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Der schmale Grat zwischen Sinfonik und Kammermusik

Der schmale Grat zwischen Sinfonik und Kammermusik

Der Hausmeister im Kloster Kar-thaus musste eifrig Stühle herbeischaffen. Schließlich saßen zur Abschlussveranstaltung der Konzer Sommerkonzerte 130 Besucher dicht gedrängt im Festsaal. Keine Frage: Nach 20 Jahren sind die Sommerkonzerte im Kulturleben endgültig angekommen.

Konz. Schon das Programm muss einen dankbar stimmen. Wo, bitte, gibt es sonst in einer Veranstaltung gleich zwei Kompositionen für zwei Klaviere und Orchester, dazu einen konzertanten Satz für Bratsche und im zweiten Teil noch Beethovens Tripelkonzert?
Zum Abschluss der Konzer Sommerkonzerte standen sie im Festsaal Karthaus auf der Agenda - Bachs bedeutendes C-Dur-Konzert für zwei Klaviere, Mozarts herrlich jugendlich-übermütiges Es-Dur-Konzert, gleichfalls für zwei Klaviere, Carl Maria von Webers Andante und Rondo Ungarese für Viola und Orchester und schließlich Beethovens Tripelkonzert für Violoncello, Violine und Klavier.
Gerade bei diesem allgemein unterschätzten und deshalb wenig aufgeführten Werk zeigte sich: Im Konzer Klaviersommer wird nicht dilettiert. Dirigent und Sommerkurs-Leiter Paul Trein gab dem Orchester aus Mitgliedern der Trierer Philharmoniker eine erstaunliche Fülle und Beweglichkeit mit, und auch die besetzungsbedingte Bläser-Dominanz ist kein Anlass zur Kritik: So werden die Orchester damals, zu Beethovens Zeiten, geklungen haben.
Und dann die Solisten Anthony Newton am Klavier, Jon Hess an der Violine und Tim Oberbillig am Cello: ein homogenes Ensemble von Anfang an. Schon der erste, verhaltene Einsatz des Cellisten signalisiert: Hier wirft sich niemand in solistische Pose. Der Cellist und mit ihm Geiger und Pianist bleiben ihrem Ensemble und damit Beethovens Musik verpflichtet. Und so balancieren das Solistentrio und das Orchester sicher auf dem schmalen Grat zwischen Sinfonik und Kammermusik - energisch, aber ohne martialische Beiklänge das Tutti, ausschwingend und mit einem Beiklang von Schubert naher Intimität das Solistentrio.
Nicht immer war diesem Konzert ein solch grandioser Erfolg beschieden. Bachs Konzert für zwei Klaviere und Orchester wurde mehr auf Deutlichkeit und weniger auf Beweglichkeit angelegt - präzise, aber auch trocken und etwas akademisch das Solistenduo Orlando Millaá/Oxana Grebneva. Fraglich auch, ob beim nur unterstützenden Orchesterpart die relativ große Streicherbesetzung Sinn macht - zumal Bach das Werk ohnehin erst nur für zwei Klaviere (ohne Orchester) schrieb. Mozarts Doppelkonzert KV 365 hätte ohne Trompeten und Pauken zweifellos gewonnen - ob diese Besetzung überhaupt von Mozart stammt, ist ohnehin unklar. So verlor das Konzert ein Stück weit seinen Charme, wobei Luca Montebugnoli und Paolo Costanzo dem heiklen Solistenduo Präzision und eine erfreuliche Transparenz mitgaben.
Funken auf der Dieselgeige


Aber dann, vor der Pause, ein echter Höhepunkt. Solist Benjamin Beck gibt in Webers Rondo Ungarese der unter Insidern als "Dieselgeige" belächelten Bratsche eine Beweglichkeit und solistische Prägnanz mit, die nachhaltig beeindrucken. Und da glänzte das Orchester unter Paul Treins kompetentem Dirigat durch Prägnanz und Präzision und dazu eine Vielfalt von Klangfarben. Bravi für die Solisten und überhaupt alle Mitwirkenden im voll besetzten Saal. Nach 20 Jahren sind die Sommerkonzerte im Konzer Kulturleben endgültig angekommen. mö