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Der Rhythmus, wo man mit muss

 Fred Kellner und die famose Soulsister reißen beim Konzert das Publikum mit. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Fred Kellner und die famose Soulsister reißen beim Konzert das Publikum mit. TV-Foto: Dirk Tenbrock FOTO: Dirk Tenbrock (DT) ("TV-Upload Tenbrock"
Trier. Die schwitzig-funkige Party mit "Fred Kellner und die famose Soulsister" in der Trierer Tufa geht den 250 Besuchern direkt in die Beine. Dirk Tenbrock

Trier Die beste Party der Karnevalszeit ist leider schon vorbei. Und das ganz ohne Humbatäterä. Als sich am Donnerstag um 23 Uhr die letzten Aufrechten aus dem großen Saal der Tufa in Trier verabschieden, sind sie verschwitzt, aber glücklich; über 150 Minuten lang hatte die Combo Fred Kellner and the Soulsister den Feierwütigen mit Funk- und Soulmusik der 1970er und 80er Jahre heftig eingeheizt, die Beats gingen unmittelbar von den Ohren über die Körpermitte in die Beine.
Das Publikum, überwiegend Kinder der Hoch-Zeit von handgemachter Disco-Mucke, hat sich die Seele aus dem Leib getanzt, und auch die 16 Musiker haben alles gegeben. "Das ist der Rhythmus, wo man mit muss", sagt eine Dame, während sie vor der Tür kurz Luft holt. Dabei existiert die Band um den Bassisten Ralf Günther schon seit 1988, hat aber in fast 30 Jahren nichts von ihrer Frische und Leidenschaft eingebüßt, die Songs sind ja sowieso zeitlos.
In seinen Moderationen sagt Günther, alias Fred Kellner, einen "absoluten Höhepunkt" nach dem andern an, alle Musiker heißen ebenfalls Fred Kellner, das sind nur zwei der Running Gags, dazu gibt es Reminiszenzen an legendäre Konzerte der alten Zeit. Auch die glitzersilberweißen Kostüme und Kopfputze im Stil der 1960er und 70er Jahre tragen zum glamourösen Disco-Look der Show bei. Vor allem aber ist da die Musik, exzellent performt von den "Horny Horny Horns" (Zwei Saxofone und eine Trompete), den drei Streicherinnen der Super Sonic Silverstrings und den drei Soulsister-Sängerinnen. Dazu Bass, Gitarre, Keyboards, Congas und Drums, Syntheziser, Vocoder und Strings, die originalen Detroit- und Philly-Sound erzeugen.
Alle Titel stammen übrigens aus der Feder eines der Kellners, Berühmtheit erlangten sie dann in den Versionen von Earth Wind and Fire, James Brown, George Benson, Prince, Tina Turner oder Stevie Wonder. Ernsthaft!
Alles tanzt und schwitzt, echte Disco-Atmosphäre, die Best-Ager feiern die Nostalgie und die Erotik ihrer Jugend: "Lady Marmalade" von Patti LaBelle bringt den Schmelzpunkt, der Saxofonist legt einen amtlichen Hot-Cha-Cha-Cha zu "Soul-Pigeon" von Kid Creole and the Coconuts hin, und als zum Abschluss alle "All night long" von Lionel Ritchie performen, wogt die 250-köpfige Masse hin und her.
Als Zugabe dann noch der vielleicht tanzbarste Hit des jungen, authentischen Michael Jackson aus 1979: "Don't Stop till You Get Enough". Pure Ekstase auf und vor der Bühne.
SOUL- UND FUNK-PROJEKT SEIT FAST 30 JAHREN


Extra

Fred Kellner and the Soul Sisters wurden 1988 von dem Comedian und Musiker Ralf Günther gegründet und versteht sich als Soul- und Funk-Projekt mit wechselnder Besetzung und hohem Spaßfaktor. Jedes Jahr gibt es nur eine zweiwöchige Tour, Plattenaufnahmen gibt es keine, nur der Live-Act zählt. Günther ist zudem noch Mitbegründer von "brainpool", das unter anderem die Sendung "TV-Total" mit Stefan Raab produziert hat.