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Der Porno in Pansens Keller

Der Porno in Pansens Keller

TRIER. Schon mal Porno-Dialoge rückwärts gehört? Über die Gefahren des Nudisten-Grillens (wobei die Nudisten nicht gegrillt werden, sondern selbst grillen) nachgedacht? Oder überlegt, wie man ohne Umwege zum größten Idioten Deutschlands wird? Das mag alles sehr abstrus klingen – bei Jürgen von der Lippe hört es sich regelrecht plausibel an.

Dieser Mann kennt keine Schmerzen. Das Wort "peinlich" sagt ihm nichts. Von Hemmungen hat er vielleicht schon gehört, aber ihre Wirkungsweise nicht verstanden. Sonst könnte er sich wohl kaum auf die Bühne einer total ausverkauften Europahalle stellen und dem Trierer Publikum ausführlich davon erzählen, wie er damals im Keller seines Klassenkameraden "Pansen" in der medialen Steinzeit lange vor Video und DVD auf einem Super-8-Projektor seinen ersten Porno gesehen hat - Dialoge (zwei) und Aktions-relevante Geräuschkulisse inklusive. Und zwar vorwärts und rückwärts. Jürgen von der Lippe ist seit der Gründung der Gebrüder Blattschuss 1976 im Geschäft. Er hat moderiert (aktuell "Extreme Activity"). Er hat Platten und CDs produziert ("Guten Morgen, liebe Sorgen" war 1987 Nummer eins). Er war Schauspieler. Alles gut und schön. Aber wer ihn nicht auf der Bühne erlebt hat, kann beim Thema "von der Lippe" nicht mitreden. Auch sein elftes Bühnenprogramm "Alles was ich liebe" ließ am Samstagabend das Trierer Publikum lachen, brüllen, kreischen und quietschen. Einige hatten sich später auf dem Weg zum Parkhaus noch nicht beruhigt und prusteten auch auf dem Nachhauseweg vor sich hin. Woran liegt das? Witze aus dem Bereich unterhalb der Gürtellinie sind normalerweise kein großer Sport. Jürgen von der Lippe betritt diesen Bereich nicht nur gelegentlich. Er lebt dort. Zwar fängt er meist langsam an. Auch in Trier spricht er zuerst über die Gefahren des Rauchens ("Rauchen verengt die Arterien, Saufen erweitert sie wieder"), lässt danach das Publikum bei "Ein bisschen Kritik" mitsingen und gnadenlos in falsche Einsätze stolpern. Als man sich dann warmgegrinst hat, kommen die schweren Geschütze. Von seinem ersten Orgasmus ("Hat mir da eine Taube auf den Bauch gek...") über den bereits erwähnten Porno in Pansens Keller bis zur Entjungferung durch seine erste Freundin "Pink Purple" lässt Jürgen von der Lippe seinem Publikum keine, aber auch wirklich keine Wahl. Alle lachen. Die Freunde des eher geistig hochwertigen Humors lachen. Die eigentlich mit einer total miesen Laune oder alternativ einer Mordswut in der Europahalle aufgetauchten Zuschauer lachen. Die Vegetarier ("Wie viele Finger der produzierenden Mitarbeiter findet man wohl in der Soja-Wurst?") lachen. Sie alle können nicht anders. Jeder Satz, jede Pointe, jede Betonung ist Bestandteil eines perfekt geplanten und meisterhaft präsentierten Auftritts. Und am Ende hat man seine miese Laune oder Mordswut tatsächlich glatt vergessen. Richtig schade, dass Jürgen von der Lippe nicht öfter nach Trier kommt.