und ich fand so krass, was alles gefehlt hat. Das war ein regelrechter Entzug.“ Abends, nach der Lesung an der Bar, habe er alle zwei Minuten sein Handy gesucht.

Das klingt nach Erste-Welt-Problem – und das ist es sicher auch. Selbst wenn das Smartphone für Arno Strobel eine Art mobiles Büro ist. Und es eine ganze Reihe Leute gibt, die freiwillig für kürzere oder längere Zeit aufs Smartphone und Internet verzichten – aus unterschiedlichen Gründen. Das wird im Englischen gerne „digital detox“ genannt, digitale Entgiftung also, als wäre die schnelle Vernetzung, die permanente Erreichbarkeit und das ewige Online ein maliziöses Nervengift.

Für Arno Strobel war der unfreiwillige Offline-Tag eine Inspiration, eine kleine Offenbarung. Wie wäre es, ein paar Tage komplett aufs Handy zu verzichten? Es hat ja Vorteile. WLan aus, Tempo raus, plakativ gesagt. Weniger stressen lassen, sofern die Askese nicht wiederum ihrerseits den Stresslevel peitscht. Als Autor von erfolgreichen Psychothrillern denkt Strobel ein paar Morde weiter: Wenn sich Menschen freiwillig von der Außenwelt abschotten, weitab vom Schuss, dann ist das ein feines Setting für einen Roman. „Dann schafft man eine Situation, in der Leute keine Möglichkeit haben, Hilfe zu rufen, wo sie alle miteinander eingeschlossen sind.“ Nur wo? Einsame Insel? „Zu ausgelutscht – schon wegen ’Herr der Fliegen’, dem Über-Klassiker“, sagt Strobel, gelernter IT-Spezialist, der erst mit 40 zum Schreiben kam – der aber längst einer der erfolgreichsten Thrillerautoren des Landes ist. Er verlegte „Offline“ auf eine Berghütte am Watzmann, in ein früheres Bergsteiger-Hotel in 2000 Metern Höhe. Eine Gruppe junger Leute verzichtet dort für fünf Tage auf Telefon und Internet – und erlebt ab dem zweiten Tag einen Höllentrip.

 Davon konnten sich elf Fans des Thrillerautors schon ein genaues Bild machen – vor Ort, am Watzmann. Sie waren – wie 1500 andere auch – dem Aufruf Strobels gefolgt, einen Offline-Tag einzulegen und über ihre Erfahrungen zu berichten. Davon wurden die Gewinner aus ganz Deutschland ausgewählt, die sich in dieser Woche am Dienstag und Mittwoch auf Kosten des Fischer-Verlags auf den Weg mit dem Autor ins Berchtesgadener Land gemacht haben – samt anstrengender Wanderung und exklusiver Lesung an den Schauplätzen des Thrillers. Ein Mix aus Realität und Fiktion. „Dieser Offline-Trip am Watzmann war für die Teilnehmer eine Grenzerfahrung im positiven Sinn, bei der die körperliche Herausforderung der anspruchsvollen Bergwanderung mit der Erkenntnis einherging, dass eine Offline-Zeit durchaus viel Positives mit sich bringt“, sagt Strobel. „Zumindest, solange man nicht – wie in meinem Psychothriller – auf Hilfe von außen angewiesen ist.“ Strobel hatte auch einen Kameramann dabei – so wird er in seinen Multimedia-Lesungen in Ayl und Stadtkyll (siehe Info) auch Videos vom Watzmann-Trip zeigen.

Es ist das erste Mal, dass ein Roman von Strobel mit einer so großen Social-Media-Kampagne begleitet wurde. Erfolgreich wurden Strobels Thriller aber bisher auch ohne: Die Frage ist im Normalfall nicht, ob Strobel in der Spiegel-Bestsellerliste landet, sondern nur: an welcher Position. Erscheinen wird „Offline“ am 25. September. „Man fragt sich immer, wie der Thriller angenommen wird, das ist jedes Mal aufregend.“ Diesmal sei er besonders gespannt und auch etwas nervös. Zum einen, weil das Format gewechselt wurde – vom Taschenbuch zum hochwertigeren (und etwas teureren) Paperback, zum anderen wegen der Marketing-Kampagne. Im Herbst steht zudem eine Lesetour durch 40 Städte auf dem Programm des umtriebigen Autors, dessen Thriller auch teilweise verfilmt werden sollen. Wenn er mal nicht morden lässt, schreibt der gebürtige Saarländer – zum Ausgleich sozusagen – Jugendbücher.

Arno Strobel , Cover Offline (Fischer-Verlag). Foto: Fischer Verlag

Aber was ist überhaupt so schwer daran, aufs Internet zu verzichten? Strobel, Jahrgang 1962, ist schließlich – wie seine Altersgenossen –  sein halbes Leben über gut analog durch die Welt gekommen. „Trotzdem ist es nicht so einfach zu sagen: Früher ging es ja auch ohne“, sagt Strobel. „Das ist ein Trugschluss. Denn früher hatte auch niemand anders ein Handy oder Internet. Wenn man heute das Handy weglegt, klinkt man sich auch ein Stück weit aus der Gesellschaft aus.“ Das kann dann gefährlich werden. Auf jeden Fall in Strobels Fantasie.

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