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Der Reiz der Entdeckung

Der Reiz der Entdeckung

Knapp drei Wochen vor der Eröffnungs-Premiere der Antikenfestspiele 2010 laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Programm ist praller denn je, die Gastkünstler sind gerade eingetroffen, die Proben gehen in die heiße Phase.

Trier. Wenn die Präsentations-Pressekonferenz der Maßstab ist, dann stehen den Trierern die größten Antikenfestspiele aller Zeiten ins Haus. Eineinhalb Stunden dauert die Vorstellung des Programms in den Viehmarkt-Thermen, aufgefahren werden nicht nur römische Häppchen, sondern auch mächtige Sopranistinnen und dämonische Tenöre, Lesungen aus der altgriechischen Literatur, markige Film-Trailer, blutige Schauspiel-Ausschnitte und mit dem Mainzer Kabarettisten Lars Reichow ein launiger Moderator, der den Journalisten auch noch das Fragen abnimmt.

Der Charme des neuen Konzepts soll überzeugen



Intendant Gerhard Weber setzt ganz auf den Charme seines neuen Konzepts, das unbekannte Meisterwerke der Oper und spektakuläre Schauspiel-Gastproduktionen miteinander verbindet. "Monumentale Oper in monumentalem Ambiente" verspricht er für die Trierer "Nerone"-Produktion, die das Schicksal des Kaisers Nero aus der Sicht des italienischen Komponisten Arrigo Boíto zeigt. Psychologie und Pyrotechnik sollen Hand in Hand gehen - und nicht nur Opern-Experten locken. Und die stimmgewaltigen Ausschnitte, die die Gaststars Rachael Tovey, Gianluca Zampieri und Sang Lee im Thermenmuseum servieren, wirken tatsächlich imposant in ihrer melodiösen Fülle und der packenden musikalischen Mischung zwischen Verdi und Wagner.

Und noch einen Trumpf kann Weber gegenüber früheren Jahren ausspielen: Dank einer Überdachung fürs Orchester, so seine mutige Garantie, "können wir bei leichtem und mittlerem Regen weiterspielen". Das dürfte eine beruhigende Botschaft sein für potenzielle Besucher, die nach den Abbruch- und Verlegungserfahrungen früherer Jahre diesmal mit dem Kartenkauf zögern.

Die Wetter-Garantie des Intendanten



Beim Schauspiel heißt Webers Ass Michael Thalheimer. Der Frankfurter gehört zu der Handvoll deutscher Theaterregisseure, die sich aussuchen können, wo und mit wem sie arbeiten. Dauergast beim Berliner Theatertreffen, Abonnent bei allen Preisverleihungen: Seine von der Elite der deutschen Kritik über den grünen Klee gelobte Doppel-Inszenierung Ödipus/Antigone wird ins Amphitheater importiert. "Der ideale Ort für Thalheimers sehr archaischen Stil", schwärmt Chefdramaturg Peter Oppermann.

Auch das Festspiel-Konzert wartet diesmal mit einem Mega-Event auf: In Mammut-Besetzung samt Riesen-Chor spielen die Philharmonischen Orchester aus Trier und Metz gemeinsam Beethovens Neunte und ein eigens komponiertes "Mosella"-Oratorium des jungen französischen Komponisten Pierre Thilloy. "Der Reiz liegt in der Entdeckung", sagt Dirigent Victor Puhl.

Das gilt auch für die ungewöhnliche Kombination von szenischer Lesung und Elektro beats, mit der Schauspielerin Corinna Harfouch und ihr Sohn DJ Shaban gastieren. Medea, Elektra, Phädra: gleich drei zentrale Frauenfiguren der Antike nimmt Harfouch sich bei "Fragmente der Liebe" vor, in unterschiedlichsten Text-Versionen. Letztes Jahr in Köln dauerte das Programm fünf Stunden und hinterließ ein ebenso begeistertes wie erschöpftes Publikum.

Auch beim traditionellen Antiken-Symposium hat man eine gehörige Schippe draufgelegt: Nicht nur, dass es ein kulinarisches Rahmenprogramm und eine halbszenische Aufführung von Platons "Gastmahl" gibt: Zur erstmals im Landesmuseum ausgetragenen Diskussionsrunde "Eros und Macht" erscheinen mit den Professoren Alexander Demandt, Bernhard Zimmermann und Peter Iden gleich drei Zierden ihrer Zunft.

Ein wenig unter die Räder gerät bei der Pressekonferenz das soziokulturelle Projekt "Die Aeneis" in Zusammenarbeit mit dem Bürgerhaus Trier-Nord. Es findet aber statt.

Termine:

"Nerone", Oper von Arrigo Boíto, 10., 12., 14., 16, 18. Juli, 20.30 Uhr, Amphitheater; "Ödipus/Antigone", Schauspiel von Sophokles, 26., 27. Juni, 3., 4. Juli. , 20 Uhr; Festspielkonzert, 1. Juli, 20.30 Uhr, Amphitheater; "Fragmente der Liebe", 9. Juli, 19 Uhr, Amphitheater; Symposium "Eros und Macht", 25. Juni, 18 Uhr, Landesmuseum; "Die Aeneis", 15., 16., 17. Juli, Viehmarktthermen.

Tickets in den TV-Service-Centern in Trier, Bitburg, Wittlich, unter der Tickethotline 0651-7199-996 und online unter www.volksfreund.de/tickets