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Der Rebell und der Star

 Manfred-Paul Hänig als „Der Priestermacher“ (rechts) trägt schwer an der Aufgabe, aus einem gläubigen jungen Mann (Daniel Kröhnert) einen Pfarrer zu machen. Foto: Marco Piecuch
Manfred-Paul Hänig als „Der Priestermacher“ (rechts) trägt schwer an der Aufgabe, aus einem gläubigen jungen Mann (Daniel Kröhnert) einen Pfarrer zu machen. Foto: Marco Piecuch
Trier. Zölibat, Homosexualität, Kirche von unten, Priesterinnen: Die katholische Kirche sieht sich vielerlei Krisen ausgesetzt. Diese Themen hat der amerikanische Autor Bill C. Davis bereits 1984 in seinem Stück "Der Priestermacher" aufgegriffen. Am Mittwoch, 16. Januar, feiert es in der Domstadt Trier Premiere. Mechthild Schneiders

Trier. Jack Lemmon hat den Priester Tim Farley 1984 im Film "Mass Appeal" (Die Auseinandersetzung) verkörpert, Joachim "Blacky" Fuchsberger hat ihn in sechs Jahren mehr als 230 Mal gespielt. Und auch für Comedian Thomas Freitag wird die Rolle zum Dauerbrenner; seine 2012er-Tournee wird 2014 fortgesetzt. Nun tritt der Trierer Schauspieler Manfred-Paul Hänig in die prominenten Fußstapfen und steht ab Mittwoch, 16. Januar, als Geistlicher auf der Studiobühne des Theaters.
Das Stück "Der Priestermacher" von Bill C. Davis habe aktuellen Bezug, meint Regisseur Florian Burg. So werde die Homophobie der Amtskirche im Stück als Machtinstrument gegen den jungen Priester Mark Dolson, gespielt von Daniel Kröhnert, eingesetzt. Der will sich nicht einordnen, ist aufbrausend, etwas eigenbrötlerisch. Und so läuft er Gefahr, aus dem Priesterseminar zu fliegen. Der erfahrene Farley erhält die schwere Aufgabe, aus dem gläubigen, aber rebellischen Dolson einen Priester zu machen. Doch der junge Seminarist macht es dem Star der Diözese nicht leicht.
Der Autor greift Themen wie Frauen als Priester, Zölibat, Mitbestimmung der Gemeinde, aber auch die Frage auf, was einen guten Priester ausmacht. "Das Stück kritisiert die katholische Kirche als dogmatisches System", sagt Regisseur Burg. Und nimmt so auch indirekt Bezug auf aktuelle Ereignisse wie die Proteste der katholischen Kirche in Kroatien gegen den Sexualkundeunterricht in Schulen oder die Verquickung von russisch-orthodoxer Kirche und Politik, die die russische Punkband Pussy Riot aufgedeckt hat.
Trierer Seminaristen arbeiten mit


Für Burg ist das Thema "keine unbekannte Größe": "Ich bin mit dem Katholizismus groß geworden." Und auch der Autor sei streng gläubig. Die Umsetzung des Stücks sei eine spannende Arbeit gewesen. "Man muss die Figuren ernst nehmen, ihre besonderen Beweggründe herausfinden." Zur Unterstützung hatte er zwölf Seminaristen des Trierer Priesterseminars eingeladen. "Sie haben uns unter anderem die typische Pfarrergestik vermittelt", erzählt Burg. Bei der Umsetzung des Stücks habe er aufpassen müssen, "nicht in die Falle der Klischees zu tappen. Es gibt auch das zarte Pflänzchen Glauben im Stück. Dem Berechtigung zu geben, war eine Herausforderung für das Ensemble."

Premiere ist am Mittwoch, 16. Januar, 20 Uhr, im Theater-Studio. Weitere Termine: 25., 27. Januar, 6., 20., 22. Februar, 1., 7. und 24. März, jeweils 20 Uhr.